2. Liga inter

FC-Olten-Präsident Isidor Meyer: «Kein falsches Prestige aufbauen»

Isidor Meyer ist heute seit exakt 249 Tagen Präsident des FCO. Er habe seither viele Dämpfer kassiert, aber auch sehr viele aufbauende Momente erlebt.

Präsident Isidor Meyer über seine bisherige Amtszeit, den 110. Geburtstag des FC Olten und die mögliche Schweizer-Cup-Teilnahme.

Die erste Mannschaft des FC Olten bleibt in der 2. Liga inter. Wie hat der Präsident die Rückrunde erlebt?

Isidor Meyer: Ich habe von aussen mitgefiebert. Gegen Ende der Saison wurde der Abstiegskampf immer spannender. Dass wir den Ligaerhalt geschafft haben, hat sicher auch etwas mit Glück zu tun, ist auf der anderen Seite aber auch eine Bestätigung und Belohnung für unsere Arbeit. Die erste Mannschaft ist mit Petar Aleksandrov als Sportchef und den Trainern Mirko Pavlicevic und Ali Halimi sehr gut aufgestellt. Weil ich nie ein Top-Fussballer war und nicht die nötigen Kontakte besitze, lasse ich ihnen freie Hand, was die Kaderplanung angeht. Auch weil es für mich definitiv andere Baustellen gibt im Verein.

Dulliken und Wangen b. Olten müssen runter in die 2. Liga. Ist dies ein Fluch oder ein Segen für den FC Olten?

Einerseits wollten wir nicht, dass die beiden Vereine absteigen, denn die Attraktivität der Fussballregion nimmt dadurch insgesamt ab. Wir können auf der anderen Seite aber auch davon profitieren, vor allem was die Spieler angeht. Ich hoffe, dass jetzt in der Region etwas Ruhe einkehrt und das Geld rausgenommen wird aus dem Fussball. Ich sehe mittlerweile, wie sehr man sich bemühen muss, um das nötige Geld aufzutreiben. Und wenn man dieses dann für falsches Prestige ausgibt, bringt es nichts. Wir wollen langfristig planen und vor allem in den Nachwuchs investieren. Einen guten Grundstock an Junioren zu haben, ist entscheidend. Wenn man konsequent auf die eigenen Junioren setzt, braucht es aber einen langen Atem, bis man die Früchte ernten kann. Aber es ist in meinen Augen der richtige Weg.

Wie wird sich das Kader der ersten Mannschaft auf die kommende Saison verändern?

Wie gesagt, da halte ich mich komplett raus. Die Stossrichtung ist aber definitiv, dass wir junge Spieler wollen, sicher keine Löhne bezahlen und wir wieder ein Team stellen können, das seine Punkte mit viel Fleiss und dank einem gutem Zusammenhalt holt. Für Spieler, die etwas erreichen wollen, ist der FC Olten ein gutes Sprungbrett. Man hat in dieser Saison schon gesehen, dass die jungen Spieler nicht einfach nur Ergänzungen sind, sondern die Chance bekommen, sich aufzudrängen. Und mit Aleksandrov und Pavlicevic haben wir Leute, die genau wissen, was man aus welchen Spielern rausholen kann.

Das «Zwöi» wurde im Winter aus der 2. Liga zurückgezogen und steigt in der 3. Liga wieder ein. Mit welchem Trainer und mit welchen Spielern?

Kenan Brahimi wird Trainer, sein Vater Esat Brahimi Co-Trainer. Beide sind Ur-Oltner und langjährige Vereinsmitglieder mit viel Erfahrung. Esat führte die zweite Mannschaft zusammen mit Ali Halimi von der 3. Liga in die 2. Liga. Die Idee ist, dass der Grossteil der aktuellen 5.-Liga-Equipe in die 3. Liga geht. Die Spieler haben das Potenzial, teilweise muss man den sportlichen Ehrgeiz etwas kitzeln. Einige dürfen schlicht nicht in der 5. Liga spielen. Das ist Perlen vor die Säue geworfen. Für die Spieler ist es eine Chance, sich neu zu beweisen und einen Sprung zu machen. Das Team soll zudem noch verstärkt werden, aber da halte ich mich ebenfalls raus.

Nicht schmecken wird Ihnen der Abgang der ganzen B-Junioren-Equipe, die gemeinsam mit Trainer Fortis Sadikaj zum FC Fortuna Olten wechselt, was eine gravierende Lücke hinterlässt beim FC Olten.

Ich hoffe, dass wir diesen Abgang verkraften können und der ein oder andere Spieler vielleicht einsieht, dass es ein Fehler ist, zu einem Verein zu gehen, dessen erste Mannschaft in der 5. Liga spielt. Dieser Wechsel macht in meinen Augen keinen Sinn und ist meiner Meinung nach auch nicht im Interesse der Junioren. Ich finde es sogar fahrlässig den jungen Spielern gegenüber. Bei uns hätten sie die Chance, bei den Aktiven den Durchbruch zu schaffen. Wie es Enis Hasani und Mohammed Akrem in dieser Saison gelungen ist. Die Perspektiven sind ideal beim FC Olten. Die Talente können mit der ersten Mannschaft trainieren, im besten Fall rasch zu Schlüsselspielern werden und falls es nicht reicht, haben sie die Möglichkeit, in der 3. Liga aufzulaufen und dort die nötige Spielpraxis zu holen.

Dahinter scheint der FC Olten mit einer C-Junioren-Equipe sowie jeweils zwei Teams auf der Stufe D-, E- und F-Junioren gut aufgestellt zu sein.

Wir haben viele Junioren. Allerdings fehlen uns noch Trainer. Im Idealfall sollte jedes Junioren-Team zwei Trainer haben. Die sind aber sehr schwierig zu finden. Gleiches gilt für die Schiedsrichter.

Der FC Olten feiert heuer das 110-jährige Bestehen. Seit wann spielt der Verein in Ihrem Leben eine Rolle?

Seit wann ich genau dabei bin, kann ich gar nicht sagen. Ich begann bei den F-Junioren, das müsste vor etwa 23 Jahren gewesen sein. Zwischendurch habe ich mal aufgehört mit Fussball, kehrte dann vor fünf, sechs Jahren zurück und spielte bis zu meinem Rücktritt im vergangenen Jahr mit meinen Brüdern in der zweiten Mannschaft. Dass ich in den Vorstand wechselte, war für mich der logische Schritt. Als Spieler profitierte ich jahrelang von der ganzen Organisation. Jetzt ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben.

Sie sind heute seit exakt 250 Tagen im Amt. Wie gross ist der Aufwand?

Es ist ein sehr grosses Pensum. Das muss sich in Zukunft ändern, denn das macht keiner lange mit. Es ist nicht nur das Präsidentenamt, das viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Junioren-Obmann, die Marketing-Abteilung, die Spiko-Kommission oder auch Sportchef Aleksandrov und etliche andere arbeiten sehr viel für den Verein. Trotz der Dauerbelastung sind wir immer noch mit viel Elan am Werk, denn es gibt immer wieder schöne Erfolgserlebnisse, die einen aufbauen und wieder neu motivieren. Grundsätzlich gibt es sehr viele Leute, die den FC Olten unterstützen.

Der Präsident des FC Olten muss sich in der Stadt keine Sprüche anhören wegen Schulden oder Ähnlichem?

Es kommen schon mal Sprüche. Die Leute schätzen es aber grundsätzlich, dass wir transparenter und bodenständiger arbeiten und den Verein auf die richtige Bahn bringen wollen. Vielen Leuten hat es nicht gepasst, dass in den letzten Jahren auf Biegen und Brechen versucht wurde, ein falsches Prestige aufzubauen, und dass überrissene Ambitionen herrschten.

Wie steht es aktuell finanziell um den FC Olten?

Wir haben immer noch ein massives Finanzproblem. Dieses wird sich nicht innerhalb der nächsten Monate und wohl auch nicht während der nächsten Saison lösen. Wir sind auf gutem Weg, konnten viele Schulden abbauen, müssen aber konsequent dranbleiben. Schliesslich wollen wir unseren Gläubigern gerecht werden. Wir schulden Einzelpersonen und auch KMU Geld, auf das diese angewiesen sind. Diese Probleme müssen wir sauber lösen, dann gewinnen wir auch das Vertrauen der Leute.

Welches waren die bisher schönsten Momente als Präsident des FC Olten?

Das sind für mich immer noch die Spiele, die ich mir anschaue. Es sind coole Momente, wenn man direkt auf dem Platz sieht, wofür, und auch für wen, man den ganzen Aufwand betreibt. Sogar in Sachen Finanzen gibt es immer wieder kleine Erfolgserlebnisse. Zum Beispiel wenn wir es schaffen, eine Schuld zurückzuzahlen. Manchmal reicht es schon, wenn wir eine Verbandsrechnung fristgerecht bezahlen können (lacht). Insgesamt erlebe ich sehr viele Erfolgserlebnisse, aber auch immer wieder Dämpfer.

Welche Ämter im Vorstand sind noch offen?

Diverse, da wir für alle Ämter im Idealfall ein Mehr-Personen-Gremium anstreben. Der Junioren-Obmann könnte sicher noch Verstärkung brauchen. Denn der ist eigentlich Präsident, Sportchef und Finanzchef des Nachwuchses in einem. Das Amt ist sehr aufwendig. Zudem müssen wir unseren Spiko-Präsi Daniel Bur ersetzen, der eine tolle Arbeit geleistet hat in den letzten Jahren, die man oft gar nicht wahrnimmt. Und einen Vize-Präsidenten suchen wir immer noch. Der würde mein Pensum etwas reduzieren. Unser Finanzchef ad interim geht ein paar Monate ins Ausland. Deswegen suchen wir in diesem Bereich ebenfalls weitere Unterstützung. Es gibt also noch viel Attraktives zu tun beim FC Olten.

Was wird morgen anlässlich der 110-Jahr-Feier im Kleinholz los sein?

Wir halten die Feier ganz bewusst eher schlicht. Klar ist es schön, dass der FC Olten wieder zehn Jahre älter ist und darauf darf man auch anstossen. Aber wir müssen uns auf die wichtigen Aufgaben konzentrieren. Heisst auf die Planung der anstehenden Saison. Es gibt heute Nachmittag ein kleines Grümpelturnier. Danach findet um 17 Uhr ein Apéro für Sponsoren und geladene Gäste statt und nach dem Match der ersten Mannschaft um 18 Uhr werden wird sicher noch etwas feiern.

Das Fanionteam spielt gegen Kickers Luzern um den Einzug in den Schweizer Cup 2019/20. Wie wichtig wäre eine Qualifikation für den Klub?

Im Schweizer Cup dabei zu sein, wäre extrem cool. Einige sagen, wir bekämen ein Problem, wenn wir gegen einen grossen Klub spielen müssten. Ich würde mich freuen. Und für die erste Mannschaft wäre es ein Zückerchen für die nächste Saison. Die Luzerner kämpften in ihrer 2.-Liga-inter-Gruppe ebenfalls gegen den Abstieg. Ich rechne uns daher gute Chancen aus.

Wo sehen Sie den FC Olten in fünf Jahren?

Ich hoffe, dass dann etwas Ruhe eingekehrt ist im Verein. Dass ein besseres Fundament vorhanden sein wird und dass ganz viele Leute, die sich jetzt gerade für den FC Olten einsetzen, immer noch dabei sind, eventuell in anderen Ämtern als heute. Aus sportlicher Sicht wäre es gut, wenn wir in der 2. Liga inter bleiben könnten. Wir sind auf dem richtigen Weg.

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Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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