Es waren knapp 50 Minuten gespielt, als beim EHC Olten plötzlich eine gewisse Erleichterung Einzug hält. Zumindest rutschten die Powermäuse mit einer 2-Tore-Führung im Rücken in eine gefährliche Passivität.

Und tatsächlich: Nach einer herrlichen Langenthaler Passstafette über Kelly und Karlsson kommt SCL-Captain Tschannen freistehend zum Abschluss und bringt die Einheimischen zurück ins Spiel (1:2). Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der EHC Olten vor einer enttäuschenden Derbykulisse von lediglich 2782 Zuschauern das Spiel derart bestimmend im Griff, dass selbst auch das erwähnte Langenthaler Sturmtrio über weite Strecken unsichtbar blieb.

Aber vor allem überzeugte der EHC Olten mit einer bislang ungewohnt starken Defensivleistung: Kaum Scheibenverluste in der eigenen Zone und souveräne erste Pässe trugen zu einem gepflegten Spielaufbau bei. Der SCL machte dem EHCO das Leben aber auch einfacher, indem die Oberaargauer aus unerklärlichen Gründen nicht auf ihr sonst zelebriertes Forechecking setzten, mit dem der EHC Olten weniger gut zurechtkommt.

EHCO-Trainer Chris Bartolone war dies egal und sagte nach dem Spiel sichtlich zufrieden: «Wir kamen nach dem Cupsieg endlich zum Arbeiten, haben viele Dinge angeschaut, die von der Mannschaft sehr gut umgesetzt wurden. Sie haben die Details richtig gemacht, weshalb mich dieser Sieg besonders glücklich macht. Auch auf der Bank wurde gut gearbeitet. Alle haben ihre Rollen wahrgenommen.»

Schirjajew, der Techniker

Es ist ein Sieg für den Teamgeist. Dieser wurde von Jewgeni Schirjajew in der 11. Minute in die richtigen Bahnen geleitet: In Unterzahl spielend befreit Verteidiger Tim Bucher die Scheibe in hohem Bogen, worauf Schirjajew am schnellsten reagiert: Er nimmt den Puck mit der Hand hinunter, setzt sich im Zweikampf gegen Mika Henauer durch und netzt zur Führung ein.

Diese Führung hält lange Zeit an. Dabei hatte der EHCO im Mitteldrittel den Druck nochmals erhöht, doch keiner der 16 Abschlüsse (!) wollte ins Tor. Die Oltner, nahe an der Verzweiflung, mussten dann aber doch noch glücklich sein, durften sie das Mitteldrittel als torlos verbuchen: Zwei Minuten vor Ende des Drittels wurde Martin Ulmer wegen Hakens bestraft. Während die Strafe angezeigt wurde, stellte EHCO-Debütant Colin Gerber Tschannen zusätzlich das Bein.

Die Dreitannenstädter bewiesen viel Moral, indem sie die 5:3-Situation über komplette zwei Minuten schadlos überstanden. Während die Oltner vor einer Woche eine 5:3-Situation ausliessen, konnten diesmal die Langenthaler die doppelte Überzahl nicht nutzen. Es dürfte die spielentscheidende Phase gewesen sein. «Übersteht man eine solche Phase, gibt das einem Kraft für den weiteren Spielverlauf», sagte Schirjajew.

Der Mann des Spiels war auch Hauptverantwortlicher für das zweite Oltner Tor. Als hätte der Supertechniker ein Magnet an der Stockschaufel, erkämpfte sich Schirjajew in der neutralen Zone die Scheibe, spielte diese tief an die Bande. Von dort gelangte der Puck vor das Tor, wo Marco Truttmann am schnellsten reagierte und SCL-Torhüter Mathis über der Schulter erwischte (43.).

In den letzten drei Minuten versuchte der SC Langenthal mit einem zusätzlichen Feldspieler nach weiteren Grosschancen vergeblich, den Ausgleich zu erzielen. Vielmehr brachte Marco Truttmann mit seinem Empty Netter in der Schlussminute den Sieg ins Trockene. Nicht nur wegen seiner beiden Treffer stach der ehemalige Teamleader aus dem Oltner Kollektiv heraus. Auch in Unterzahl verrichtete er zugunsten des Teams Drecksarbeit, indem er den einen oder anderen Schuss blockierte.

Bleibt die Frage nach der Leistung der EHCO-Ausländer: Bryce Gervais leistete hervorragende mannschaftsdienliche Arbeit, vermochte aber auch im zweiten Saisonspiel offensiv nicht den Druck auszuüben, den man von einem Ausländer erwartet.

Und Cason Hohmann? Er scheint es besonders gut machen zu wollen und hat dadurch den Hang zum Eigensinn, womit er sich in einem Mannschaftssport kaum Freunde macht. Die Arbeit geht EHCO-Trainer Chris Bartolone auch nach diesen positiven Momenten in den nächsten Tagen nicht aus.

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