Marc Grieder, Sie haben bei Chris Bartolone Ihr erstes Kündigungsgespräch als Sportchef führen müssen. Wie war das für Sie?

Marc Grieder: Es ist ja keine Kündigung im klassischen Sinne. Wir verlängern einfach den Vertrag nicht. Aber klar – uns verbindet einiges. Wir haben insgesamt drei Jahre in unterschiedlichen Rollen zusammengearbeitet. Ich schätze Chris sehr als Person – sowohl als ich selber noch gespielt habe als auch als Sportchef. Er war unglaublich engagiert, hat sich quasi Tag und Nacht für diesen Job aufgeopfert. Darum war die Überbringung dieses für ihn negativen Bescheids nicht ganz so einfach.

Woran ist er letztlich gescheitert?

Es ist ja nicht so, dass wir eine schlechte Saison gespielt haben. Zwischendurch konnte die Mannschaft durchaus überzeugen. Aber der letzte Schritt hat uns ganz einfach gefehlt.

Wie hat Chris Bartolone selber reagiert? Schliesslich war eine Vertragsverlängerung ja lange Zeit nicht ausgeschlossen.

Ich habe von Anfang an ihm gegenüber mit offenen Karten gespielt. Es war immer klar, dass die Trainerpersonalie nach der Saison diskutiert wird und nicht während der laufenden Meisterschaft. Ich wollte mir diesbezüglich alle Türen offen halten.

Wie sieht das Profil des neuen Trainers aus? Wonach suchen Sie?

Durch die Verjüngung, die in unserer Mannschaft stattfindet, sollte der neue Mann sicher ein guter Ausbildner sein. Wir werden sicher kein klassischer Ausbildungsverein, aber jeder Spieler muss bereit sein, nochmal einen Schritt zu machen. Das ist aber nicht nur die Aufgabe des Trainers. Jeder Spieler sollte von Anfang an mit dieser Einstellung auftreten. In jedem Training, in jedem Match. Gleichzeitig will ich einen Mann, der das von den Spielern auch einfordern kann. Dazu gehören auch der Umgang zwischen Jung und Alt, der Umgang mit Sieg oder Niederlage und mit Kritik. Unter dem Strich müssen wir einen Schritt vorwärtsmachen. Wir haben uns gefühlt jetzt jahrelang etwas im Kreis gedreht. Aus diesem Trott müssen wir rauskommen. Es braucht frischen Wind.

Apropos frischer Wind: Es hat in der Mannschaft ein paar Spieler der Sorte «Altlast». Das erschwert den angestrebten Wandel eher. . .

Es wird jeder Spieler hinterfragt, auch solche mit weiterlaufenden Verträgen. Wir haben Leistungsträger, die nicht das gebracht haben, was man erwarten durfte. Da muss man offen und ehrlich sein und mögliche Konsequenzen in Betracht ziehen.

Aber diese Konsequenzen sind ja oft schwierig in der Umsetzung.

Es geht doch darum, dass man offen miteinander diskutiert, wenn es ein Problem gibt. Und bei einem Problem gibt es auch oft eine Lösung. Ich will keine Spieler, die einfach so hier sind. Das will niemand.

Thema Ausländer: Wie haben Cason Hohmann und Bryce Gervais reagiert, als Sie ihnen mitteilten, dass Sie die Option auf eine Vertragsverlängerung nicht einlösen?

Grundsätzlich waren beide Spieler sehr dankbar, dass sie die Chance erhielten, sich in der Schweiz auf diesem Niveau zu bewähren. Auch hier war von Anfang an klar, dass erst nach den Playoffs Bilanz gezogen und eine Entscheidung gefällt wird.

Weshalb müssen nun gleich beide gehen? Gerade im Fall von Hohmann ein eher überraschender Entscheid.

In der Halbfinalserie haben wir von unseren Söldner mehr erwartet. Beide waren sehr engagiert. Gerade Bryce hat immer alles gegeben auf dem Eis. Sein Charakter ist lobenswert. Aber er konnte schlicht seine Chancen nicht verwerten. Cason hat seine Skorerpunkte gesammelt, er hatte einen grossen Anteil an unserem starken offensiven Output. Aber ich war nicht immer zufrieden mit ihm punkto Konstanz. Gerade in der Halbfinalserie gegen Langenthal ist er immer wieder aufgelaufen und wurde auch sehr berechenbar. Und wenn man dann nicht bereit ist, trotz zahlreicher Inputs aus dem Coaching-Staff, gewisse Dinge zu ändern, dann liefert man wenig Argumente für eine weitere Zusammenarbeit.

Cason Hohmann muss etwas überraschend gehen

Cason Hohmann muss etwas überraschend gehen

Trotzdem: Den Vertrag mit einem Spieler, der über 70 Skorerpunkte gesammelt hat, nicht zu verlängern, ist ein Risiko.

Natürlich ist das ein Risiko. Aber ich bin der Meinung, dass man Spieler findet, die ähnliche Qualitäten mitbringen, aber viel mehr den Abschluss suchen. Ich stehe hinter dem Entscheid und übernehme die Verantwortung.

Welche Qualitäten sollte der neue ausländische, rechte Flügelstürmer, den Sie suchen, mitbringen?

Ich tendiere auf jeden Fall zu einem jüngeren Spieler. Ich wünsche mir, dass er einen guten Schuss, viel Zug aufs gegnerische Tor aber auch das Auge für den Mitspieler hat. Defensives Verantwortungsbewusstsein und Mannschaftsdienlichkeit gehören auch dazu. Und in diesem Zusammenhang ganz wichtig: Der Charakter muss stimmen.

Das wäre also eine kaltblütigere Version von Bryce Gervais.

Ja, das könnte man so zusammenfassen.

Liess an der Kaltblütigkeit im Abschluss zu wünschen übrig, war aber charakterlich top: Bryce Gervais

Liess an der Kaltblütigkeit im Abschluss zu wünschen übrig, war aber charakterlich top: Bryce Gervais

Die Pressekonferenz des EHC Olten nach dem vorzeitigen Saisonende im Playoff-Halbfinal gegen Langenthal