Eishockey
"Wir haben uns für den Friedens-Nobelpreis beworben"

Der EHC Olten hat in den letzten Wochen zwar massive Fortschritte gemacht. Die 1:3-Niederlage gegen Langenthal zeigte aber, dass der letzte Schritt Richtung Spitze noch gemacht werden muss. Die gute Nachricht ist: Die Oltner haben durchaus das Potenzial dafür.

Marcel Kuchta
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Einen Schritt zu spät: Langenthals Serge Weber (l.) ist vor Oltens Jewgeni Schirjajew am Puck.

Einen Schritt zu spät: Langenthals Serge Weber (l.) ist vor Oltens Jewgeni Schirjajew am Puck.

Marc Schumacher/freshfocus

Wenn man nach acht Siegen in Serie mal wieder verliert, dann ist das kein Beinbruch. Vor allem, wenn es gegen ein Top-Team wie den SC Langenthal passiert. Logisch, ist es doppelt schmerzhaft, wenn (mal wieder) der grosse Rivale aus dem Oberaargau das bessere Ende für sich behält. Aber aus dieser 1:3-Niederlage kann der EHCO durchaus einige wertvolle Erkenntnisse mitnehmen. Vor allem diese: Die Fortschritte in den vergangenen Wochen nach der Dezember-Krise waren sehr erfreulich. Aber eben: Um die Differenz zu den drei Swiss-League-Spitzenteams Kloten, Ajoie und Langenthal eliminieren zu können, bedarf ein es eines weiteren Schritts. Dies vor allem im Hinblick auf die Playoffs, wenn man eher früher als später auf einen dieser harten Brocken treffen wird.

Die Irritation über den verschlafenen Start

Beim 1:3 gegen Langenthal an diesem kalten Samstagabend im Kleinholz misslang den Oltnern vor allem der Auftakt komplett. Und das war gegen ein Klasseteam wie den SCL schon genug, um am Ende - trotz enormem Aufwand - mit leeren Händen dazustehen. Auch EHCO-Headcoach Fredrik Söderström war irritiert über die Tatsache, dass man den Oberaargauern in der Startphase viel zu viele Freiräume zugestand, welche diese zu einer frühen 2:0-Führung (3. Kläy, 8. Elo) ausnutzten. Söderström:

«Wir haben den Langenthalern eine wunderschöne Fahrt in dieses Spiel ermöglicht und uns quasi für den Friedens-Nobelpreis beworben.»

Man werde am Montag im Training mit den Spielern darüber reden müssen, weshalb man die Partie auf diese Weise begonnen haben, machte der Schwede kein Hehl aus seinem Frust über den völlig missglückten Auftakt. «Dabei haben wir vor dem Spiel noch explizit darauf hingewiesen, dass uns gegen Langenthal eine schwierige Aufgabe erwarten wird und wir entsprechend bereit sein müssen», unterstrich der EHCO-Headcoach und fügte an: «Gegen Teams wie die EVZ Academy geht es oft viel mehr um reines Talent. Gegen Spitzen-Mannschaften geht es um Kraft, Gewicht, Positionierung auf dem Eis, um Pass- und Abschlussqualität. In diesen Bereichen müssen wir noch besser werden.»

Söderströms Kritik an den designierten Leistungsträgern

Söderström ging dabei vor allem mit seinen designierten Offensiv-Leistungsträgern hart ins Gericht: «Ich würde sagen, dass wir im zweiten und dritten Drittel gut genug gespielt haben, um sogar noch Punkte zu holen. Bei einem Schussverhältnis von 25:16 auf eigenem Eis sollte man sogar gewinnen. Aber uns hat die Qualität gefehlt, als es darum ging, unsere Chancen zu kreieren und auszunützen. In solchen Spielen müssten die Spieler, die das entsprechende Talent haben, die Differenz ausmachen für uns. Wenn ich sehe, wie wenig Schüsse unsere Top-Cracks wie Knelsen, Nunn, Schirjajew, Wyss oder Fuhrer aufs gegnerische Tor gebracht haben, dann ist das ungenügend.»

Ein Déja-vu zu den letzten Playoffs

Letztlich war es, nicht nur für Söderström eine Art Déja-vu zu den letzten Playoffs. Die Oltner waren zu Beginn vor allem mental nicht bereit, den cleveren und selbstbewussten Langenthalern Paroli zu bieten. Als sie sich wieder gefangen hatten, fanden sie keinen Weg mehr aus dem Loch heraus, in welches sie sich selber geschaufelt hatten.

Was beibt. ist die Erkenntnis, dass der EHC Olten in den kommenden zwei Monaten bis zu den Playoffs weiter an seiner Identität und Mentalität arbeiten muss. Die Kampfkraft und die Arbeitseinstellung stimmten in Drittel zwei und drei gegen Langenthal. Die Souveränität, die Ruhe, die Gelassenheit und das unerschütterliche Selbstvertrauen, welches die Spitzenteams oft ausstrahlen, geht den Oltnern immer noch ein wenig ab. Die gute Nachricht ist aber, dass das Potenzial, diesen nächsten Schritt zu machen, durchaus vorhanden ist. Aber es muss alles zusammenpassen.