EHC Olten
Der HC Ajoie und das verflixte Spiel 6

Die Jurassier haben mit einem 3:2 im Rücken auf eigenem Eis oft Nerven gezeigt. Heute Dienstag steht für den EHC Olten das sechste Spiel in der Playoff-Halbfinalserie in der Ajoie an.

Michael Forster
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Einen Zacken zugelegt: Endlich bekamen die Ajoulots (wie hier Stefan Mäder) die gesunde Oltner Härte zu spüren.

Einen Zacken zugelegt: Endlich bekamen die Ajoulots (wie hier Stefan Mäder) die gesunde Oltner Härte zu spüren.

AE

Die Meinungen nach dem 4:2-Sieg des EHC Olten vom Sonntag waren einhellig und daher schnell gemacht. Der Tenor: Genau so muss man dem HC Ajoie begegnen, mit einem einfachen und sicheren Spiel aus der eigenen Zone, vor allem aber muss man physisch dagegenhalten. Es war, als hätte man die Jurassier mit deren eigenen Waffen geschlagen. Anstatt eines aufwendigen, wenngleich sauberen Aufbaus in Richtung gegnerische Zone wurde viel mehr der direkte Weg nach vorne gesucht – und man hat, endlich, ein Mittel gefunden gegen die Linie mit Jonathan Hazen, Michael-Philip Devos und Steven Barras.

Cyrille Scherwey (26), welcher als einer der Gewinner aus dem Trainerwechsel hervorgegangen und als 13. Stürmer in die Linie mit Cédric Schneuwly und Remo Hirt vorgerückt ist, misst genau diesem Punkt entscheidende Bedeutung zu. «Wir hätten von Anfang an genau so auftreten müssen gegen sie, sprich, sie permanent unter Druck zu setzen und versuchen, sie mit allen Mitteln aus dem Spiel zu nehmen.» Bei 14 von 16 Treffern hatte die Paradelinie der Jurassier zuvor den Stock im Spiel; am Sonntag blieben sie zwar nicht ganz ohne Wirkung, dafür zumindest ohne Punkt.

Fünf Sperren gegen Bagnoud

Scherwey glaubt nicht, dass Ajoie-Trainer Gary Sheehan gross etwas ändern wird im Hinblick auf das heutige Spiel 6. «Sie werden wohl ziemlich ähnlich auftreten, wir aber auch. Das wird ein interessanter Vergleich.» EHCO-Coach Eric Beaudoin wollte sich indes noch nicht in die Karten blicken lassen. Er sei mit dem Resultat, nach den vielen Umstellungen über alle vier Linien, doch sehr zufrieden. «Wir sind dem Spiel, welches wir sehen wollen, sicher einen Schritt näher gekommen», so der 35-jährige Kanadier, «aber natürlich haben wir auch noch Verbesserungspotenzial.»

«Never change a winning team» also? Wer weiss. Die Tatsache, dass Remo Meister gestern wieder mittrainierte und, zusammen mit den überzähligen Spielern, am Ende der rund halbstündigen Trainingseinheit noch ein paar Spurtübungen zu absolvieren hatte, lässt darauf schliessen, dass der Oltner heute Dienstag, nach überstandener Krankheit, zumindest wieder zur Verfügung steht. Die nächsten vier Partien sicher nicht im Aufgebot steht hingegen Chris Bagnoud. Der Verteidiger erhielt, nach seinem Check gegen den Kopf von Steven Barras, vom Verband gleich fünf Spielsperren aufgebrummt.

Der Augenschein im Training brachte weiter die Erkenntnis, dass das Duo Beaudoin/Kölliker, in welchem der Kanadier klar den Lead hat, doch ein wenig anders zu Werke geht als ihre Vorgänger Leime/Stecher. Während Letztere in den Übungen lange Wege laufen liessen und mit viel Tempo den Abschluss suchten, war am Montag die richtig intensive Phase deutlich kürzer. Zudem war das Training freiwillig, weshalb eine ganze Reihe von (vor allem erfahrenen) Spielern auf den Eiskontakt verzichteten und die Physiotherapie oder eine Einheit im Kraftraum vorzogen. «In dieser entscheidenden Phase den Spielern diesbezüglich mehr Freiheiten zu geben, finde ich wichtig», sieht Scherwey in der neuen Ausrichtung Vorteile. «Vor allem für die Spieler, welche in der letzten Zeit forciert worden sind, ist es wichtig, dass sie in den Trainings nicht zu viel Kraft investieren müssen.»

Spiel 6 – ein gutes Omen?

Nach dem starken EHCO-Auftritt am Sonntag ist auch klar, dass Ajoie heute Dienstag (Spielbeginn 19.45 Uhr) deutlich mehr Druck verspüren dürfte, als in den bisherigen Partien. Verstärkt wird das durch die Playoff-Vergangenheit des Qualifikationsfünften. Abgesehen vom diesjährigen Viertelfinal gegen La Chaux-de-Fonds gab der HC Ajoie zwischen 2010 und 2012 dreimal hintereinander in den Viertelfinals auf eigenem Eis einen 3:2-Vorsprung in der Serie preis, und immer bedeutete danach Spiel 7 das Saisonende. Zweimal erwischte es die Jurassier vor praktisch identischer Kulisse (4017 bzw. 4018 Zuschauer) gegen Lausanne, einmal gegen La Chaux-de-Fonds.

Die bedingungslose Unterstützung von den Rängen dürfe den Jurassiern sicher auch dieses Mal wieder gewiss sein. Doch auch Scherwey freut sich genau darauf. «So viele Leute in einer Eishalle, egal, auf welcher Seite sie stehen, das ist einfach geil, das pumpt einen auf. Als zum Beispiel Lausanne noch in der NLB spielte: Diese Auswärtsspiele liebte ich!»

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