Grün ist das, was die Pferde fressen. Gold ist das, was sie liefern – dies trifft zumindest auf Robinvale, den zwölfjährigen Hannoveraner-Wallach zu, den Brigit Wientzek in ihrem Ausbildungsstall Green&Gold in Balm bei Günsberg reitet, welchen sie seit dem Jahr 1998 zusammen mit ihrem Mann Christian Pläge betreibt.

Optisch sind sie ein ungleiches Paar. Hier Robinvale, imposant und muskulös. «Das ist ein Schwarzenegger», wie die Reiterin sagt. Dort die 48-jährige Brigit Wientzek, gertenschlank und zierlich. Sie findet, dass sie dies ihrem Pferd schulde: «Wenn ich von ihm Höchstleistungen erwarte, dann muss ich genauso parat und fit sein. Früher waren Dressurpferde eher etwas steif, heute sind sie viel geschmeidiger und beweglicher. Sie müssen deshalb auch viel muskulöser sein, um stabil zu bleiben.» Die Ausstrahlung sei ebenfalls ein wichtiger Teil der Dressur. «Es muss mit Leichtigkeit gehen und das Pferd muss diesen Esprit, dieses gewisse Etwas haben.»

Überlegener Sieg in beiden Wertungsprüfungen

So ist der jüngste Erfolg denn auch kein Zufall. Ihre gute Form hatten Birgit Wientzek und Robinvale bereits Anfang Jahr mit überzeugenden Resultaten angedeutet. Bei den Schweizer Meisterschaften auf dem Schänzli in Basel gelang der 48-jährigen Berufsreiterin diesen Monat ein überlegener Sieg in beiden Wertungsprüfungen. Vor allem in der abschliessenden Kür setzte sie die Stärken ihres Pferdes geschickt in Szene und erhielt von den fünf Richtern das höchste Skore des Tages von 79,415 Prozentpunkten, was eine neue persönliche Bestleistung für das Paar bedeutete. Ohne den Fehler in den Zweierwechseln hätte sie wohl erstmals die 80-Prozent-Marke geknackt, sagt sie rückblickend.

Die Leidenschaft steckte schon in den Genen

Für Wientzek war es nach 2003 der zweite Titelgewinn an einer Schweizer Meisterschaft. Damals triumphierte sie mit dem Pferd Sappalot. Bereits ihr Vater war ein passionierter Reiter und sie wuchs quasi im Stall auf. «Er nahm mich jeweils mit einem blau-weiss karierten Kissen vorne auf den Sattel. Das sind meine frühsten Kindheitserinnerungen», entsinnt sie sich. Als 15-Jährige wollte sie eigentlich Springreiterin werden, aber ihr damaliges Pferd hatte kein Talent dafür und auch keine Lust darauf. «Bei der Dressur machte er aber immer 100 Prozent mit.» So habe eigentlich das Pferd damals entschieden, dass sie Dressurreiterin wurde.

«Die Ausbildung eines Pferdes beginnt im Alter von drei Jahren. Danach braucht es etwa vier Jahre, bis es alle Lektionen beherrscht. Die Perfektion im Wettkampf erreicht ein Pferd frühestens mit zwölf Jahren. Robinvale ist jetzt zuvorderst auf dem Sprungbrett», fasst die Reiterin den langwierigen Prozess bis zum Erfolg zusammen.

«Junges Ross, alter Reiter. Altes Ross, junger Reiter. Robinvale konnte nun lange von meiner Erfahrung profitieren, und da er jetzt fast fertig ausgebildet ist, wird bald eine junge Reiterin von ihm lernen können.» Und dann muss sie eine Träne verdrücken. «Die Besitzer möchten Robinvale in absehbarer Zeit ihrer Tochter übergeben. Ich hoffe aber, dass ich ihn noch ein wenig reiten darf.»

Der nächste Halt ist die EM in Rotterdam

Nun ist das goldene Duo in die Niederlanden nach Rotterdam gereist, wo an diesem Wochenende die Europameisterschaften im Dressurreiten beginnen. Dort möchte sie in der Mannschaftswertung den Sprung unter die besten dreissig schaffen, um sich für den Einzelwettkampf zu qualifizieren. «Ein Traum, der Realität werden könnte», beschreibt Birgit Wientzek ihre Ambitionen. «Wenn wir beide einen guten Tag haben und eine perfekte Leistung abliefern, dann ist es möglich.»