NLB-Playoffs
Martin «Disu» Wüthrich wurde in Spiel 1 plötzlich zum Helden

Der EHC Olten liegt in der Halbfinalserie gegen Ajoie vorne – auch dank Penaltyheld Martin Wüthrich. Am Sonntagabend (18.15) kommt es in Pruntrut zum zweiten Duell der Serie.

Marcel Kuchta
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Martin Wüthrich war massgeblich am Penaltysieg im Halbfinalspiel 1 beteiligt

Martin Wüthrich war massgeblich am Penaltysieg im Halbfinalspiel 1 beteiligt

Hansruedi Aeschbacher

Der Diesel ackerte und rackerte, bis kein Treibstoff mehr ihm Tank war. Und mit den letzten Tropfen rettete er seine Mannschaft sprichwörtlich noch ins Ziel. Martin Wüthrich, Übername «Disu», musste am Freitagabend für seine Verhältnisse ein Mammutpensum absolvieren. Er, der normalerweise im vierten Block und im Penalty-Killing die Rolle als fleissiger Arbeiter spielt und im Stile eines Diesel-betriebenen Traktors ackert, wurde plötzlich in eine prominente und arbeitsintensivere Rolle befördert.

Nachdem Shayne Wiebe früh mit einer Steissbeinprellung ausschied, reduzierte EHCO-Trainer Heikki Leime sein Team ab dem zweiten Drittel auf drei Sturmlinien. Und Wüthrich kam anstelle des Kanadiers im nominell ersten Sturm an der Seite von Topskorer Justin Feser und Martin Ulmer zum Einsatz.

Da das Spiel inklusive Verlängerung und Penaltyschiessen weit über drei Stunden dauerte, kam am Ende eine beträchtliche Eiszeit für den «Diesel» zusammen – weit mehr, als er sich normalerweise gewohnt ist. «Ich spüre meine Beine schon mehr als sonst», erklärte das Oltner Eigengewächs zu später Stunde mit einem Lächeln auf den Lippen.

Wüthrichs Coolness in den wichtigen Momenten

Seine gute Laune hatte auch einen guten Grund. Seine Mannschaft hatte kurz vorher das dramatische, über zehn Runden dauernde Penaltyschiessen gegen Ajoie zu ihren Gunsten entschieden. Martin Wüthrich war mit zwei verwandelten Versuchen massgeblich daran beteiligt, dass der EHCO heute mit einem 1:0-Siegpolster nach Pruntrut reisen darf.

Vor allem die Art und Weise, wie der 33-Jährige seine Penaltys versenkte, war verblüffend. Zweimal verlud er den exzellenten Gauthier Descloux im Tor der Ajoulots mit demselben Trick, zweimal traf er Backhand – mit einer Coolness sondergleichen. Zumal bei einem seiner beiden Anläufe die Niederlage auf dem Spiel stand. Hätte er nicht getroffen, wäre der HC Ajoie der Sieger des ersten Playoff-Duells gewesen.

Keine Zeit, nervös zu werden

Wie man in so einer delikaten Situation die Nerven im Griff behält? «Ich war nicht zum ersten Mal in meiner Karriere in so einer Lage», erzählt Wüthrich, der jeweils mit einem fixen Plan auf den Goalie zuzufahren pflegt. «Man muss aber trotzdem noch reagieren können, wenn sich der Torhüter anders verhält», verrät er sein Erfolgsgeheimnis.

Als das Penaltyschiessen nach jeweils fünf fixen Schützen ebenfalls in die Verlängerung ging, gehörte auch Martin Wüthrich zu den Spielern, die Trainer Heikki Leime wahlweise aufs Eis schickte - gemäss Reglement darf der Trainer nach den ersten fünf Versuchen im Prinzip immer denselben Schützen auswählen. Für Wüthrich war diese Spontanität kein Problem: «Er gibt einem kurz vor dem Penalty ein Zeichen. Das ist gut so, weil man dann gar nicht erst dazu kommt, lange herum zu studieren oder nervös zu werden.»

Die gute Regeneration am Samstag

Den Sieg in Spiel eins mag Marti Wüthrich, so schön und süss er am Ende war, allerdings keinesfalls überbewerten: «Es ist gut, haben wir diesen Punkt im Sack. Aber die Serie gegen Visp hat gezeigt, dass man selbst nach einer 2:0-Führung nach Siegen über sieben Spiele gehen kann.»

Der Samstag stand nach dem strapaziösen Auftritt am Freitagabend ganz im Zeichen der Regeneration. «Die Beine ein wenig bewegen, danach am Nachmittag so gut erholen wir möglich», umschrieb Wüthrich seinen Plan, damit die (Diesel-)Kraftreserven heute Abend in Pruntrut wieder einigermassen intakt sind.

Trotz Verletzungssorgen keine neuen Ausfälle

Nicht nur Shayne Wiebe überstand den ersten Halbfinal nur beschädigt, sondern auch noch Matteo Romanenghi, der sich einen Fuss überdehnte. Trotzdem werden im zweiten Halbfinal-Spiel beide Akteure auf dem Eis stehen. Auch der am Freitag noch kranke Reto Kobach wird zu Einsätzen kommen. Ander sieht die Situation bei Marco Truttmann aus, der erneut nur zuschauen wird. Seine Fussverletzung hat sich zwar nicht verschlimmert – aber eben auch noch nicht nachhaltig verbessert.

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