Curling

Corona-Virus verhindert Karrierehöhepunkt

Mit der WM wäre für das Team Stern um die beiden Solothurnerinnen Lisa Gisler und Briar Hürlimann ein Traum in Erfüllung gegangen. Heute Mittwoch stünden für die Curlerinnen des Team Stern die Partien gegen die Teams aus Russland und Amerika an. Weil die WM in Kanada wegen des Corona-Virus abgesagt worden ist, bleibt es beim Konjunktiv. Stattdessen sind die Schweizerinnen nun wohlbehalten zurück in der Heimat.

Zum Zeitpunkt der WM-Absage am vergangenen Donnerstag waren die Curlerinnen um Lisa Gisler aus Olten und Briar Hürlimann aus Recherswil am Flughafen in Vancouver – gerade auf dem Sprung nach Prince George. Die Absage kam für die Schweizerinnen allerdings aufgrund der globalen Krisenlage nicht überraschend. Immerhin: Die definitive Absage des Turniers kam noch vor dem Abflug nach Prince George.

Wegen drohender Grenzschliessungen versuchten die Curlerinnen, möglichst schnell zurück in die Schweiz zu gelangen. Dieses Vorhaben verzögerte sich, weil ihr Reisebüro wegen der Zeitverschiebung bereits geschlossen war. Gisler, Hürlimann und Co. blieb nichts anderes übrig, als eine weitere Nacht im Hotel in Vancouver zu verbringen – und auf den Morgen in der Schweiz zu warten. «Um vier Uhr morgens hatten wir dann unseren Flug bestätigt und zwei Stunden später waren wir zurück am Flughafen», erzählt die 26-jährige Gisler von den turbulenten Stunden in der kanadischen Metropole.

Ebenso gross wie die Erleichterung, zurück in der Schweiz zu sein, ist bei den Curlerinnen die Enttäuschung über die WM-Absage. Sie hätten in Kanada eine ganz spezielle Zeit erleben können. Denn die Zeichen für ihre erste Teilnahme an einem grossen internationalen Turnier standen gut, die Vorfreude bei den Schweizerinnen war riesig. «Es war sehr brutal. Im Moment brach für uns wirklich eine Welt zusammen», sagt die 26-jährige Hürlimann. «Es ist natürlich eine grosse Enttäuschung», stimmt Gisler zu, «aber wir verstehen den Entscheid des Weltverbandes.»

Ob die WM nachgeholt wird, ist derzeit noch offen. Eigentlich wäre das Turnier ein wichtiger Bestandteil im Kampf um einen Quotenplatz für die Olympischen Winterspiele 2022. Allerdings scheint jetzt schon klar zu sein, dass der Weltverband wohl ein neues Qualifikationssystem wird einführen müssen. Wie die Olympia-Quotenplätze für 2022 vergeben werden, berät das entsprechende Gremium des Weltverbandes in den kommenden Wochen.

Vorzeitiges Saisonende und Fokus auf den Alltag

Neben der WM-Absage hat das Corona-Virus auch für das vorzeitige Ende der kompletten Saison gesorgt. «Wir alle arbeiten nebenbei. Wir werden uns in den nächsten Wochen mehr auf unseren Job fokussieren», sagt Gisler. Sie selbst arbeitet als Business Trainee bei den SBB. Ihre Teamkollegin Hürlimann unterrichtet eine 5./6. Klasse an der Schule Lotzwil. Wie beim Curling gilt auch dort: Ausnahmezustand. Seit Montag ist die Solothurnerin zurück bei der Arbeit, hat ihre Stellvertretung vorzeitig abgelöst. Für die Schüler hat sie ein Lernprogramm erstellt, das via App oder PC verwendet werden kann. «Die Kinder sehen dort online, was sie machen können. Das beinhaltet verschiedene Pläne, wie zum Beispiel Mathematik, aber auch Lernspiele», sagt Hürlimann. Die Schule in Lotzwil bietet zudem ein Betreuungsprogramm für Kinder, die nicht zu Hause betreut werden können. «Da wir eher eine ländliche Schule sind, haben wir nur ungefähr fünf Kinder, welche die Betreuung beanspruchen», sagt die Lehrperson. Von diesen Kindern hat jedes sein eigenes Schulmaterial zu erledigen. «Die Kinder dürfen aber auch mal spielen. Wir gehen mit ihnen auch in den Kindergarten, wo es mehr Spielzeug hat, oder auf den Spielplatz», sagt Hürlimann.

Nun steht für die Curlerinnen Regeneration an. Zudem werden sie die Saison nochmals Revue passieren lassen. Um fit zu bleiben, gehe man normalerweise ins Fitnessstudio, betreibe Kraftaufbau und Ausdauertraining. Aktuell ist aber auch dies eine Herausforderung: «Dann geht man halt raus oder stellt sich für zu Hause etwas zusammen», sagt Hürlimann. «Die neue Saison zu planen, ist auch schwierig. Angenommen, das Virus bleibt bis im August, dann kann es sogar den Saisonbeginn betreffen», sagt Gisler. Die Fast-WM-Teilnehmerinnen blicken nicht mehr zu weit voraus – und gehen nun Schritt für Schritt in die Zukunft.

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