Kestenholz

Ein 25-Meter-Pool im Garten für den Olympia-Traum: Die verrückten Monate von Triathlon-Profi Max Studer

Max Studer läuft seiner Konkurrenz davon

Max Studer läuft seiner Konkurrenz davon

Max Studer lässt für das grosse Ziel Olympia in Tokio nichts unversucht und baute während des Lockdowns zu Hause in Kestenholz kurzerhand einen 25-Meter-Pool. Nun feilt der 24-Jährige an seiner Form, um Ende August bereit zu sein, wenn es im Triathlon wieder losgeht.

Sie sassen während des Corona-Lockdowns am Familientisch zum Znacht, als der Vater von Triathlet Max Studer in die Runde warf, man könnte doch einen Pool im Garten aufstellen, damit der 24-jährige Vollblutprofi trotz gesperrter Schwimmbäder sein immenses Training im Wasser abspulen kann.

Aus Jux wurde Realität: Zwei Wochen später stand dank gütiger Unterstützung der beiden Firmen Reinhold Dörfliger AG und Poolnow GmbH sowie Freunden das Provisorium tatsächlich. Es war nicht irgend­eines, kein 3-Meter-Pool mit Gegenstromanlage – nein, ein 25 Meter langer beheizter, überdeckter Pool, womit für Max Studer ideale Trainingsbedingungen geschaffen wurden.

Er spricht rückblickend von einem «grossen Vorteil», den er gegenüber der Konkurrenz hatte, die teilweise über Wochen keine Schwimmtrainings absolvieren konnte. «Es hat Spass gemacht und hat mich auch etwas von der Coronapandemie abgelenkt.»

25 Meter lang, beheizt, überdacht: Max Studers Pool-Provisorium im Garten seiner Eltern in Kestenholz

25 Meter lang, beheizt, überdacht: Max Studers Pool-Provisorium im Garten seiner Eltern in Kestenholz

Max Studers 25-Meter-Pool im Garten in der Innenansicht

Max Studers 25-Meter-Pool im Garten in der Innenansicht

Die Wochen des Corona-­Lockdowns, sie waren auch für Max Studer nicht die einfachsten. Schliesslich sah er seinen grossen Traum, an den Olympischen Spielen in Tokio teilzunehmen, in weite Ferne rücken. Studer lief dank überzeugender Resultate quasi bereits auf der Zielgerade Richtung Tokio, war mit einem Bein qualifiziert. «Obwohl der Entscheid der Absage natürlich richtig war, war ich zu Beginn schon enttäuscht. Ich hatte die Situation aber schnell akzeptiert und sah auch die positiven Seiten. Ich sah darin auch eine Chance», sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Studer feilte fortan mit seinem Team umso mehr an seiner Lauftechnik, in welcher er noch immer viel Verbesserungspotenzial sieht. «Ohne Wettkämpfe und Herumreiserei blieb deshalb auch Zeit für Dinge, für die ich sonst kaum Zeit habe.»

Ab in die USA – und gleich wieder zurück

Max Studer blickt auf ein verrücktes Halbjahr zurück. Dabei begann es noch vielversprechend: Am Dietiker Neujahrslauf gewann er überlegen und schlug den sechs Jahre alten Streckenrekord um zwei Minuten.

Daraufhin reiste Max Studer mit dem Nationalkader von Swiss Triathlon in ein vierwöchiges Trainingslager in Stellenbosch, Südafrika. Dort nahm er am African Triathlon Cup, ein Triathlon-Wettkampf auf Sprintdistanz, teil und gewann diesen als Nummer eins gesetzt.

Dann, Ende Februar, flog Max Studer mit dem Ziel einer Teilnahme am Triathlon-Weltcup in Sarasota schnurstracks nach Miami, nachdem die US-Regierung ankündigte, wegen des aufkommenden Coronavirus keine Europäer mehr ins Land zu lassen. Kaum angekommen wurden sämtliche Wettkämpfe abgesagt, worauf Studer nach nur einer Übernachtung in den USA wieder zurück in die Schweiz flog. Noch am selben Wochenende testete er in Payerne in einem 10-Kilometer-Lauf seine Form – und gewann mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg (30:00.4).

Endlich wieder ein Ziel: Triathlon-EM in Estland

Es folgten die ungewissen Corona-Trainingswochen zu Hause in Kestenholz. Als der Bundesrat beschloss, dass Spitzensportler wieder das Training aufnehmen können, wurde in Magglingen eine Alternative zum Triathlon-Mekka in St. Moritz geschaffen. Doch nach ersten Corona­anzeichen wurde diese Möglichkeit wieder abgeblasen, sodass wieder Trainings in Eigenregie auf dem Programm standen.

Mittlerweile darf Max Studer in St. Moritz wieder in seiner gewohnten Umgebung und seinem anspornenden Umfeld mit Triathlon-Trainerlegende Brett Sutton trainieren. «St. Moritz hat sich zu einer kleinen Hochburg von Profisportlern entwickelt. Ich mag die Stimmung und den Austausch mit den vielen Sportlern, die alle ein bestimmtes Ziel verfolgen.»

Als Lichtblick während der Coronalockerungen nahm Max Studer Mitte Juni am Laufmeeting in Wetzikon über die Distanz von fünf Kilometern teil. Das Feld war mit dem Schweizer Laufstar Tadesse Abraham äusserst stark besetzt und dennoch entschied Studer auch dieses Rennen in persönlicher Bestleistung (14:01.98) für sich. «Dass ich mit einem solchen Resultat glänzen konnte, war sehr motivierend für mich. Es hat mir aufgezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin», so Studer.

Noch haben weder der nationale Verband Swiss Triathlon noch der internationale Verband über den Fortlauf der Qualifikation für Tokio 2021 informiert. «Wir wissen noch nicht, wie es in Sachen Qualifikation weitergeht.»

Klar ist nur: Vom 28. bis 30. August sollen in Tartu, Estland, die Triathlon-EM im Einzel und Team über die Bühne gehen. Dann will Max Studer das nächste Mal brillieren – endlich wieder ein klares Ziel vor Augen nach turbulenten Wochen voller Ungewissheit.

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