Transfer

Ein 17-Jähriger für den EHCO: Ein äusserst spannendes Experiment - oder mehr?

Brennan Othmann im Dress der Flint Firebirds.

Brennan Othmann im Dress der Flint Firebirds.

EHC-Olten-Sportchef Marc Grieder greift in die Trickkiste und holt aus Nordamerika einen talentierten Junioren, der das Ausländerkontingent nicht belastet. Stürmer Brennan Othmann gehört zum erlauchten Spielerkreis, der im kommenden NHL-Draft in der ersten Runde ausgewählt werden könnte.

Der EHC Olten plagte sich in den ersten Meisterschaftswochen fast permanent mit Personalnot herum. In sechs von elf Spielen, brachte man nicht einmal zwölf Stürmer aufs Matchblatt. Grund genug für Sportchef Marc Grieder also, zu handeln. Doch eben: Was tun, wenn der Handlungsspielraum quasi inexistent ist? Seine letzte Transferpatrone brauchte er für Cédric Hüsler. Und im Zuge der Coronakrise, die bei allen Beteiligten finanzielle Opfer erfordert, ist es sowieso nur schwer vermittelbar, wenn man plötzlich neue Spieler unter Vertrag nehmen möchte. 

Eine unkonventionelle Lösung

Marc Grieder fand eine unkonventionelle Lösung. Er holte aus Kanada ein 17-jähriges Talent. Brennan Othmann ist der Neffe des ehemaligen EHCO-Spielers Robert Othmann (2002 bis 2007) und besitzt auch den Schweizer Pass. Am Freitagmorgen landete er nach einem Flug von Toronto via Montreal in Zürich, wo ihn sein Onkel abholte und quasi direkt ins Kleinholz brachte, wo er auch gleich am ersten Mannschaftstraining teilnahm.

Doch wie sieht es punkto Finanzierbarkeit aus? Die Kosten werden sich für den EHCO im überschaubaren Rahmen halten. Unter Vertrag steht Othmann bei seinem OHL-Team, den Flint Firebirds und spielt quasi auf Leihbasis in Olten. Der EHCO muss im Prinzip für Kost und Logis aufkommen, wobei der junge Kanadier bei einer Gastfamilie in Hägendorf untergebracht wird. Dazu kommen noch die Versicherungsprämien. Unter dem Strich also sicher kein monetärer Hosenlupf für den Klub.

Da die kanadischen Juniorenligen ihren Meisterschaftsbetrieb - wenn überhaupt - erst im Februar wieder aufnehmen werden, dürfte Othmann sicher mal zwei Monate beim EHCO bleiben, vielleicht sogar länger. Momentan ist zudem noch unklar, ob die Mannschaft aus Flint, eines von drei OHL-Teams, die in den USA beheimatet sind, überhaupt jeweils nach Kanada einreisen dürfte. 

Reicht das Niveau?

Aber bringt so ein junger Spieler dem EHC Olten überhaupt etwas? Kann ein 17-Jähriger auf Swiss-League-Niveau mithalten? Nun: Othmann gilt als sehr talentiert und gehört zu jenem exklusiven Kandidatenkreis an Spielern, die im kommenden Jahr im NHL-Draft in der ersten Runde ausgewählt werden könnten. Das allein ist ein Qualitätsmerkmal. In seiner ersten Trainingeinheit liess der Flügelstürmer seine Klasse - trotz grosser Müdigkeit (Othmann: "Auf einer Skala von ein bis zehn beträgt meine Müdigkeit elf"), schon ein paarmal aufblitzen. Und die Physis? Othmann misst 1,80 Meter und bringt 75 Kilogramm auf die Waage. Die kanadischen Juniorenligen bewegen sich punkto Intensität sowieso auf einem hohen Niveau, schon nur angesichts der kleineren Spielfelder. Der erste krachende Check des Jünglings liess auch nicht lange auf sich warten.

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Ob dieses Experiment am Ende glückt? Viel zu verlieren hat der EHCO diesbezüglich nicht. «Nützt es nichts, so schadet es nichts», ist hier das Motto. Die Investition und auch das Risiko ist klein, der potenzielle Ertrag dafür umso grösser, wenn sich Othmann vielleicht sogar als überraschende Verstärkung in der Not erweist.

Der zweite Jüngling durfte nicht ausreisen

Eigentlich wäre sogar die Verpfichtung eines weiteren Top-Draftkandidaten geplant gewesen. Mason McTavish, der Sohn des langjährigen Rappi-, Zug- und ZSC-Ausländers Dale McTavish, stand zusammen mit Othmann schon in Montreal bereit zum Abflug Richtung Schweiz, als die Behörden "Njet" sagten. Im Gegensatz zu Othmann besitzt McTavish keinen Schweizer Pass und durfte deshalb nicht aus Kanada in die Schweiz einreisen. McTavish hat aber seine erste Spielerlizenz in der Schweiz gelöst, weshalb auch er das Ausländerkontingent nicht belastet hätte. Sollte sich die epidemiologische Lage bessern, dann könnte McTavish immer noch nachrücken. Stand jetzt, rechnet man in Olten aber nicht mit ihm.

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