Swiss League
An Harmlosigkeit kaum zu überbieten: Der EHCO kassiert in Biasca bei den Ticino Rockets eine historische Niederlage

Nach 19 Siegen in 19 Duellen verliert der EHC Olten erstmals überhaupt gegen die Ticino Rockets. Für die Truppe von Headcoach Fredrik Söderström war das 1:4 in Biasca bereits die dritte Niederlage in Folge. Geht es in diesem Stil weiter, dann ist sogar die direkte Playoff-Qualifikation in Gefahr.

Marcel Kuchta
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Enttäuschte Gesichter beim EHCO nach der Niederlage.
18 Bilder
Kurz vor Schluss kann Silvan Wyss immerhin den Ehrentreffer erzielen.
Ambri-Goalie Benjamin Conz macht Olten das Leben schwer.
Nicht das gewünschte Debüt für Oltens NHL-Prospect Mason McTavish.
Gebrauchter Tag: Elien Paupe wird im Oltner Tor dreimal bezwungen.
Der EHC Olten kommt in der Defensive immer wieder in Bedrängnis.
Jubel bei Matteo Romanenghi nach seinem Treffer.
Ungewohntes Bild: Die Rockets dürfen gegen den EHC Olten gleich viermal jubeln.
Der EHC Olten kann sich in der Offensive nur wenig gute Chancen erarbeiten.
Kaum Gefahr vor dem Tor der Ticino Rockets.
Kein Durchkommen für Diego Schwarzenbach.
Versteinerte Miene bei Leonardo Fuhrer.
Dem EHC Olten gelingt in den ersten zwei Dritteln kein Tor.
Topskorer Garry Nunn bleibt gegen die Rockets blass.
Rockets-Coach Eric Landry kann zufrieden mit seiner Mannschaft sein.
Fuhrers Effort führt nicht zum Oltner Torerfolg.
Fredrik Söderström sieht einen harmlosen Auftritt seiner Mannschaft.
Die Ticino Rockets spielen zu Beginn nicht besser, führen jedoch trotzdem nach 20 Minuten.

Enttäuschte Gesichter beim EHCO nach der Niederlage.

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Gäbe es Punkte für Kilometer, die man der Bande entlang abspult, für verlorene Zweikämpfe oder für Verzweiflungsschüsse auf das gegnerische Tor, der EHC Olten hätte in Biasca gegen die Ticino Rockets einen Kantersieg eingefahren und gleichzeitig noch den Preis für die mit Abstand harmlosesten Mannschaft des Abends geholt. Deshalb gingen die Powermäuse auch völlig verdient mit einer 1:4-Niederlage vom Eis. Eine Niederlage mit historischer Dimension. Es war im 20. Vergleich zwischen den beiden Mannschaften in der Swiss League der allererste Sieg der Tessiner.

Wir erinnern uns: Schon vor eineinhalb Wochen waren die Oltner erst in Extremis einer Heimniederlage gegen die Rockets entgangen. Man glich wenige Sekunden vor Schluss in Unterzahl aus und gewann dann im Penaltyschiessen. Diesmal gab es aber kein Entrinnen mehr. Die Tessiner, die auf prominente Verstärkung aus den Reihen des HC Ambri-Piotta zählen durfte (Goalie Benjamin Conz und Stürmer Dario Rohrbach) revanchierten sich auf souveräne Art und Weise.

Unpräzis, langsam und unentschlossen im Abschluss

Dass ihnen das ohne grössere Probleme gelang, sagt eigentlich alles aus über den auf der ganzen Linie enttäuschenden Aufritt der Oltner. Die Probleme, die die Mannschaft nach dem Zwischenhoch über den Jahreswechsel, als man acht Siege in Serie hinlegte, wieder plagen, wurden an diesem Abend in Biasca schonungslos aufgedeckt.

Blickt man auf die Anzahl der Abschlussversuche, dann erkennt man dort zwar ein deutliches Übergewicht für den EHCO (68:35). Schaut man aber genauer hin, dann ist die Bilanz mehr als ernüchternd. Es fehlte an Präzision – elf Schüsse gingen am Tor vorbei, es fehlte an Schnelligkeit – 19-mal konnte ein Tessiner den Abschluss blocken und schliesslich fehlte es auch – einmal mehr – an der Entschlossenheit. Von den 38 Schüssen, die auf das Tor der Rockets kamen, waren keine Handvoll wirklich gefährlich. Den Oltnern gelang es effektiv kaum, Benjamin Conz, der in der 49. Minute verletzt ausschied, in ernsthafte Verlegenheit zu bringen. Und das ist eigentlich die erschreckendste Erkenntnis dieses Spiels.

Die designierten Offensivleader geben zu grossen Sorgen Anlass

Bis auf den nominell zweiten Sturm mit Schirjajew, Wyss und Schwarzenbach, der auch für den einzigen EHCO-Treffer des Spiels verantwortlich war, schaffte es niemand, sich wirklich entscheidend durchzusetzen. Allen voran das Oltner Söldnerduo gibt zu grossen Sorgen Anlass. Die eh schon tieffliegende Formkurve von Dion Knelsen sinkt noch weiter. Der Captain war auch in Biasca quasi unsichtbar und sass bei zwei Gegentoren auf der Strafbank. Der fleissige, aber wenig zielstrebige Garry Nunn scheiterte immer wieder an den unbequemen und hartnäckigen Tessinern, die ihren Job clever machten. Und Brennan Othmann hat seine Unbekümmertheit, die ihn lange auszeichnete, mittlerweile auch verloren.

Wenn diese offensiven Schwungräder stillstehen, dann geht beim EHCO kaum mehr etwas. Zumal auch das Power- und das Boxplay wieder schwächeln. Man kassierte zwei Treffer in Unterzahl. Und in Überzahl zu allem Überfluss auch noch einen Shorthander, bei welchem Philipp Rytz nicht gut aussah. Für den ehemaligen Captain, der sich nach dem Tor auch noch eine Strafe wegen unsportlichen Verhaltens einhandelte, endete die Partie auf der Ersatzbank. Er kam im letzten Drittel nicht mehr zum Einsatz.

Der EHCO baut ab und die Konkurrenz holt auf

Angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen und der stärker werdenden Tabellennachbarn sieht es nicht mehr sonderlich gut aus im EHCO-Land. Geht es in diesem Stil weiter, dann ist bald einmal die direkte Playoff-Qualifikation in Gefahr. Jetzt ist guter Rat teuer. Wenn diese Niederlage nicht als Weckruf nützt, was dann?

Telegramm

Ticino Rockets - EHC Olten 4:1 (1:0, 2:0, 1:0)

Raiffeisen Arena Biasca. - Keine Zuschauer. – SR: Gianinazzi/Unterfinger (Nater/Haag). – Tore: 12. Romanenghi (Del Ponte, Bionda; Ausschluss Knelsen) 1:0. 29. Lauper (Cajka, Rohrbach; Ausschluss Knelsen) 2:0. 33. Vedova (Ausschluss Dufey!) 3:0. 59. (58:18) Wyss (Schirjajew, Maurer) 3:1. 59. (58:58) Lauper (Olten ohne Goalie) 4:1. – Strafen: 7-mal 2 Minuten gegen Rockets. 8-mal 2 Minuten gegen Olten. Ticino Rockets: Conz (49. Östlund); Fontana, Del Ponte; Hänggi, Buchli; Pinana, Matewa; Franzoni; Bionda, Romanenghi, Vedova; Lauper, Cajka, Rohrbach; Ritzmann, Neuenschwander, Deluca; Schwab, Dufey, Traber; Misani.
Olten: Paupe; Maurer, Lüthi; Elsener, Nater; Philipp Rytz, Weisskopf; Suleski; Othmann, Knelsen, Nunn; Wyss, Schirjajew, Schwarzenbach; Weder, Fuhrer, Portmann; Fogstad Vold, Rexha, Oehen; McTavish.
Bemerkungen: Olten ohne Simon Rytz, Daneel, Hüsler (alle verletzt), Heughebaert, und Gurtner (beide überzählig), erstmals mit Goalie Elien Paupe (mit B-Lizenz von Biel), Kristian Suleski und Mason McTavish im Aufgebot.

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