«Ein aufgestellter und zuverlässiger Typ, der immer gut gelaunt ins Training kommt», sind die ersten Worte, die Oltens Trainer Juan Castro zu seinem Angreifer Giovanni Gerardi in den Sinn kommen. «Giovi» könne man nie wirklich böse sein, und jeder Trainer hätte gerne einen solchen Spieler in seinem Kader: «Es macht Spass, mit ihm zu arbeiten. Er ist ein richtiger Teamplayer.»

Gerardis grösste Waffe auf dem Spielfeld sei die Schusskraft, so Castro, der lachend nachschiebt: «Seine Kopfbälle sind dagegen eine Katastrophe. Jeder F-Junior kann das besser. Aber das bringe ich ihm schon noch bei.»

Im aktuellen Kader des Oltner Fanionteams figuriert nur eine Handvoll Spieler, die aus der eigenen Nachwuchsabteilung stammt. Giovanni Gerardi ist einer davon. Er stieg bei den F-Junioren ein und hielt dem FCO bis heute die Treue. Mit einer kurzen Ausnahme: «Als ich knapp 18 Jahre alt war und in der 2. Mannschaft spielte, verlor ich die Lust am Fussball», blickt er zurück.

2010 übernahm das Trainerduo Freddy Schmid/George Schifferle die erste Mannschaft und konnte Gerardi zum Wiedereinstieg überzeugen. Seither ist der 25-Jährige nicht mehr wegzudenken aus dem Kader. «Ich fühle mich sehr wohl beim FC Olten», sagt der Aussenangreifer. «Hier habe ich meine Kollegen, und es ist auch sehr bequem für mich, weil ich ja selber in Olten wohne. Das zählt für mich am meisten. An einen Klubwechsel habe ich nie gedacht.»

In der laufenden Saison stand Gerardi bis jetzt bei allen zehn Meisterschaftsspielen in der Startformation. Er erzielte zwei Tore und wurde erst zweimal in der Schlussviertelstunde ausgewechselt. Mit dem sechsten Zwischenrang haben die Oltner ihre Erwartungen bislang mehr als erfüllt. «Wenn vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir zu diesem Zeitpunkt auf Platz sechs sind, hätte ich definitiv unterschrieben», sagt Gerardi. Schliesslich laute das primäre Saisonziel immer noch Nicht-Abstieg.

Dass es momentan so gut laufe, habe verschiedene Gründe. Einerseits brachte der neue Trainer Juan Castro frischen Wind ins Team, andererseits habe sich auch die Einstellung der Spieler verändert. «Wir bleiben auf dem Boden, wenn wir gewinnen, können uns aber auch schnell aufrappeln nach Niederlagen», erklärt Gerardi.

Eine weitere Stärke im Vergleich zum Vorjahr sei die Physis: «Wir investierten definitiv mehr in den konditionellen Bereich. In der letzten Saison bauten wir in der zweiten Halbzeit häufig ab, jetzt können wir bis zum Schluss mithalten und auch die Sprints machen, die wehtun.» Zu guter Letzt lebe das Team noch deutlicher von der kollektiven Stärke als in den letzten Jahren. «Unser Spiel ist nicht mehr von einzelnen Spielern abhängig», erläutert Gerardi.

Reaktion zeigen gegen den Leader

Morgen Sonntag empfängt der Inter-Fan mit dem FC Olten den Liga-Spitzenreiter SV Höngg. «Uns ist es grundsätzlich egal, ob der Leader oder das Tabellenschlusslicht kommt», stellt Gerardi klar. «Wichtig ist, dass wir eine Reaktion auf die 0:3-Niederlage vom letzten Wochenende zeigen. Das Spiel gegen Dietikon war mit Abstand unser schwächstes diese Saison.»

Die Mannschaft stehe nun in der Pflicht, diesen Ausrutscher gutzumachen, denn: «Wenn du schon nach zwanzig Minuten 0:3 hinten bist, hast du so ziemlich alles falsch gemacht und definitiv geschlafen.» Zuversichtlich stimme ihn, dass sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gegen einen starken Gegner gefangen und aufgebäumt habe. «Trotz des missglückten Starts sind wir nicht untergegangen», so Gerardi.

Die Nummer 15 wird sicher auch gegen den Tabellenführer auf der Aussenbahn gesetzt sein. «Es ist doch schon meine fünfte Saison in der ersten Mannschaft. Mittlerweile habe ich natürlich schon den Anspruch, von Anfang an zu spielen», sagt er. Eine Stammplatz-Garantie habe aber keinen der Spieler. Schliesslich sei es für jeden motivierend, einen jungen, wilden Konkurrenten im Rücken zu spüren. Genau diese noch unerfahrenen Spieler möchte er in Zukunft etwas mehr unter seine Fittiche nehmen.

Er sei zwar erst 25, kenne das Gefühl aber bestens, ganz frisch in die erste Mannschaft zu kommen. «Ich muss in Zukunft generell mehr Verantwortung übernehmen, das weiss ich», sagt der Ur-Oltner. «Dass ich zum Vize-Captain gewählt wurde, kam dann aber doch sehr überraschend», freut er sich umso mehr über die Anerkennung vonseiten seiner Mitspieler.