Swiss League

Das erste EHCO-Training nach der Truttmann-Vertragsauflösung: «Kein Märchen, in dem sich alle lieb haben»

Marco Truttmann verlässt den EHC Olten in seiner achten Saison durch die Hintertür.

Marco Truttmann verlässt den EHC Olten in seiner achten Saison durch die Hintertür.

Nach der Vertragsauflösung mit Marco Truttmann will auch das Team des EHC Olten den Blick nach vorne richten.

Nur wenige Stunden nach dem 2:1-Knorzheimsieg nach Penaltys über die Ticino Rockets absolviert der EHC Olten ein erstaunlich intensives, lauffreudiges und fokussiertes Eistraining. Vor allem ist es aber das erste offizielle Eistraining seit der Vertragsauflösung mit Marco Truttmann.

In den vergangenen sechs Spielen, nach der 4:7-Heimniederlage gegen Ajoie, war der Stürmer nur noch als überzählig gemeldet und spielte keine Rolle mehr. Seither erledigte Truttmann bloss noch seine Pflichten in den Trainings, besuchte die freiwilligen Einheiten längst nicht mehr. Am Donnerstag haben die beiden Parteien nach drei Wochen Ungewissheit eine Einigung zur Vertragsauflösung erzielt. Die Reaktionen im Team blieben aus, die Information wurde zur Kenntnis genommen.

Truttmann soll intern kaum über seine Situation gesprochen haben. Selbst Diego Schwarzenbach, der mit dem Ausnahmekönner immerhin sechs komplette Saisons absolvierte, kennt die Einzelheiten nicht. Man bohre grundsätzlich bei einem Spieler, der überzählig ist, nicht nach und wolle in persönlich schwierigen Zeiten auch nicht auf die Füsse treten, sagte der Ur-Oltner auf Nachfrage.

Die Interessen des Teams in den Vordergrund stellen

Im Team habe man sich auf die jeweiligen Aufgaben konzentriert, bestätigt Captain Philipp Rytz. Dass es während der Zeit der Ungewissheit in der Garderobe ein Rencontre zwischen ihm und Truttmann gegeben haben soll, das im Umfeld des EHCO die Runde machte, wollte er nicht bestätigen. Er sei durchaus mal etwas lauter geworden, sei emotional und bestimmt aufgetreten, aber das sei keine Auseinandersetzung gewesen, so Rytz.

Truttmann bedauert bei seinem letzten Arbeitstag als ­EHCO-Spieler, dass er nach wie vor nicht wisse, warum er nicht mehr gespielt habe. Fredrik Söderström darauf angesprochen, sagt: «Ich hatte als Trainer nie Probleme mit Marco. Wenn Sie ein Team zusammenstellen, müssen Sie auf viele Dinge achten. Es reicht nicht, bloss ein talentierter Spieler zu sein. Man muss fähig sein, ein System einzuhalten, dabei hart an sich zu arbeiten, die Interessen des Teams in den Vordergrund zu stellen und Ziele des Klubs zu verfolgen», sagt Söderström.

Die Resultate haben dem EHCO-Headcoach recht gegeben. Aus sechs Spielen ohne Truttmann resultierten sechs Siege mit 16 Punkten. Sein Vertrauen in das bestehende Team ist gross. «Ich möchte Marco keineswegs die Schuld zuschieben, dass wir zuvor die Spiele nicht gewonnen haben, aber ich möchte mich auch nicht entschuldigen und rechtfertigen müssen für meine Entscheidungen», sagt Söder­ström. Solche Geschichten würden leider zum Business gehören. «Das Eishockey ist nun mal kein Märchen, in dem sich alle lieb haben. Ich respektiere Marco sehr. Er hat viele gute, verdienstvolle Sachen für den Klub getan. Ich habe ihm die Hand gereicht und ihm alles Gute gewünscht.»

8. Spiel in 18 Tagen, danach 11 Tage Nati-Pause

Beim EHC Olten will man nun den Blick nach vorne richten. Schliesslich steht heute Abend, 19.45 Uhr, auswärts in Kloten das achte Spiel in 18 Tagen an. Es ist vor der elftägigen Nationalmannschaftspause ein Härtetest, nachdem man zuvor Favoritensiege einfuhr. Philipp Rytz erwartet ein hochstehendes Spiel, in dem sich der EHCO keine Fehler erlauben dürfe und eine Systemtreue auf das Eis zelebrieren müsse.

Auch der EHC Kloten reitet auf einer Erfolgswelle und kam in dieser Woche zum achten Sieg in Serie – mitunter auch mit Siegen gegen Leader Ajoie oder Langenthal. Man ist sich einig bei den Powermäusen: Es braucht wieder eine Leistungssteigerung zum Heimspiel gegen die Rockets. Nicht nur die Chancenauswertung müsse besser werden, auch das Spiel zwischen Verteidigung und Sturm sollte wieder harmonieren. Philipp Rytz: «Treten wir so auf, wie im Cupspiel gegen Langnau, bin ich sehr zuversichtlich.»

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