Eishockey 3. Liga

Die Pizzen zur Feier des 21. Sieges in Serie kamen pünktlich

Die Dusche muss warten. Zuerst gilt der Fokus nach dem Spiel der Nahrungsaufnahme.

Die Dusche muss warten. Zuerst gilt der Fokus nach dem Spiel der Nahrungsaufnahme.

2018 war der EHC Zuchwil Regio Meister der 1. Liga Zentralschweiz und spielte in der Meisterrunde vor knapp 2000 Zuschauern gegen Sierre. Nach dem freiwilligen Rückzug befindet sich der Klub wieder auf dem Weg nach oben und strebt den zweiten Aufstieg in Folge an.

Samstagabend, 18.10 Uhr in den Katakomben des Sportzentrums Zuchwil. Der Geruch, der in der Luft hängt, erinnert an eine ­Garderobe im Skilager mit den verschwitzten Klamotten vom Vortag drin. In der Kabine des Gastgebers mischt sich das Aroma von Perskindol dazu.

In fünf Minuten ist Besammlung, die Spieler tröpfeln nach und nach ein. Vor der ­Garderobe  bereitet Betreuer Hansruedi ­Siegenthaler Früchte, Kuchen und weitere Verköstigungen für die Mannschaft vor.

Derweil besprechen Trainer Bruno Hebeisen und Sportchef Marc Pfister in der Trainer-Garderobe Taktik und Aufstellung. Zwei Torhüter und 16 Feldspieler sind im Aufgebot. Kurz nach halb sieben begeben sich die Verantwortlichen zu den Spielern und präsentieren ihnen die Aufstellung.

«Lauft euch gut ein, ich will keine Zerrungen», mahnt Hebeisen und schickt die Spieler mit einem «Come on Boys» ins individuelle Auf­wärmen, das vorwiegend aus Jonglieren mit dem Fussball und Joggen besteht.

Trainer Bruno Hebeisen verkündet die Aufstellung für das Spiel.

Trainer Bruno Hebeisen verkündet die Aufstellung für das Spiel.

Der Staff führt uns ins Reich von Peter Neuhaus. Im Waschraum wird erst nach dem Spiel Hochbetrieb herrschen, der Materialverwalter ist ein paar Türen ­weiter am Schleifen. Das Fachsimpeln geht los. Seit sechs ­Jahren schwört Neuhaus auf den trapezförmigen Schliff der ­Kufen.

«Zwei Mal in 14 Tagen sollte der Schlittschuh ge­schliffen werden», sagt der Sportchef. «Nach etwa fünf, sechs Einheiten», findet Trainer Hebeisen. Neuhaus präsentiert sein riesiges Ersatzteillager und Trikots, die fein säuberlich aufgehängt sind. «Wenn ich irgendetwas an den falschen Platz zurücklege, gibts einen riesen ZS», sagt Hebeisen lachend und fügt, wieder ernst, an: «Wir sind sehr froh, dass wir ‹Pesche› haben. Er wird erst um halb drei in der Nacht fertig sein mit seiner Arbeit.»

Die Zeit drängt, um 19 Uhr findet im «Beizli» der jährliche Apéro für die Sponsoren statt. Ein Blick in den eher rustikalen Kraftraum liegt aber noch drin. «Markus Portmann ist unser ­Fitness-Coach», sagt Hebeisen. «Er ist auch für den Aufbau im Sommer verantwortlich. Wahnsinn, was er für den Klub gratis macht.»

Weiter gehts Richtung Restaurant. Der Weg führt vorbei an der Garderobe des ­Gegners. Die Trainer grüssen sich herzlich, die Stimmung ist gelöst, es fallen einige Sprüche. 

Der zweite Aufstieg in Folge soll her – und der Cup

Vizepräsidentin Brigitte Ulrich schenkt beim Sponsoren-Apéro gleich selbst ein.

Vizepräsidentin Brigitte Ulrich schenkt beim Sponsoren-Apéro gleich selbst ein.

Der Apéro startet pünktlich mit der Begrüssung durch Vize­präsidentin Brigitte Ulrich. Es habe sich einiges verändert in diesem Jahr, spricht sie den Tod ihres Mannes Walter Ulrich an, der über 20 Jahre Präsident des Vereins war.

Sie berichtet, wie sie sich nur zwei Tage nach dem Schicksalsschlag vor das Team gestellt habe: «Loset, es goht wiiter». Ihr Mann hätte dies so gewollt. Stolz präsentiert sie abschliessend die Resultate der ersten Mannschaft: «Wir haben letzte Saison den Aufstieg in die 3. Liga geschafft. Heute ist das letzte Vorrundenspiel der neuen Saison. Das Ziel ist ganz klar der Aufstieg in die 2. Liga.»

Die Reihe ist am Trainer. Er dankt den Sponsoren, ohne die es den EHCZR nicht mehr ­geben würde. Weiter berichtet er, dass er mit einem 23-Mann-­Kader in die Mission Aufstieg gestiegen sei. «Stand heute ­haben wir vier Verletzte; ­Hirnerschütterung, Knie- und Adduktorenprobleme, das ­Übliche.»

Hebeisen bestätigt das formulierte Saisonziel und ergänzt: «Wir wollen zudem den Kantonalcup gewinnen. Zwei Runden haben wir überstanden. Es folgen die Achtelfinals.» Es seien hohe Ziele, «aber ein Klub mit einer solchen Infrastruktur muss diese Ziele haben».

Stephan Grossenbacher, der Nachwuchschef, informiert danach über die Situation bei den Junioren. «Nur bei den ganz Kleinen geht es ohne Unter­stützung von anderen Klubs», erklärt er. Auf den höheren Nachwuchsstufen gibt es bereits und werden weitere Partnerschaften mit Olten, Lyss, Biel oder Münchenbuchsee geplant.

Ohne zu zittern, aber Kaugummi kauend zum 4:0

Hebeisen hat sich bereits vor der Rede des Nachwuchschefs abgesetzt, um sein Team aufs Spiel einzuschwören. Knapp fünf Minuten vor Spielbeginn schaffen auch wir es an die Bande. Beide Equipen laufen sich auf dem Eis ein. Im Gegensatz zu den Profis kehren sie vor dem Puckeinwurf nicht mehr in die Garderobe zurück. Es geht sofort los.

Gegen den Tabellendritten Burgdorf II bekundete «Zuchu» etwas mehr Mühe als erwartet, um den siebten Sieg im siebten Spiel einzutüten. 80 Sekunden vor dem Ende des Startdrittels eröffnete das Heimteam das Skore.

Natürlich durch Marco Dick, der letzte Saison pro Spiel fünf Punkte buchte und bereits wieder der Topskorer der Liga ist. «Zittern musste ich nicht», wird Hebeisen hinterher sagen. «Mir war klar, dass es läuft, sobald wir das erste Tor erzielen.» Tatsächlich realisieren seine Jungs gut dreissig Sekunden ­später den Doppelschlag.

Auch im torlosen Mittel­drittel steht Hebeisen ruhig und konzentriert an der Bande, die Hände in den Hosentaschen und ein Kaugummi im Mund. In der zweiten Pause bleibt er noch einen Moment auf der Bank ­sitzen, macht sich Notizen und bespricht sich mit Statistiker René Dahinden, bevor er zu den Spielern in die Garderobe schreitet.

Nach 36 Sekunden fällt im letzten Drittel die Entscheidung. Hebeisen bleibt auch nach dem dritten Treffer cool und klatscht dem Torschützen herzlich auf den Kopf. «Noch zehn Minuten! Gebt Vollgas», fordert er wenig später und sein Team erhöht auf 4:0. Sein Fazit zum Spiel: «Im Grossen und Ganzen bin ich zufrieden, drei weiter Punkte sind im Trockenen.»

Es geht zurück in die Kabine, wo sich die Spieler ihrer Trikots entledigt haben. Gut, steht zur Abkühlung eine Harasse Bier bereit. Und zur Feier des 21. Siegs in Folge – Zuchwil ist mittlerweile seit über 600 ­Tagen ungeschlagen. Auch der Lieferservice ist pünktlich und stellt ein halbes Dutzend Pizzen auf den Massagetisch. Was für ein herrlicher Duft. 

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Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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