Trifft der Leader auf den Tabellenvorletzten, sollte das in einer Liga mit starkem Gefälle eine deutliche Angelegenheit sein. Vor allem auch, wenn man die jüngsten Statistiken berücksichtigt: Während der EHCO aus den letzten zehn Spielen acht Mal als Sieger hervorging, sicherte sich der EHC Winterthur – der als Saisonziel eigentlich die Playoffs anpeilen wollte – gerade mal einen Sieg.

Mit solchen Zahlen im Hinterkopf dürften die EHCO-Spieler ganz offensichtlich in dieses Direktduell gegangen sein. Denn wieder einmal stellen die Powermäuse gegen eines der um die Playoff kämpfenden Teams nach einer Mehrtore-Führung die Arbeit ein. Wieder einmal sei die Frage nach der richtigen Einstellung erlaubt.

„Wir sind nur rumgekurvt und haben unsere Chancen nicht genutzt“, bilanziert Verteidiger Chris Bagnoud. Es rächte sich, weshalb die Oltner ohne Lohn mit einer 3:6-Packung nach Hause reisen. Sie nehmen die willkommene Einladung, sich an der Spitze etwas Luft zu verschaffen, nicht an.

Die Arbeit mit dem 2:0 eingestellt

Dabei zauberte der EHCO noch einen Start nach Mass aufs Eis. Schnell einmal stand es mit den Toren von Horansky und Gervais 2:0. Insbesondere der zweite Treffer zeichnete Trainer Chris Bartolone kurzzeitig ein Lachen ins Gesicht, weil das Tor nicht zuletzt auf einer vor wenigen Tagen im Training einstudierten Kombinationsübung basierte. Dass es sich dabei aber bereits um den Oltner Höhepunkt der gesamten Partie handelte, konnte man zu dieser Zeit nicht erahnen. Doch es folgte eine Aneinanderreihung von Fehlern.

Topskorer Cason Hohmann heimste eine 2- plus 10-Minutenstrafe wegen Checks gegen den Kopf ein (siehe Box unten). Es zeichnet den Auftakt eines verflixten Abends. Denn an der ersten Powerplaysituation tankt der Underdog kräftig Sauerstoff. Winterthur spielt sich in einen Rausch, womit man sich 39 Sekunden vor der ersten Pause für eine durchs Band weg kämpferische Leistung ein erstes Mal belohnte.

Zum 2:2-Ausgleich kommt Winterthur schliesslich mit einem Powerplaytor (35.). Martin Ulmer hatte sich zuvor für den fliegenden Wechsel etwas gar viel Zeit genommen, weshalb die Oltner mit einer Bankstrafe (zu viele Spieler auf dem Eis) belegt wurden.

Nur Sekunden später kamen sich erst Stan Horansky und Colin Gerber in der Offensive in die Quere und verloren die Scheibe, was Winterthurs Wieser mit dem Gegenstoss eiskalt ausnutzte.

Und danach erwies auch das Verteidiger-Duo Heughebaert/Zanatta dem Team einen Bärendienst, als dieses die Scheibe vertändelte und dafür mit dem 2:4-Gegentreffer bestraft wurde (46). Es passte schliesslich auch zum Oltner Gesamtbild, dass Torhüter Matthias Mischler – trotz vieler Winterthurer Sonntagsschüsse – keine grosse Stütze zu einem Vollerfolg war.

Selbst mit einer geschenkten Überzahlsituation kam der EHCO nicht mehr heran – ganz im Gegenteil: Einen Grossniklaus-Schuss blockte Winterthur-Ausländer Jared Gomes mit dem Helm, liess sich davon nicht beirren und verwertete den Gegenstoss zum 5:2.

Das Tor zeichnete das Sinnbild eines Arbeitstages, an dem beim EHCO gegen ein aufopferungsvolles Winterthur nicht viel gelingen wollte. An einem Abend, an dem einmal mehr die Frage nach der richtigen Einstellung gestellt werden muss.

Weshalb tut sich der EHCO in Spielen gegen die Underdogs bloss so schwer? Chris Bagnoud weiss nur mit der Schulter zu zucken: „Wüssten wir es, hätten wir es längstens korrigiert“, sagte der EHCO-Verteidiger und meinte: „Ich denke aber nicht, dass es an der Einstellung lag. Wir bereiteten uns, wie immer, sehr professionell auf dieses Spiel vor, studierten Videos und waren auch motiviert, hier zu gewinnen. Schliesslich wollen wir uns an der Tabellenspitze behaupten.“

Diese behauptet der EHCO vorerst trotz Niederlage. Denn Verfolger La Chaux-de-Fonds verlor gegen Ajoie 0:4. Immerhin etwas Positives im Kreise des EHC Olten.

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