Es ist ein Bild, welches das Eishockey-Fanherz bluten lässt: 200 Zuschauer weisen die GCK Lions gestern Abend an ihrem Heimspiel gegen den EHC Olten aus. Und wie viele davon tatsächlich ein Ticket bezahlt haben? Man mag es nur erahnen, sind doch gerade viele GCK-Besucher Familienmitglieder, Verwandte oder Freunde von Spielern oder Klubmitgliedern. Wären da nicht mehr als die Hälfte aller Hockeyfans aus Olten angereist, man könnte prompt von einem privaten Familienfest sprechen.

Neu sind solche Verhältnisse gerade in Küsnacht nicht, doch das Bild sämtlicher Farmteams spricht für sich. Es braucht deshalb erst recht keine grosse Vorstellungskraft, um infrage zu stellen, wie solche Abende wirtschaftlich rentieren können.

Spiele gegen ebensolche Farmteams sind dem EHC Olten als Gastgeber, der zu einem beträchtlichen Teil auch von den Zuschauereinnahmen lebt, ein grosser Dorn im Auge.

Und die Zahlen sind unmissverständlich: Mit der Lancierung der beiden Farmteams EVZ Academy und Ticino Rockets sind die Zuschauerzahlen im Kleinholz-Stadion nach zehn, zwölf aufstrebenden Jahren mit einer national kaum zu vergleichenden Steigerung drastisch eingebrochen.

Als unvergleichlicher Tiefpunkt weist der EHC Olten in dieser Saison im Heimspiel gegen die EVZ Academy vor einer Woche gerade mal 2209 Zuschauer aus – und steht nun nach fünf Heimspielen bei einem Durchschnitt von 3200 Zuschauern.

Zum Vergleich: Bevor Biasca und Zug in der Swiss League teilnahmen, stand der EHCO noch bei einem Schnitt von 3677 Zuschauern (Saison 15/16). «Ja, solche Zahlen machen nachdenklich», sagt EHCO-Geschäftsführer Peter Rötheli auf Anfrage, «aber sie bestätigen unsere Befürchtungen des Attraktivitätsverlusts der Liga mit den Farmteams, worauf wir mit weiteren Klubs schon vor Jahren hingewiesen haben.»

Am liebsten würde der EHCO alle Heimspiele vor einer solchen Kulisse austragen: Gänsehaut-Stimmung im fast ausverkauften Kleinholz-Stadion während den Playoffs

Am liebsten würde der EHCO alle Heimspiele vor einer solchen Kulisse austragen: Gänsehaut-Stimmung im fast ausverkauften Kleinholz-Stadion während den Playoffs

Die Schere geht auf

Nun, natürlich mögen diese schwindenden Zuschauerzahlen vielerlei Gründe haben. Ist es der wenig attraktive Spielplan mit insgesamt acht (!) Derbys gegen den SC Langenthal? Selbst diese sonst attraktiven Derbys haben die Fans in dieser Saison soweit nicht wie erwünscht in die Stadien gelockt.

Oder sind es die zuletzt gestiegenen Catering-Preise im Kleinholz, die den EHCO-Fans besonders sauer aufgestossen sind?

Ist es schlicht und einfach der lange schöne Sommer? Oder ist es die generell allmählich gestiegene Erwartungshaltung, sodass quasi die Zuschauer erst den Verein im Stadion unterstützen, wenn es in den Playoffs dann wirklich um die Wurst geht?

Es mag wohl von allem ein bisschen sein. «Ich habe selber Leute in meinem Umfeld, die mir sagen, dass sie zwar voll und ganz hinter dem Verein stehen, aber dennoch nicht alle Farmteam-Spiele besuchen wollen», bedauert Rötheli.

Klar ist: Der EHC Olten wird am Montagabend an seiner ordentlichen Generalversammlung die Jahresrechnung präsentieren. Offizielle Zahlen mag der Klub erst am Montag bekannt geben. Aber schon heute weiss man, dass der EHCO nur dank Playoff-Finaleinzug und herausragenden, aufopfernden Leistungen abseits des Spielbetriebs eine blanke Null erlangt, sofern man das Thema Catering für sich ausklammert.

«Gerade in Heimspielen gegen die EVZ Academy, die Ticino Rockets, die GCK Lions oder auch Winterthur ist es schwierig, positive Zahlen zu schreiben. Zählt man die Saisonabos nicht dazu und rechnet man nur die Tageskasse und Vorverkäufe ein, dann zahlen sich diese Spiele überhaupt nicht aus», gibt Rötheli zu bedenken. Denn die Kosten rund um ein Ligaspiel mit Sicherheit, Stadionmiete und vielem mehr trägt der Verein auch in wirtschaftlich schwachen Farmteam-Spielen. «Wir gehen in eine gefährliche Richtung. Wir als EHC Olten haben in der Swiss League wirtschaftlich die Decke nahezu erreicht», warnt Rötheli.

Und die Tendenz nach noch höheren Aufwänden in der Jahresrechnung sind gegeben. Rötheli spricht deshalb auch die derzeitige Thematik rund um die Einführung von sechs Ausländern in der National League an und fragt dazu, ob eine Ligaqualifikation bald mit fünf Importspielern über die Bühne geht.

Die Schere der beiden Schweizer Topligen, National League und Swiss League, würde damit noch weiter aufgehen. Kein Wunder also sieht man die Zukunft des EHC Olten nur an einem Ort: In der National League.