«Es ist Zeit für einen Heimsieg», schreibt der EHC Olten im Matchheft zum Playoffspiel Nummer drei. Und die EHCO-Spieler folgten dieser Aufforderung in bestechender Manier.

Die 5011 Zuschauer bekamen den EHC Olten zu sehen, wie sie ihn am liebsten sehen wollen: Diszipliniert und kompakt in der Defensive, aggressiv und aufsässig in der Offensive. Dazu eine unterhaltende Prise Spielwitz.

Das Fazit: Der EHC Olten geht mit einem mehr als soliden 4:1-Sieg, und damit einer 2:1-Führung in der Serie, erhobenen Hauptes am Sonntag ins Spiel vier in Weinfelden (17.30 Uhr).

Bereits zum Start vermochte der EHC Olten zu überzeugen und zog eines seiner besten Startdrittel der laufenden Saison ein. Die Oltner waren ab dem ersten Puckeinwurf präsent und Herr der Lage.

Und sie erspielten sich Chancen zuhauf: Erst kam Lüthi im Slot nach einem Haas-Pass zum Abschluss (7.), worauf fast jeder EHCO-Stürmer stets nach ansehnlichen Zuspielen zum Torschuss kam: Ulmer auf Sharp (8.), Muller auf Mäder (9.), Sharp auf Ulmer (11.), Schneuwly auf Hirt (13.).

Und dennoch: Tore wollten nicht fallen, obwohl der Aufwand der Oltner riesig war. Was den EHCO in dieser Saison oftmals auseinanderfallen liess, war gestern nicht der Fall. Und Verzweiflung war den Spielern erst recht nicht anzusehen. Viel mehr spürten sie, dass Geduld gefragt war.

«Es ist im zweiten Drittel am vergangenen Dienstag etwas passiert, was die Mannschaft zusammenrücken liess. Es ging ein Ruck durch das Team und der Glaube an den Erfolg kam zurück», sagte Chris Bartolone gestern sichtlich erfreut (Anm.d.R.: Der EHCO gewann dieses angesprochene Mitteldrittel 4:1). Der EHCO-Trainer ergänzt: «Und jetzt bin ich überglücklich, wie wir über 60 Minuten hinweg fokussiert waren.»

Die Belohnung nach Spielhälfte

Die Gäste wurden ihrerseits lediglich mit Konterchancen gefährlich, die vor allem Thurgaus Powerlinie um Descheneau, Braes und Andersons verzeichneten. Die hohe Laufbereitschaft der Oltner zog aber auch Strafen mit sich. Dem Bartolone-Team ist jedoch ebenso gutzuhalten, dass man nach erfolgreicher Abwehr dieser Unterzahlsituationen umgehend wieder den Tritt fand und nach vorne spielte.

Es war schliesslich Cyrill Aeschlimann, der bei Spielhälfte eine dieser gefährlichen Zweiminutenstrafen soeben abgesessen hatte, als der EHCO endlich belohnt wurde: Geburtstagskind Jay McClement schoss die Scheibe flach aufs Tor, vor welchem EHCO-Stürmer Remo Hirt goldrichtig stand und die Scheibe zur 1:0-Führung ablenkte (31.).

Der EHCO war nach dieser Führung längst nicht gesättigt und powerte weiter – ebenfalls eine Eigenschaft, wonach das Team vor Wochen suchte. Es war Stan Horansky, der die knappe Führung fünf Minuten später – freistehend zentral vor dem Tor – auf 2:0 ausbaute.

Schliesslich zelebrierte der EHCO in den letzten 20 Minuten in der Offensive in den letzten Wochen nie gesehene Eishockeykunst: Erst täuschte Lukas Haas einen Schuss an, spielte aber einen überragenden Pass in den Lauf von Jewgeni Schirjajew, der Thurgau-Torhüter Schwendener aussteigen liess (50.).

Und nur 38 Sekunden später erhöhte Verteidiger Anthony Rouiller in bester Stürmermanier. Dieser Vorstoss des Oltner Verteidigungs-Dirigenten war möglich geworden, weil die Hintermannschaft überaus kompakt das Spiel im Griff hatte, was auch eine Zahl aufzeigt: Gerade mal drei Schüsse hatte EHCO-Torhüter Matthias Mischler im Schlussabschnitt abzuwehren.

Einen dieser Abschlüsse fand jedoch als kleiner Makel noch den Weg ins Netz. Jaedon Descheneau verwertete nach einem starken Antritt kaltblütig zum 1:4-Ehrentreffer. Seis drum.

Rouiller: «Das war ein sehr wichtiger Sieg. Aber schlussendlich brauchen wir vier Siege. Heute haben wir einen wichtigen Schritt gemacht, aber es geht weiter.» Auch Trainer Chris Bartolone tritt auf die Euphoriebremse: «Die grosse Kunst in den Playoffs ist, nicht zu hoch zu fliegen und nicht zu tief zu fallen.»

Klar ist: Das Momentum liegt nun beim EHC Olten. Der Oltner Zug kommt ins Rollen: Es ist Zeit für einen nächsten Auswärtssieg.

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