Donnerstagmorgen, Stadion Kleinholz. Da tritt er ein erstes Mal mit dem grünen EHCO-Trainingstrikot auf das frisch geputzte Eis: Jewgeni Schirjajew. Und dies keine zwei Stunden, nachdem der EHC Olten den sofortigen Transfer des Ambri-Stürmers bekannt gegeben hatte.

Dass der Wechsel Schlag auf Schlag vollzogen wurde, offenbart nicht zuletzt auch die Tatsache, dass der Neuzuzug sein erstes Eistraining noch mit einer provisorischen Ausrüstung bestreiten musste.

Der EHC Olten reagiert mit dem Toptransfer auf den durchzogenen Saisonstart. Trotz Tabellenplatz vier stellen die ambitionierten Dreitannenstädter mit 24 Treffern aus acht Meisterschaftspartien die drittschlechteste Offensive der gesamten «Swiss League». Der 28-jährige Linksschütze soll die Oltner Abschlussschwächen vergessen machen und eine wichtige Rolle im Team übernehmen.

Schirjajew, der die Juniorenstufen bei La Chaux-de-Fonds durchlief, gilt als exzellenter Center mit feinen Händen und weist neben einem guten Auge für die Mitspieler auch ausgeprägte Skorerqualitäten auf. «Er ist ein sehr guter Spieler und wird eine wertvolle Unterstützung für unser Team sein», fügt Trainer Bengt-Ake Gustafsson über den Sohn der Eishockeylegende Walerij Schirjajew an.

Jewgeni Schirjajew im Trainingsdress des EHC Olten

  

Nur eine Nebenrolle in Ambri

Jewgeni Schirjajew, der als ukrainisch-schweizerischer Doppelbürger das Ausländerkontingent nicht beeinträchtigt, stand beim EHC Olten bereits im Frühsommer weit oben auf der Wunschliste. So bemühte man sich stark um den Center, zog jedoch schliesslich gegen Ambri den Kürzeren: Schirjajew entschied sich nach zwei NLA-Saisons bei den SCL Tigers, wo er nach 113 Spielen (17 Tore, 15 Assists) aussortiert wurde, noch einmal einen Anlauf auf höchster Stufe nehmen zu wollen und zog deshalb das Angebot Ambris vor.

Doch der 28-Jährige kam in der laufenden Saison unter dem neuen Ambri-Trainer Luca Cereda nie richtig in die Gänge und spielte nur eine Nebenrolle – ja Ersatzrolle. Weil er in lediglich drei von zwölf Spielen (0 Skorerpunkte) auf dem Ambri-Matchblatt figurierte und kaum über die Position des 13. Stürmers hinausgekommen war, sehnte er sich nach einer Veränderung.

Jewgeni Schirjajew (im weissen Trikot) kam im Cupspiel von Ambri-Piotta gegen die EVZ Academy zu einem der wenigen Einsätzen für die Tessiner.

Jewgeni Schirjajew (im weissen Trikot) kam im Cupspiel von Ambri-Piotta gegen die EVZ Academy zu einem der wenigen Einsätzen für die Tessiner.

Er sei trotz guter Vorbereitung nie richtig im Team angekommen. Es gipfelte darin, dass er in Trainings im fünften Block trainieren musste und nicht zum Einsatz kam. «Ich hatte sehr schnell den Spass am Eishockey verloren», sagt er.

Es sei dann ein Zeichen, dass man als Spieler handeln müsse. Und so kam der EHCO-Transfer zustande: «Es ging jetzt alles sehr schnell. Ich freue mich auf die neue Aufgabe und schätze das Vertrauen sehr, das mir der EHC Olten schenkt, um einen Neuanfang zu machen», sagt das Sprachgenie, das nebst der Muttersprache Russisch auch Französisch, Englisch und Deutsch spricht.

Schirjajew kennt die NLB, die heutige «Swiss League», bereits bestens: Vor den Ambri- und SCL-Tigers-Zeiten absolvierte er 435 NLB-Spiele (242 Skorerpunkte) für La Chaux-de-Fonds, Basel und Red Ice Martigny. «Es hat immer Spass gemacht, hier in Olten zu spielen. Aber jetzt schaue ich nach vorne und gebe Vollgas. Ich hoffe, dass ich dem Team mit guten Leistungen helfen kann», sagt Schirjajew, der beim EHCO die Nummer 81 tragen wird. Der 28-jährige Mittelstürmer hat einen Zweijahresvertrag bis Ende Saison 18/19 plus Option auf eine weitere unterschrieben und wird morgen Freitag im Auswärtsspiel gegen Visp sein Debüt geben.

Klubführung informierte Spieler

Mit der Bekanntgabe des Transfers schafft der EHC Olten ausserdem Transparenz, weshalb die Klubführung am Mittwochabend unmittelbar nach dem knappen 5:4-Sieg nach Verlängerung die Garderobe aufsuchte (wir berichteten). So wollte die Führung das Gustafsson-Team persönlich über den Transfer informieren und gab den Spielern zu verstehen, dass es fortan nicht bloss einen Konkurrenzspieler mehr im Kader gebe, sondern man vielmehr gemeinsam als Team die ambitionierten Saisonziele mit Nachdruck erreichen wolle. Die EHCO-Spieler wussten es mit Applaus zu quittieren.

Jewgeni Schirjajew (Mitte) im Trikot der SCL Tigers in der vergangenen Saison

Jewgeni Schirjajew (Mitte) im Trikot der SCL Tigers in der vergangenen Saison