HC Thurgau

Herr Mair, sind Sie nervös? – «Gehen Sie raus, aber sofort!»

HC-Thurgau-Trainer Stephan Mair unterbricht das Training

HC-Thurgau-Trainer Stephan Mair unterbricht das Training

Liegen die Nerven beim HC Thurgau etwa schon vor dem Playoffauftakt gegen Olten blank? HC-Thurgau-Trainer Stephan Mair spricht in einem angespannten Interview über die Erfolge seines Teams in der laufenden Saison, die Favoritenrolle, Geld in der Klubkasse und Wunschgegner Olten.

Am Donnerstagmittag stattet diese Zeitung dem Training des HC Thurgau einen Besuch ab, will den Puls des EHCO-Playoff-Gegners fühlen. 13 Uhr, Güttingersreuti: Auf der Tribüne werden mit dem Handy einzelne Videoimpressionen aufgenommen. Genauso, wie beim EHCO, sind die Specialteams an diesem Trainingstag gefordert.

Plötzlich unterbricht Trainer Stephan Mair die Übung und gerät ausser sich: «Hey, was machen Sie da? Wer sind Sie? Hier wird nicht gefilmt. Gehen Sie raus – aber sofort!» Man gibt sich zu erkennen und gibt nach, als Mair androht, ansonsten das Interview platzen zu lassen. Einzelne Spieler sind verdutzt, andere versuchen, ihren Trainer zu bändigen. Dem Frieden zu Liebe verlassen wir das Stadion – schliesslich soll Mair Auskunft geben über die Serie. Nach dem Training erscheint er mit grimmiger Mimik zum Interview:

Grimmiger Blick: Thurgau-Trainer Stephan Mair gilt als impulsiv und verbissen.

Grimmiger Blick: Thurgau-Trainer Stephan Mair gilt als impulsiv und verbissen.

Herr Mair, sind Sie schon vor dem Playoff-Auftakt derart nervös?

Stephan Mair: Nein, es gibt keinen Grund dazu. Aber Sie dürften zuerst fragen, wenn Sie filmen wollen. Ansonsten müssen wir die Türen vor den Trainings schliessen.

Sie werden von Weggefährten als verbissen wahrgenommen und sind nun Ihrem Ruf als impulsiven Trainer gerade gerecht geworden.

(atmet durch) Nun, einen der wichtigsten Ratschläge, den ich bekommen habe, ist, dass man sich im Leben nicht verstellt oder jemandem nicht nacheifert, sondern einfach sich selber ist. Man ist, wie man ist. Jeder Mensch hat Schwächen. Wichtig ist, dass man die Authentizität nicht verliert. Und wenn ich impulsiv reagiere, ist das halt mein Naturell. Ich werde mich da nicht verstellen. Und wenn wir jetzt da sind, wo wir sind, dann hat meine Verbissenheit – wie Sie mir gerade vorgeworfen haben – diese Negativität dieser Eigenschaft sicher nicht überhandgenommen.

Kommen wir zum Sportlichen: Wir behaupten: Die Teams sind näher beisammen als Dritter und Sechster. Sehen Sie sich in der Favoritenrolle?

Absolut nicht. Wir sind ganz klar der Underdog, wir können nur gewinnen.

Man spricht aber in Ihrem Verein vom Wunschgegner EHC Olten.

Wollen wir kurz über das Budget reden, wie viel Millionen aufseiten des EHC Olten auf dem Eis stehen und was wir haben? Wir spielen mit Teamspirit gegen hohe individuelle Klasse. Am Schluss werden wir sehen, was mehr zählt.

Waren Sie nach dem Verpassen des Heimrechts im allerletzten Qualispiel enttäuscht?

Im ersten Moment klar. Rückblickend können wir stolz sein auf diesen Platz und müssen sehen, welch grossen Fortschritt wir gemacht haben. Letzte Saison schlossen wir die Regular Season mit 57 Punkten ab, heuer waren es 79.

Was ist Ihnen vor dem Start wichtig?

Für mich ist wichtig, dass ich die Aspekte ins Training einbringen kann, auf die ich grössten Wert lege – auch im Bezug auf den Gegner: Genauigkeit, Details, Konzentration, Fokus, das ist das Wichtigste. Wir haben noch einige Tage Zeit, uns vorzubereiten und brauchen uns nicht zu verstecken. Wir freuen uns auf dieses Duell.

Zeichnen all diese Attribute das Team aus in dieser Saison? Thurgau hat sich als wohl grösster Stolperstein der Liga einen Namen gemacht.

Das Wichtigste als Trainer ist, dass man sieht, in welchen Belangen sich das Team weiterentwickelt. Ich schaue nicht gerne zurück und es ist mir auch egal, wie viele Spiele wir auswärts gewonnen haben oder was auch immer – Statistiken interessieren mich relativ wenig. Wir haben immer wieder erkannt, wo wir ansetzen und uns verbessern müssen, wo wir kompakter, konstanter sein müssen und haben diese Sachen beeindruckend umgesetzt. Das ist letztlich für mich ausschlaggebend, dass wir heuer eine gute Qualifikation gespielt haben mit einem guten Punktepolster, doch davon können wir uns in den Playoffs nichts mehr kaufen.

Es gibt einem immerhin Auftrieb.

Wenn man eine gewisse Konstanz hinbringt, man der Teamstruktur folgt, die taktische Disziplin fruchtet und man dadurch Erfolg hat, gibt das sehr viel Selbstvertrauen. Und dann, wächst man auch als Team zusammen. Wir haben einen sehr grossen Zusammenhalt, das zeichnet uns aus.

Der EHC Olten hat derzeit deutlich weniger Selbstvertrauen im Tank.

Ich möchte nicht gross auf Olten eingehen. Nur so viel: Wenn ein Team mit so viel Qualität in Fahrt kommt, wird es schwierig. Wir müssen mit den Füssen auf dem Boden bleiben und Bescheidenheit an den Tag legen. Dann können wir mitreden in dieser Serie.

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