EHC Olten

Eine lädierte Hüfte und ein Missverständnis: Riccardo Sartoris steiniger Weg zurück an die Spitze

Riccardo Sartori hat sich in dieser Saison im Gleichschritt mit der Teamleistung gesteigert.

Riccardo Sartori hat sich in dieser Saison im Gleichschritt mit der Teamleistung gesteigert.

EHC-Olten-Verteidiger Riccardo Sartori räumt nach der Vertragsunterzeichnung bei Biel ein Missverständnis aus dem Weg und will bei den Powermäusen in den nächsten Monaten noch Grosses erreichen.

Riccardo Sartori erscheint nach dem Morgentraining ziemlich gelöst zum Interview und spricht über seine vergangenen 24 Stunden, in denen sein Wechsel zum EHC Biel auf die nächste Saison hin mit einem Zweijahresvertrag bekannt gegeben wurde.

«Ich bin unglaublich glücklich, dass es geklappt hat. Ich möchte wieder in der National League spielen und bin froh, dass mir Biel diese Chance bietet und ich mein Ziel realisieren kann», sagt der EHCO-Verteidiger, der während seiner Aussage plötzlich gestört wird von zwei ehemaligen Bielern, Torhüter Simon Rytz und Verteidiger Anthony Rouiller, die mit Sprechchören Riccardo Sartoris Wechsel in die höchste Liga feiern.

Es scheint, als würden sie seinem Teamkameraden den Wechsel von Herzen gönnen mögen. Sartori, von allen «Ricky» genannt, lacht und sagt: «Die Jungs sind einfach grossartig.» Die Szene zeigt nicht nur, welche Harmonie derzeit beim EHC Olten herrscht, es verdeutlicht auch, wie gut sich der Tessiner in Olten eingelebt hat und sich wohlfühlt.

Riccardo Sartori (2.v.r.) im Oltner Atomblock um Topskorer Dion Knelsen, Stan Horansky und Garry Nunn.

Riccardo Sartori (2.v.r.) im Oltner Atomblock um Topskorer Dion Knelsen, Stan Horansky und Garry Nunn.

    

Motivation bleibt trotz Vertrag unverändert gross

Dabei hatte Riccardo Sartori im Sommer alles andere als einen Bilderbuchstart im Kleinholz genossen – um nicht zu sagen ein unglücklicher Start erlebt. Der 25-Jährige gab vor der Saison gegenüber «Ticinonline» ein Interview, das beim EHC Olten nicht gut ankam: «Mein Ziel ist es, noch in diesem Jahr in die National League zurückzukehren. Bei Olten habe ich einen Einjahres-Vertrag unterschrieben, aber ich hoffe, dass ich bis Januar wieder in der höchsten Liga spielen kann.»

Das Zitat machte schnell einmal die Runde, Sartori wurde von so manchem Oltner Anhänger als arroganter Egozentriker abgestempelt, der den EHC Olten bloss als Notlösung erachtet. Nie hatte Sartori die Musse, die Aussage richtig zu stellen – bis heute: «Nein, nein, nein!», unterbrach er vehement eine entsprechende Frage und räumte das monatelange Missverständnis aus dem Weg: «Dieses Interview wurde total falsch wiedergegeben und war fehlerhaft in der Übersetzung. Was ich sagte, bedeutete in Wahrheit das Gegenteil. Ich sagte: Mein Ziel ist es, einen neuen Vertrag in der National League zu finden oder dann mit Olten aufzusteigen. Und überhaupt nichts darüber, dass ich während der Saison wieder weg sein möchte – das ist blödes Zeugs!»

Sartori merkt gleich mehrmals an, wie dankbar er ist, dass er eine Chance beim EHC Olten erhalten habe. Denn Sartori kam mit seiner Karriere nach drei überzeugenden Saisons beim HC Lugano an den Scheideweg, bei dem sich der ehemalige Ambri-Junior letztlich dazu durchringen musste, seine angeborene Hüfterkrankung operieren zu lassen. «Die Skatebewegungen im Eishockey sind nun mal nicht besonders förderlich für meinen Körper», sagt er. Und so liess er sich einem Eingriff unterziehen, der glückte und ihn seither schmerzfrei spielen lässt. Doch der Weg zurück in die National League war steiniger als erwartet.

In der Saison 17/18 absolvierte der Tessiner nur 10 Partien, 3 für die Ticino Rockets, sieben für Visp (4 davon in den Playoffs gegen Olten). Trotzdem glaubte Sportchef Marc Grieder an Sartoris Comeback auf hohem Niveau, was sich heute als Glücksgriff erwies und für beide Parteien als Win-Win-Situation herausstellte.

Sartori begann seine ­EHCO-Saison zwiespältig, steigerte sich aber im Gleichschritt mit den Teamvorstellungen. «Es war hart für mich, wieder den Rhythmus zu finden», erinnert er sich. Seit einigen Spielen gehört der hartnäckige und robuste Defensivspieler zu den besonders verlässlichen Verteidigern im Team von Trainer Fredrik Söderström (39 Spiele, 18 Punkte). «Ich bin glücklich, wie sich meine Situation entwickelte. Diese Saison ist genauso eine, die ich nach der Verletzung brauchte.»

Sein grosses Ziel, einen National-League-Vertrag abzuschliessen, hat er nun erreicht. Leidet da die Motivation? Sartori schüttelt den Kopf. Er spiele schon viele Jahre Eishockey, aber dieses Team sei etwas Aussergewöhnliches. «Ich will noch etwas ganz Spezielles mit jedem Einzelnen dieser Mannschaft erreichen. Und ich denke, wir haben die Qualitäten, in den Playoffs sehr weit zu kommen.»

Doch erst mal würden sie die letzten fünf Qualifikationsspiele sauber über die Runden bringen wollen. «Wir sind an Kloten dran. Es liegt jetzt in unseren Händen, den ersten Platz zu holen. Das motiviert uns zusätzlich.»

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