Saisonanalyse

EHCO-Sportchef Marc Grieder: «Die Zielsetzung Playoff-Final war mit diesem Team absolut gerechtfertigt»

Der EHC Olten scheiterte im Viertelfinal - das Team hätte anhand der Qualitäten in den Playofffinal gehört, ist sich Sportchef Marc Grieder sicher.

Der EHC Olten scheiterte im Viertelfinal - das Team hätte anhand der Qualitäten in den Playofffinal gehört, ist sich Sportchef Marc Grieder sicher.

Sportchef Marc Grieder über selbstkritische Spieler, hohe Zielsetzungen, Druck in den Playoffs - und die Strategie von B-Lizenzspielern. Grieder sagt: «Die Mannschaft hat bis zum Schluss als Einheit funktioniert.»

Marc Grieder, was konnten Sie in den letzten Tagen für Erkenntnisse gewinnen?

Marc Grieder: Es sind nach dieser kurzen Zeit noch nicht alle Gespräche mit den Spielern geführt. Es ist klar, die Enttäuschung ist bei allen Beteiligten gross. Jeder Spieler hätte von sich mehr erwartet. Die Spieler sind sehr selbstkritisch, und wollen Verantwortung übernehmen.

Die Spieler reagieren selbstkritisch - worauf basiert denn das Scheitern?

Es ist ein Stück weit unerklärlich. Wir sind topvorbereitet in die Playoffs gestartet, alle waren gesund mit an Bord, das Selbstvertrauen war da. Doch dann hat es eine mentale Blockade gegeben, einige sagten, sie hätten dann nicht mehr frei aufspielen können und fanden nicht mehr aus dieser Blockade heraus. Wir sind uns einig: Wir haben die Playoffs nicht wegen eines Systemmangels verloren, wir haben uns schlicht zu viele individuelle Fehler geleistet. Es ist unerklärlich, wie wir Dinge über 44 Qualifikationsspiele solide bis sehr gut machen können, die dann aber plötzlich nicht mehr abgerufen werden können. Es fehlte an Leidenschaft und Disziplin.

Exemplarisch dafür stand der Check gegen Horansky im Geisterspiel: Niemand rächte sich an Täter Rüegsegger.

Ich habe mich mit den Spielern, die auf dem Eis standen, darüber unterhalten. Sie haben mir gesagt, dass sie davon ausgingen, dass diese Szene ohnehin eine Disziplinarstrafe mit sich bringt. Und weil wir im Spiel drin waren, wollten sie keine eigene Strafe riskieren. Vielleicht hätte es nachträglich eine Reaktion gebraucht, so wie dies Maurer tat nach einem Check gegen den Kopf von Knelsen. Dass das Foul gegen Horansky nicht als Check gegen den Kopf oder als zu später Check gewertet wurde, erstaunt mich selber sehr.

Ausgerechnet in den Playoffs blieben Herz und Leidenschaft auf der Strecke. Wie ist das bloss möglich?

Wir hatten einen schwierigen Saisonstart. Als Kritik aufkam, konnten wir rechtzeitig Anpassungen vollziehen. Wir gewannen dann aus 19 Spielen 17 Mal – vielleicht ging das alles etwas zu einfach. Ging es hart auf hart, sprang immer einer in die Bresche, mal waren es die Torhüter, mal die Ausländer, mal die absoluten Leader im Team. In den Playoffs war das nicht mehr der Fall. Ich bin überzeugt: Kein einziger Spieler wollte sich verstecken, man wollte diese Ziele wirklich erreichen. Wir konnten schlicht nicht unsere Leistungen abrufen. Warum man nicht am Steigerungslauf der Qualifikation ansetzte und den letzten Willen nicht auf das Eis bringen konnte, ist uns allen soweit ein Rätsel.

Hatte die Mannschaft zu wenig «Playoff-Spieler»?

Die Mannschaft hat bis zum Schluss als Einheit funktioniert – und funktioniert auch jetzt noch. Es hat nie einen Zwist gegeben, vielleicht muss man rückblickend gestehen, dass man in der Regular Season zu lieb miteinander war. Man hat zu wenig versucht, kritische Aspekte anzusprechen, vielleicht mit dem Finger mal etwas mehr auf den anderen zu zeigen, der etwas nicht erfüllt oder verfolgt. Wir hätten härter miteinander ins Gericht gehen müssen. Aber es ist verständlich, dass es nicht einfach ist, Kritikpunkte anzumerken, wenn man dann 17 von 19 Spielen gewinnt. Dabei sollte faire und konstruktive Kritik immer möglich sein, um gemeinsam voranzukommen.

Der Druck nahm mit Beginn der Playoffs spürbar zu. Waren die Spieler diesem nicht gewachsen?

Was heisst Druck? Der Druck kam weder vom Verwaltungsrat, noch von den Fans, den Coaches oder mir. Es ist klar, dass man eine gewisse Erwartungshaltung haben darf, aber es war nicht so, dass wir den Spielern das Messer an den Hals gehalten und sie zu etwas gezwungen hätten.

Der Playoff-Final ist ein hoch angesetztes Ziel. Man konnte nur verlieren.

Ja, das Ziel war hoch angesetzt. Aber mal ehrlich: Man muss sich die Ziele hoch stecken, wir wollen vorwärtskommen, wir wollen ein erfolgreiches Produkt anbieten. Stellen Sie sich vor, wir würden sagen: Wir schauen mal von Spiel zu Spiel und sehen dann, was in den Playoffs drinliegt. Das wäre nicht nur unsportlich, sondern auch unprofessionell.

Trotzdem: War das Ziel rückblickend zu hoch angesetzt?

Wir peilen ein Saisonziel ja nicht nach Gutdünken an. Wir setzen uns damit auseinander und schauen, was anhand der Ausgangslage, der Konkurrenz und den eigenen Qualitäten möglich ist. Und dann muss ich ehrlich sein: Ich finde die Zielsetzung Playoff-Final war mit diesem Team absolut gerechtfertigt. Das zeigen auch die Fakten: Wir hatten Imports, die zu den Besten der Liga gehören. Wir hatten mit Rytz und Rouiller die offensiv besten Verteidiger in unseren Reihen, wir hatten zwei starke Torhüter, wovon einer unter den Top 3 war. Wir hatten junge Spieler, die funktionierten. Wir hatten eine ersichtliche, gesunde Hierarchie. All das sollte ein Team stark machen.

Einige Spieler wussten, dass sie nächste Saison nicht mehr in Olten spielen. Der Vorwurf kam auf, sie wären mental nicht mehr dabei gewesen. Wie entgegnen Sie dem Problem, dass sich auch diese Spieler bis zur letzten Sekunde für den aktuellen Arbeitgeber zerreissen?

Ich mag mich erinnern: Torhüter Genoni unterschrieb einen Fünfjahres-Vertrag in Zug und wurde im gleichen Jahr mit Bern noch Meister. Schlussendlich spielen alle professionell Eishockey. Es darf erwartet werden, dass alle die korrekte Einstellung haben. Ich gebe Ihnen Recht, dass eben teilweise genau diese Spieler die Leistungen nicht mehr abrufen konnten, man könnte es ihnen unterstellen. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ihnen alles egal gewesen wäre. Auch sie wollten die Ziele erreichen.

Eine Frage brennt vielen unter den Nägeln: Woran liegts, dass EHCO-Abgänger wie etwa Mäder, Huber oder Muller bei der Konkurrenz funktionieren, nicht aber hier in Olten?

Es ist ja nicht so, dass alle Spieler ihr absolutes Topniveau abrufen würden, sobald sie weg sind vom EHC Olten. Man mag nun anhand dieser drei Spieler dieses Gefühl entwickeln. Ja, sie waren sehr gut, bevor sie hierhin kamen, hier waren sie durchschnittlich und nun sind sie wieder gut.

Aber was ist es, eine Mentalitätsfrage? Was macht es aus, dass solche Spieler den Knopf öffnen, sobald sie weg sind?

(verwirft die Hände) Wenn ich es wüsste, dann wäre ich wohl längst General Manager der New York Rangers. Im Ernst: Ich habe nicht das Gefühl, dass es die Mentalität ist. Es ist schwierig, darauf eine Antwort zu finden. Wir sind ja nicht verkrampft, weil wir im Kleinholz spielen. Vielleicht ist es so, dass in Zeiten von Social Media sich die Spieler in einem kritischen Umfeld stärker unter Druck setzen lassen und sie das vielleicht völlig unbewusst hemmt. Ich weiss es nicht.

Sie sind ein Gegner von B-Lizenz-Spielern, die zwischen Stammklub und Ausleiheklub hin und her geschoben werden können. Ironie des Schicksals: Es war Langenthals Erfolgsmodell.

Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass man sie nie komplett einbinden kann ins Team, weil sie vielleicht am einen Tag bei uns trainieren, dann aber am Folgetag beim Stammklub gebraucht werden. Da ist es schwierig, vor allem auch als Coach, ein Gerüst rund um das Team zu bauen. Wir versuchen weiterhin, auf Spieler mit B-Lizenzen zu setzen, die über die komplette Saison hier sind und fest als Teil des Teams eingebunden werden können. Die Beispiele Salzgeber und Weibel haben gezeigt, dass es möglich ist. Ob uns dies auch zukünftig gelingt, werden wir sehen. Langenthal hatte nun das Glück, dass sie auch in den Playoffs auf Rüegsegger und Bircher setzen konnten.

Man wird weiter sparen müssen. Wird sich der EHC Olten noch stärker zu einem Team entwickeln, das als Sprungbrett für Nachwuchsspieler dient?

Ich möchte zu Budgetfragen keine Stellung beziehen. Ich versuche als Sportchef mit den vorhandenen Mitteln das Maximum herauszuholen. Wir möchten junge Spieler weiterentwickeln und wir wissen alle, wie das Business läuft: Spielt jemand auf einem höheren Niveau, dann wird es schwierig, diese Spieler halten zu können. Wir haben auch bei Horansky mit allen möglichen Mitteln versucht, ihn zu halten. Dann spielt aber nicht nur das Geld eine Rolle, sondern auch die Chance, in der National League spielen zu können, da ziehen wir den Kürzeren. Aber ich denke, mit Carbis haben wir einen arrivierten Spieler geholt, der den Gegenspielern unter die Haut gehen kann.

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