Man müsse nicht den Anspruch haben, «die Welt abschiessen zu wollen», sagte Trainer Chris Bartolone am Montagmorgen nach einem einberufenen Teammeeting, in welchem nach einem Wochenende mit zwei Niederlagen vor allem Video-Studium nicht zu kurz gekommen ist. Doch genau dies tut der EHC Olten gestern Abend auf fremdem Eis: Die Powermäuse schiessen die GCK-Welt 11:0 ab und machen dabei bis auf ein Haar sogar noch das ganze Dutzend voll.

Chris Bartolone noch einmal auf sein eigenes Zitat angesprochen, meinte er mit einem Lachen auf den Stockzähnen: «So kann Eishockey sein. Unsere Besprechung war sehr gut. Ich bin nun mal ein Coach, der Probleme ausdiskutiert haben will. Ich mag nicht, wenn man Unstimmigkeiten mit sich herumträgt», sagte der EHCO-Trainer nach dem 11:0-Kracher ganz harmoniesüchtig.

Im Zentrum dieses beeindruckenden Sieges standen beim EHCO nicht einmal die elf Treffer. Viel mehr wurde nach der Partie vor allem die Teamleistung in der Defensive hervorgestrichen. Torhüter Matthias Mischler verbrachte keinen einfachen Abend. Er wurde nicht regelmässig gefordert, was es schwierig für ihn machte, überhaupt ins Spiel zu finden. Doch selbst als der EHCO vor allem im Schlussdrittel defensiv mehr zuliess, hiess es bei Mischler stets Endstation. Und er zeichnete sich teilweise mit mirakulösen Paraden aus, mal mit dem Beinschoner auf der Linie, mal mit dem Unterarm unmittelbar vor der Torlinie.

Am Ehrentreffer stand GCK-Verteidiger Roger Karrer am Nächsten, der in Überzahl aber nur den Pfosten traf (41.). Es war dem EHCO in der Folge wieder etwas verstärkt anzumerken, dass Mischlers erster Saison-Shutout auch dem Kollektiv besonders wichtig war.

Offensive Kunst bewiesen

Und offensiv? Da brillierte der EHC Olten mit Geschwindigkeit, hoher Passqualität, Spielintelligenz und Spielwitz. Kurzum: Die Oltner haben offensive Kunst bewiesen.

«Es hat Spass gemacht. Egal, was man beabsichtigte zu spielen, es hatte funktioniert. Heute waren wir von Beginn an präsent und wurden auch damit belohnt, dass fast jede Scheibe rein ging. Wir wollten eine Reaktion auf das schlechte Wochenende zeigen. Das ist uns gelungen», bilanzierte Stan Horansky. Der EHCO-Stürmer wurde mit drei Toren und einem Assist zum Oltner Mann des Spiels gewählt. Was man kaum glauben mag: Es ist sein erster Hattrick in seiner Profi-Karriere. «Ein schönes Gefühl», sagt er und vergisst dabei nicht, auch seine Teamkollegen zu loben. Er wisse ausserdem nicht, wann er letztmals 11:0 gewonnen habe. «Es muss zu Novizen-Zeiten gewesen sein», sagt er schmunzelnd.

Horansky war es denn auch, der nach nur 42 Sekunden das Skore eröffnete. Ulmer, Schwarzenbach und Huber erhöhten auf 4:0. Zum Ärger von GCK-Trainer Leo Schumacher. Er zog das Timeout und versuchte mit einem Torhüterwechsel von Guntern auf Zürrer, seine Junglöwen zu wecken. Doch der GCK-Ersatztorhüter hatte kaum einen Moment Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen, lag die Scheibe mit dem ersten EHCO-Schuss auf ihn schon wieder im Tor. 5:0 hiess es und gespielt waren gerade mal 14 Minuten.

EHCO-Powerplay umgestellt

Selbst das in den letzten Spielen wenig bis gar nicht funktionierende Überzahlspiel wurde mit der ersten Möglichkeit der Partie erfolgreich abgeschlossen. Wyss hatte auf sehenswerten Hohmann-Pass getroffen. Ganz grundsätzlich hatte Trainer Chris Bartolone etwas am Powerplay herumgeschraubt - oder zumindest ausprobiert: Die ersten beiden Überzahllinien stellte er mit vier Stürmern und einem Verteidiger zusammen. Ob er auch in den kommenden Spielen daran festhalten wolle, wisse er nicht. «Es müssen alle bereit sein, Powerplay spielen zu können», meinte Bartolone lakonisch.

Schliesslich setzte Gervais nach einer verpatzten 5:3-Situation zur Einzelleistung an und erhöhte auf 7:0. Nach dem 8:0 (Schirjajew) und 9:0 (Horansky) nahm der EHCO etwas den Fuss vom offensiven Gaspedal und legte vermehrt den Fokus auf die Defensivarbeit.

EHC Olten wieder Leader

Was aber nicht zu bedeuten hatte, dass sich niemand für das Stängeli verantwortlich zeichnen wollte: Martin Ulmer gebührte das spezielle Tor. Und schliesslich schloss Stan Horansky (auf einen schönen Pass von Lüthi) den Kreis aller Tore an diesem speziellen Abend zum 11:0.

Mit diesem Sieg klassiert sich der EHC Olten wieder als Leader. Zumindest bis heute Mittwochabend. Dann duellieren sich im Mittwochspiel die EVZ Academy und La Chaux-de-Fonds.

Bartolone: «Mir hat gefallen, wie das Team über 60 Minuten fokussiert war und trotz Resultat konzentriert blieb. Ich schaue positiv den letzten sechs Spielen entgegen.» 

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