Derby

Ihr Zuschauer kommet: Weshalb der EHC Olten am Montagabend ein volles Stadion verdient

Es gibt gute Gründe, sich am Montagabend (19.45 Uhr) das Derby zwischen dem EHC Olten und dem SC Langenthal live im Stadion Kleinholz anzusehen. Die Mannschaft von Headcoach Fredrik Söderström zeigt derzeit begeisterndes Eishockey. Zuletzt beim 5:1-Sieg in Visp.

Es gibt Momente während einer Saison, da fühlt man sich sogar als neutraler Beobachter eines Eishockey-Klubs verpflichtet, kurz mal die Werbetrommel zu rühren. Wenn es also in der laufenden Saison einen Moment gegeben hat, um dem Kleinholz-Stadion mal wieder einen Besuch abzustatten, dann ist es der heutige Montagabend.

Einen Tag vor der Weihnachtspause kommt ausgerechnet der SC Langenthal zum Derby nach Olten. Diese Affiche alleine ist schon verlockend genug. Und noch viel besser und wichtiger: Der EHC Olten bietet derzeit Eishockey vom Feinsten. Es ist ein Genuss, der Mannschaft zuzuschauen. Sie hat 14 ihrer letzten 16 Spiele auf teils spektakuläre Art und Weise gewonnen, ist in der Tabelle auf Platz 2 klassiert. Wann, also, gäbe es eine bessere Gelegenheit, dieser Mannschaft bei der vorweihnachtlichen Arbeit auf dem Eis zuzusehen? Ihr Zuschauer kommet!

Ein erstes Drittel nahe an der Perfektion

Als hätte es eines weiteren Beweises bedurft, lieferte das Team von Headcoach Fredrik Söderström am Samstag in Visp erneut eine eindrückliche Kostprobe ihres derzeitigen Könnens ab. Das erste Drittel war nahe an der Perfektion. «Es gehört sicher zum Besten, was wir in dieser Saison bisher gezeigt haben», bestätigte auch Söderström den äusseren Eindruck nach dem Spiel.

Highlights Visp - EHC Olten (21.12.19)

3:0 führten die Oltner nach 20 Minuten und hatten sich dabei wie auf Schienen auf dem Rink in der modernen Lonza-Arena bewegt. Jeder Laufweg stimmte, die Pässe fanden fast allesamt ihren Adressaten. Hinten liess man kaum gegnerische Chancen zu. Und vorne nutzte man die Gelegenheiten kaltblütig aus. So wie zum Beispiel Diego Schwarzenbach, der sich für einen gegnerischen Horrorpass nach 44 Sekunden bedankte und die frühe Führung für den EHCO erzielte. «Dieses schnelle Tor hat uns natürlich geholfen», konstatierte Fredrik Söderström. Doch selbst ohne Geschenke waren die Oltner schlicht eine Klasse besser als die oft heillos überforderten Visper.

Durch Strafen kurz in Verlegenheit

Das war die eigentlich erstaunlichste Erkenntnis des Abends. Der EHC Olten hatte eine Mannschaft, die zwar derzeit über Verletzungspech klagt, aber immer noch gehobene Swiss-League-Klasse darstellt, in deren Stadion völlig unter Kontrolle. Es waren die Oltner selber, die sich im Mitteldrittel kurzzeitig in Verlegenheit brachten, als gleich vier Spieler in Serie auf die Strafbank wanderten. Dolana verwertete die erste Visper Überzahl zum 1:4. Danach hatten die Walliser zweimal die Chance, während einer Minute mit zwei Mann mehr auf dem Eis zu agieren.

Doch selbst in diesen kritischen Momenten verloren die Powermäuse nie den Überblick. Im Gegenteil: Der unglaublich quirlige Garry Nunn kreierte sogar in doppelter Unterzahl Torchancen. «Unser Penalty-Killing hat sehr gut funktioniert», freute sich auch Fredrik Söderström, der seiner Mannschaft im letzten Drittel dabei zusehen konnte, wie sie die drei Punkte souverän nach Hause brachte. Es gab nie einen Zweifel, wer das Eis als Sieger verlassen würde. Daran hatten auch die gut 400 mitgereisten Olten-Fans ihre helle Freude. Sie feierten die EHCO-Spieler nach der Schlusssirene ausgiebig.

Nur fünf Verteidiger? Kein Problem!

Einziger Wermutstropfen des Abends war die Personal-Situation in der Verteidigung, die sich im Verlauf des Spiels zuspitzte. Erst musste Dan Weisskopf, nachdem er vom Stock eines Mitspielers im Gesicht getroffen worden war, ins Spital zur Untersuchung. Glücklicherweise konnte er unmittelbar nach dem Spiel wieder Entwarnung geben. Gebrochen ist nichts. Bleibt abzuwarten, ob nicht plötzlich noch Symptome einer Gehirnerschütterung auftauchen. Der zweite Ausfall betraf Riccardo Sartori, der sich im zweiten Drittel einen klassischen Faustkampf mit Fadri Riatsch lieferte – und nach Punkten gewann. Der Tessiner wurde, wie auch sein Kontrahent, korrekterweise unter die Dusche geschickt. Was bedeutete, dass der EHCO das Spiel mit fünf Verteidigern beenden musste.

«Es war kein Problem», bemerkte Fredrik Söderström. «Im Gegenteil: Die Jungs haben gelacht, weil sie plötzlich so viel Eiszeit erhielten.» So ist es eben: Wenn es läuft, dann steht man gerne auf dem Eis. Und wenn es läuft, dann sollte man sich das auch unbedingt live im Stadion ansehen. Ihr Zuschauer kommet!

Meistgesehen

Artboard 1