Rücktritt

Der stille Abschied der Unihockey-Legende Matthias Hofbauer

Mit seinem Klub Wiler-Ersigen stemmte Matthias Hofbauer zehnmal den Meisterpokal in die Höhe

Mit seinem Klub Wiler-Ersigen stemmte Matthias Hofbauer zehnmal den Meisterpokal in die Höhe

Eine Legende tritt ab: Matthias Hofbauer erklärt nach 23 Jahren (!) Unihockey auf höchstem Niveau seinen Rücktritt. Es ist – dem Corona-Virus geschuldet – ein Abgang durch die Hintertür.

Der bald 38-Jährige hat seit seinem NLA-Debüt in der Saison 1997/98 unzählige Titel gesammelt, Rekordmarken gesetzt und steht für die Erfolge des Rekordmeisters SV Wiler-Ersigen, mit welchem er alleine zehn Schweizer-Meister-Titel feierte und dem er – mit Ausnahme eines Abstechers nach Schweden – immer treu blieb.

Topskorer und Leaderfigur, das war er in seiner Karriere von Beginn an, jahrelang Captain bei seinem Stammverein und in der Nationalmannschaft. Im zarten Alter von 16 Jahren debütierte «Mäthu» in der NLA-Equipe, beim damaligen Aufsteiger Wiler-Ersigen. Den ersten Treffer erzielte er im dritten Spiel in der Militärhalle Bülach gegen die Hornets Bülach. Über 500 weitere sollten folgen, und Matthias Hofbauer wurde zum Inbegriff für den SV Wiler-Ersigen und den Schweizer Unihockeysport.

Der Bätterkinder aus dem «Zälgli-Buebe-Quartier» war es auch, der als erster Unihockeyspieler als Studiogast im Schweizer Fernsehen auftrat, als bisher einziger Unihockeyspieler zum Superzehnkampf eingeladen wurde. Natürlich erzielte er auch den ersten Treffer bei der erstmaligen Austragung des Superfinals. Das war 2015, 18 Jahre nach seinem ersten NLA-Spiel, und alles andere als selbstverständlich.

Immer wieder angepasst

Dass er sich so lange an der Spitze halten konnte, bedingte nämlich, dass er seinen Spielstil während seiner Karriere ungefähr dreimal adaptieren musste. «Sonst wäre ich weg vom Fenster gewesen. Vom Grundsatz her versuchte ich aber immer möglichst einfach und effizient zu spielen.» Und natürlich mit Leidenschaft. «Wäre es nur um die Spiele gegangen, ich hätte noch lange weitergemacht, denn ich spiele noch so gerne Unihockey wie am ersten Tag als Junior.» Andererseits spüre er doch auch eine gewisse Müdigkeit.

So sei es ihm immer schwerer gefallen, sich gut auf die Trainings vorzubereiten, «die einen bei Wiler halt immer viel abverlangen, da war es schon nicht leicht, am Abend immer bereit zu sein.»
Was ihm denn am meisten fehlen werde in der Zeit nach der Karriere: «Der Groove in der Garderobe, als Team etwas Grosses zu erreichen, den man beim SVWE immer gespürt hat. Dazu das Adrenalin und die Anspannung vor wichtigen Spielen, die ausgelassene Stimmung, wenn diese Spiele auch gewonnen werden konnten. Das sind schon extreme, unbeschreibliche Gefühlsschwankungen.»

Geholfen hat Hofbauer sicherlich auch der Umstand, dass er fast nie verletzt war. «Einerseits habe ich sicherlich eine gute Grundvoraussetzung mitgenommen, dann habe ich aber auch in jungen Jahren immer trainiert, auch wenn ich mit Kollegen in den Ferien war. Und mit zunehmendem Alter musste ich sowieso mehr investieren als andere.»

"Es steckt viel Arbeit dahinter"

Nun fällt diese Last weg und Matthias Hofbauer kann sich anderen Dingen widmen. Die Familie und die berufliche Situation stehen da natürlich im Vordergrund, aber so richtig wissen, was er mit der freien Zeit machen werde, tut er noch nicht. Auch das Trainersein kann er sich mittlerweile vorstellen.
«Es ist in all den Jahren fast selbstverständlich gewesen, dass der SVWE einen Titel nach dem anderen holt, dabei gab es ja auch die beiden Saisons, wo wir im Viertelfinal ausschieden. Da brauchte es enorme Anstrengungen, dass Wiler ein Spitzenteam bleiben konnte und aktuell immer noch die Nummer 1 im Land ist. Da sollte man nie vergessen, wie viel Arbeit dahintersteckt, weil auch die Konkurrenz nie geschlafen habe – ich denke, das Team, der Verein und das Umfeld haben Unglaubliches geleistet und erreicht, und darauf können wir stolz sein und es nicht als selbstverständlich nehmen.»

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