Volleyball

Kraftakt für den Klub, Schaufenster für die Spieler: Volley Schönenwerd empfängt Rennes zum Rückspiel

Im Hinspiel gingen die Schönenwerder mit 0:3 unter.

Im Hinspiel gingen die Schönenwerder mit 0:3 unter.

Volley Schönenwerd spielt zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte in einem europäischen Wettbewerb mit. Die Solothurner können nach der klaren Niederlage im Hinspiel ohne Druck beim ersten Europacup-Einsatz der Betoncoupe Arena aufspielen.

Für Fussballklubs ist die Teilnahme am europäischen Wettbewerb das höchste der Gefühle. In der Champions League und der Europa League winkt schliesslich der grosse Geldsegen. Ganz anders im Volleyball: Für einen semiprofessionellen Verein wie Volley Schönenwerd ist der Einsatz auf dem europäischen Parkett mehr Belastung als Chance. Vor allem aus finanzieller Sicht.

Der teurere Teil, das Hinspiel auswärts in Rennes, ist vorbei. «Ich traue mich gar nicht, auf die Abrechnung zu schauen», sagt Schönenwerds Sportchef Daniel Bühlmann. «Etwa 14 Flüge, zwei Tage vor Ort, da kommt schon ein netter Betrag zusammen. Es ist ein finanzieller Kraftakt, der uns als Halbprofi-Klub an unsere Grenzen bringt.»

Volley Schönenwerd erhält für die Teilnahme am CEV Challenge Cup, dem dritthöchsten europäischen Wettbewerb, finanzielle Unterstützung vom Lotterie- und Sportfonds des Kantons Solothurn. Die Eintritte beim Rückspiel am Mittwoch in der Betoncoupe Arena (Spielbeginn: 19.30 Uhr) sind die einzige Einnahmequelle für den Klub. Bühlmann rechnet mit insgesamt rund 500 bis 600 Zuschauern.

Heim-Premiere bei vierter Teilnahme

Beim ersten europäischen Auftritt in der Saison 2013/14 musste «Schöni» das Heimspiel noch im Exil in Windisch austragen –und setzte sich gegen Wien mit 3:2 durch, was allerdings nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel irrelevant war. Ein Jahr später wich der Klub für das Heimspiel gegen die Griechen aus Alexandroupolis ins Sportzentrum Burkertsmatt in Widen aus – und schied trotz eines Sieges erneut aus. Nur dank einer Spezialgenehmigung durfte Schönenwerd 2017/18 in der Erlimatthalle in Däniken antreten. Gegen Par-ky Menen aus Belgien setzte es damals zwei klare Niederlagen ab.

«Für die Spieler sind solche Spiele selten und wichtig für die Entwicklung. Und sie sind auch ein Schaufenster», sagt Daniel Bühlmann, Sportchef Volley Schönenwerd.

«Für die Spieler sind solche Spiele selten und wichtig für die Entwicklung. Und sie sind auch ein Schaufenster», sagt Daniel Bühlmann, Sportchef Volley Schönenwerd.

Nun also der erste Europacup-Einsatz in der Anfang 2018 bezogenen Betoncoupe Arena. «Der Aufwand ist dank der eigenen Halle überschaubarer», sagt Bühlmann. Trotzdem muss an einiges gedacht werden: So müssen zum Beispiel die Schiedsrichter am Flughafen abgeholt, vom Heimklub betreut und natürlich auch bezahlt werden. Der europäische Volleyballverband schreibt zudem exakt vor, wo in der Halle welche Werbung hangen darf.

Diesen Effort zu leisten, lohnt sich laut Bühlmann insbesondere für die Spieler: «Für sie sind solche Spiele selten und wichtig für die Entwicklung. Und sie sind auch ein Schaufenster.» Der Sportchef hätte im Sechzehntelfinal gerne gegen einen Klub aus der deutschen Bundesliga gespielt: «Die ziehen vom Namen her mehr und dann hätten wir vielleicht eine Chance gehabt.»

Priorität hat das Spiel am Sonntag gegen Jona

Rennes ist es geworden, der aktuell beste Klub Frankreichs. Im Hinspiel gingen die Schönenwerder gleich mit 16:25, 15:25 und 17:25 unter. Ähnliches ist im Rückspiel zu erwarten. «Sie sollen ein Budget von etwa 1,7 Millionen Euro haben. Das ist eine andere Hausnummer», sagt Bühlmann. Die Spieler können den Match ohne Druck geniessen. Erst am Sonntag stehen sie wieder in der Pflicht. Im letzten Meisterschaftsspiel des Jahres gegen Jona.

Der Einsatz im CEV Challenge Cup hat sich für die Solothurner negativ auf die Leistungen in der Meisterschaft ausgewirkt: Drei Tage nach dem Gastspiel in Rennes unterlagen die Schönenwerder Meister Lausanne klar in drei Sätzen. Und das, nachdem sie exakt eine Woche zuvor schon den Spitzenkampf gegen Amriswil mit 1:3 verloren hatten. «Das soll keine Entschuldigung sein, aber Lausanne war deutlich frischer und im Gegensatz zum Vorrundenspiel am zweiten Spieltag voll bereit», sagt Bühlmann.

Der damalige 3:1-Erfolg war für Schönenwerd der Start in eine sieben Spiele andauernde Siegesserie. Durch die beiden Niederlagen gegen Amriswil und Lausanne wurde der Höhenflug zwar jäh gestoppt, aber immerhin sind die grossen Brocken jetzt durch. «Wir sind immer noch auf Platz zwei und haben sehr gute Chancen, diesen Platz aus eigener Kraft bis zum Ende der Qualifikation zu verteidigen», sagt Bühlmann.

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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