Eishockey

HCD-Center Samuel Walser: «Den ersten Meistertitel musst du richtig feiern»

Da war der Meisterpokal noch ganz: Samuel Walser freut sich mit der Trophäe.freshfocus

Da war der Meisterpokal noch ganz: Samuel Walser freut sich mit der Trophäe.freshfocus

Letzten Samstag wurde der Boninger Samuel Walser mit dem HC Davos Schweizermeister. Im Interview mit der «Nordwestschweiz» spricht der erst 22 Jahre alte Stürmer über den überraschenden HCD -Meistertitel.

Wie geht es Ihnen? Ist das Kopfweh vom Meisterkater abgeklungen?

Samuel Walser: (Lacht.) Es war gar nicht so schlimm. Alles ist im erträglichen Mass abgelaufen. Ich wollte schliesslich vor allem die Stimmung geniessen.

Wie sind die Feierlichkeiten abgelaufen?

Nach der Party im Hallenstadion, wo die Post schon ordentlich abging, machten wir noch in Wädenswil, im Schützenhaus, wo wir oft zu Gast sind, einen Zwischenhalt. Auch dort war unglaublich viel los. Dann kamen wir gegen 3.15 Uhr in Davos an. Auch dort erwarteten uns sehr viele Fans und die Party ging weiter. Obwohl ich für einen kurzen Moment daran dachte, nach Hause zu gehen.

Wieso?

Ich war einfach kaputt. Auch noch vom Spiel selber. Aber dann habe ich mir gedacht: Den ersten Meistertitel musst du richtig feiern. Schliesslich sind wir noch in die zwei, drei Bars gepilgert, die in Davos noch offen haben. Immer umgeben von vielen Fans, die uns gratulierten. Das war wunderschön. So gegen halb acht am Morgen bin ich dann ins Bett.

Und danach?

Drei Stunden später haben sich die meisten Spieler schon wieder am Jakobshorn in der Jatzhütte getroffen. Dort haben wir dann etwas gegessen und konnten ein wenig runterfahren. Es war ein gemütliches Beisammensein. Dort habe ich dann auch zum ersten Mal wirklich realisiert, dass wir Meister geworden sind.

Wie sieht das Programm bis zur offiziellen Meisterparty am kommenden Samstag aus?

Ich bin, wie einige meiner Teamkollegen, ins Unterland gefahren zu meiner Familie. Nach einer Nacht in Boningen gehts wieder in Richtung Davos. Dort werden wir uns immer wieder treffen und die freie Zeit gemeinsam geniessen.

Machen Sie sich noch Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme?

Ich muss da realistisch sein. Wenn ich mir die Schweizer Mannschaft so ansehe, dann hat es kaum noch Platz für mich. Generell ist es so, dass man als Neuling kaum eine Chance hat, sich für die WM zu empfehlen, wenn man in den Final kommt. Zu diesem späten Zeitpunkt kommen eher die gesetzten Spieler zum Zug.

Haben Sie eigentlich eine Erklärung für den erstaunlichen Steigerungslauf Ihrer Mannschaft?

Nachdem wir Zug in der ersten Runde geschlagen haben, fiel ein rechter Druck von uns ab. Alle erwarteten, dass wir endlich mal wieder den Viertelfinal überstehen. Dann schlugen wir den SCB 4:0 und standen plötzlich im Final. Es ist sicher viel für uns gelaufen. Wir schossen in den richtigen Momenten die Tore. Der Mix hat schliesslich total gestimmt.

Ihr Trainer Arno Del Curto sagt immer, dass man auch das Gewinnen lernen muss. Wie sieht dieser Lerneffekt bei Ihnen aus?

Mein erstes Jahr in Davos war schwierig. Ich musste mich erst mit dem System anfreunden. Als Center ist man bei uns besonders gefordert, weil man zuerst an die Defensive denken muss. Diese Denkweise fordert Arno vor allem von den jungen Spieler. Auch in der diesjährigen Qualifikation hatte ich Mühe und war nicht zufrieden mit meinen Leistungen.

Wie kam es dann zur Steigerung in den Playoffs?

Ich sah die Playoffs als eine Chance für einen Neuanfang. Arno sagte mir in Einzelgesprächen, dass er zufrieden sei mit meiner Entwicklung, ich aber jetzt den nächsten Schritt machen müsse. Der ist mir gelungen, weil ich versuchte, möglichst einfach zu spielen und meine defensiven Hausaufgaben zu machen. Und plötzlich sind auch vorne die Tore gefallen. Nicht nur bei mir, sondern bei allen Spielern. Das hat für eine unheimlich positive Dynamik innerhalb der Mannschaft gesorgt. Alle trugen ihren Teil zum Erfolg bei.

Ihr Vertrag in Davos läuft noch ein Jahr. Brauchten Sie diese erfolgreichen Playoffs als Beweis, dass Sie am richtigen Ort sind?

Ja, es war eine Bestätigung für mich. Ich konnte viel lernen, auch wenn ich einige Male untendurch musste. Ich fühle mich wirklich wohl und werde meinen Vertrag sicher erfüllen. Und wenn Davos frühzeitig auf mich zukommt und mich unbedingt behalten will, dann kann ich mir auch vorstellen, noch länger dort zu bleiben. Es kommt natürlich auch darauf an, ob Arno Del Curto Trainer in Davos bleibt.

Wie oft haben Sie Ihren Trainer in der letzten Saison gehasst?

(Lacht.) Wenn man von ihm kritisiert wird, ist das schon hart. Aber er will ja nur das Beste aus jedem Spieler herausholen. Und er schenkt einem auch Vertrauen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Das machen nicht viele Trainer.

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