Frauenfussball
«Wir werden noch nicht so wahrgenommen, wie es die Frauen verdient hätten»: Die FC Solothurn Frauen stossen nicht nur auf Gegenliebe

Seit einem halben Jahr sind die SC Derendingen Frauen nun beim FC Solothurn integriert. Die Integration bringt viele Vorteile, aber auch Schwierigkeiten mit sich.

Nicolas Blust
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Das gleiche Team mit neuem Aussehen. Seit diesem Sommer sind die SC Derendingen Frauen die FC Solothurn Frauen.

Das gleiche Team mit neuem Aussehen. Seit diesem Sommer sind die SC Derendingen Frauen die FC Solothurn Frauen.

Daniel Lüscher

Diesen Sommer wurden die SC Derendingen Frauen in den FC Solothurn integriert und spielen neu unter dem Namen FC Solothurn Frauen. Dieser Schritt war nötig, um die Professionalisierung des Frauenfussballs weiter voranzutreiben.

Beim FC Solothurn profitieren die Fussballerinnen von einer guten Infrastruktur inklusive Kunstrasenfeld. Nur so kann der Trainings- wie Meisterschaftsbetrieb der Frauenteams gewährleistet werden. Die Integration in einen neuen Verein ist immer mit viel Aufwand und Umstellungen verbunden. Höchste Zeit also, nach der ersten Saisonhälfte eine Bilanz zu ziehen.

Das Kunstrasenfeld des FC Solothurn gewährleistet den Trainings- und Meisterschaftsbetrieb auch in den Wintermonaten.

Das Kunstrasenfeld des FC Solothurn gewährleistet den Trainings- und Meisterschaftsbetrieb auch in den Wintermonaten.

zvg

«Der Integrationsprozess ist in vollem Gange», sagt Urs Bachmann, Trainer des NLB-Frauenteams und Leiter Frauen beim FC Solothurn. Die Integration war der richtige Weg, um die nächsten Schritte in der Professionalisierung der Nachwuchsarbeit zu gehen. Die Integration ist nach einem halben Jahr aber noch lange nicht abgeschlossen. «Wir werden noch nicht so wahrgenommen, wie es die Frauen verdient hätten», sagt Bachmann.

Die Lehren aus der Aufstiegssaison 2016 wurden gezogen

Sportlich läuft es bislang nach Plan, der grosse Exploit ist aber noch ausgeblieben. Dieser wird jedoch in dieser Saison auch noch nicht erwartet. Trotzdem ist das mittelfristige Ziel der Aufstieg in die Women’s Super League. Urs Bachmann weiss, was es für den Aufstieg braucht. Bereits 2016 ist ihm dieser Erfolg gelungen. Nachhaltig war das Ganze aber nicht. In der Folgesaison stiegen die SC Derendingen Frauen gleich wieder in die NLB ab.

Deshalb ist den Verantwortlichen um Urs Bachmann wichtig, dass bei einem künftigen Aufstieg die Nachhaltigkeit gegeben ist. Dafür braucht es eine professionelle Nachwuchsarbeit, damit genügend gute Spielerinnen in das erste Team nachrücken.

Entsprechend wurden die ersten Schritte bereits vor vier Jahren getätigt. Bachmann installierte 2017 in Solothurn das Leistungszentrum mit Tagesstruktur für die talentierten Juniorinnen. Ein erster Schritt in Richtung Professionalisierung.

Infrastruktur in Derendingen reichte nicht mehr aus

Der nächste Schritt war die Integration in den FC Solothurn, da der Trainingsaufwand auf der Derendinger Heidenegg nicht mehr zu stemmen war. In der Zukunft sollen aber weitere Schritte folgen. Diese müssen auch genommen werden, da der Schweizer Fussballverband für Super League Teams gewisse Auflagen erteilt. Konkret brauchen die FC Solothurn Frauen sicher drei U-Teams, wenn sie in die höchste Spielklasse aufsteigen wollen.

Entsprechend soll es in Solothurn mittelfristig eine U13, U15 und eine U17 für die Mädchen geben. Für diese Teams braucht es aber auch genügend Spielerinnen. Das solle laut Bachmann aber kein Problem darstellen:

«Wir wurden im Sommer überrascht, wie viele Mädchen sich für unsere U14 angemeldet haben.»

Das hängt sicher auch damit zusammen, dass der Frauenfussball in der Schweiz einen Boom erlebt. Angeführt durch die Leistungen der Frauen-Nati beginnen immer mehr Mädchen damit, Fussball zu spielen.

Doch die Teams brauchen auch qualifizierte Trainerinnen und Trainer. Hier profitiere man auch von der Zusammenarbeit mit dem FC Solothurn, erklärt Bachmann. Der Verein steht seit Jahren für eine gute Nachwuchsarbeit und hat entsprechend auch eine gewisse Strahlkraft für Trainer. Besonders erfreulich für Bachmann ist zudem, dass in allen Teams mehrere Frauen Teil des Coaching-Staff sind. Auch das ist den FC Solothurn Frauen sehr wichtig.

Die akribische Arbeit, die in Derendingen und jetzt in Solothurn im Frauenfussball betrieben wird, trägt bereits Früchte. Inzwischen profitieren 20 Spielerinnen von der professionellen Tagesstruktur und es bestehen Partnerschaften mit YB, Aarau und dem FC Basel. Mehrere Spielerinnen haben so den Sprung in die Super League geschafft und noch mehr sind bereits Teil eines U-Nationalteams.

Finanziell haben die Verantwortlichen noch Arbeit vor sich

Damit diese Entwicklung nicht abbricht, braucht es natürlich auch die entsprechenden finanziellen Mittel. Aktuell zahlen selbst die Frauen des Nati B-Teams Mitgliederbeiträge. Die Vorgaben des SFV sehen vor, dass mehrere Teilzeit- und Vollzeitstellen im Verein geschaffen werden müssen, um eine optimale Ausbildung zu gewährleisten.

«Wir sind uns bewusst, dass wir Gelder benötigen und kümmern uns auch aktiv darum. Ein grosser Sponsor fehlt uns aber bislang noch.»

Bachmann bleibt aber zuversichtlich, dass es letztlich nicht am Geld scheitern sollte.

Und so wird weiter hart gearbeitet, um den Frauenfussball in der Region voranzutreiben. Die Frauen des FC Aarau haben es bereits vorgemacht, dass man als Aufsteiger in der Super League für Aufsehen sorgen kann. Die FC Solothurn Frauen sollen in Zukunft folgen. Und das mit Spielerinnen, die in der eigenen Jugend ausgebildet wurden.

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