Cyrill Aeschlimann lässt das Herz der Sportromantiker höherschlagen. Der Ur-Oltner steht für Identifikation und Treue – unlängst sind solche Attribute im heutigen schnelllebigen Sport zu Fremdwörtern verkommen, in welchem heutzutage oftmals Erfolg gleichgesetzt ist mit viel Geld. Doch einer hat sich diesem Wandel widersetzt und ist bis heute geblieben – vom unbekümmerten Junior bis zum bewährten Urgestein: Cyrill Aeschlimann ist EHC Olten.

Der wohl polyvalenteste EHCO-Spieler des letzten Jahrzehnts absolviert heute Abend in seiner 16. EHCO-Saison das 715. Spiel für den EHC Olten und egalisiert damit den Rekord von Richard Stucki (siehe Tabelle).

2002: Cyrill Aeschlimann in seiner ersten EHCO-Saison.

2002: Cyrill Aeschlimann in seiner ersten EHCO-Saison.

Für seine Verdienste wird Aeschlimann mittels Videohommage gewürdigt. Bereits morgen Samstag, im Auswärtsspiel gegen die GCK Lions, dürfte er mit dem 716. Spiel den Klubrekord für sich beanspruchen.

«Es macht mich stolz, dass ich schon so lange für den EHC Olten spielen darf und der Klub auch nach so vielen Jahren noch immer auf mich setzt», sagt der 34-Jährige.

Professionalität ist gestiegen

Als wir Cyrill Aeschlimann das Bild aus dem Jahr 2002 zeigen, seiner ersten NLB-Saison, muss er schmunzeln: «Ein sehr altes Foto, das waren noch Zeiten – mit Gitterhelm und Holzstock!»

Aeschlimann hat nicht zuletzt die enorme Entwicklung der Ausrüstung hautnah miterlebt und das Neuste stets ausprobiert – vom Holzstock über «Aluminium-Stangen» bis hin zu den heutigen hoch entwickelten Karbonstöcken. «Die leichten Schlittschuhe und die Stöcke sind die grössten Veränderungen.»

Aber auch gewisse Regeln waren einschneidend, hält er fest: «Mit der Abschaffung des Zweilinienpasses und der Einführung des Hybrid-Icings hat sich der Sport in den letzten 15 Jahren stark gewandelt», weiss Aeschlimann: «Und schliesslich sind mit der Vergrösserung der Offensiv/Defensiv-Zonen das Powerplay und Boxplay viel wichtiger geworden.»

Verbessert hat sich der Sport nicht nur auf dem Eis. Auch die Vereinsführungen wurden professioneller. «Zu Beginn meiner Zeit waren nur die Allerbesten der Liga Profis, praktisch alle arbeiteten neben dem Eishockey noch irgendwo Teilzeit, heute ist der Anteil Profis genau umgekehrt. Auch ich kann mich in dieser Saison voll und ganz dem Sport widmen», so Aeschlimann, der sonst jeweils einem Teilzeitjob als Gipser und Maler nachgegangen war.

Dieser Wandel ist nicht selbstverständlich: Während sich heute der EHC Olten als grösseren KMU-Betrieb mit Dutzenden Festangestellten behaupten kann, stand es während Aeschlimanns Karriere nicht immer rosig um den Klub – es erforderte ein grosses Bekenntnis zum Verein: «In meinen ersten beiden Jahren konnte man Ende Saison nicht mehr alle Löhne bezahlen und musste die Spieler fragen, ob sie zu einem Lohnverzicht bereit wären. Für mich war das schwierig. Damals hatte ich noch einen Ausbildungsvertrag und war in der Lehre. Weil ich aber beim EHCO meine Zukunft sah, verzichtete ich. Ich wollte dem Klub helfen.»

Abstecher zum Erzrivalen

Eine persönliche Schaffenskrise hatte Oltens Nummer 83 nie zu überwinden. Nur ins Grübeln kam Aeschlimann, als er mehrmals in Folge von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Nach einem Handbruch fiel er über drei Monate aus, worauf er sich in seinem ersten Spiel nach der Genesung eine schwere Schulterverletzung zuzog. «Man hinterfragt sich dann schon: Warum immer ich?»

Doch selbst in schwierigsten Zeiten hat Aeschlimann den Spass am Eishockey nie verloren, was er auf die unzähligen Freundschaften, die sich in der Kabine und auf dem Eis ergeben haben, zurückführt. «Nie hatte ich das Gefühl, nicht zum Team zu gehören. Die Kabine war auch in sportlich schwierigen Zeiten immer etwas Heimisches.»

An einen Wechsel dachte Aeschlimann mehrmals, doch eine Umsetzung fasste er dann doch nie wirklich ins Auge. «Es hat mich dann immer etwas in Olten gehalten.»

Nur einmal, im Frühjahr 2007, als Olten die Playoffs verpasste und keine Playouts ausgespielt wurden, trug er kurzerhand das Trikot des SC Langenthal.

Die Oberaargauer liehen Aeschlimann als Viertlinienstürmer für die Schlussphase der Meisterschaft aus. «Es war eine kleine Bestätigung, doch nicht alles falsch gemacht zu haben», sagt er rückblickend ganz bescheiden.

Es sollte jedoch ein kurzes Abenteuer sein: «Damals durfte man den Playoffgegner noch auswählen. Langenthal entschied sich als Qualifikationssieger für die GCK Lions – und schied prompt 2:4 nach Siegen aus. Das blieb mir bis heute», sagt er und schmunzelt.

Aeschlimann, der in der aktuellen Spielzeit einen Einjahresvertrag plus Option auf eine weitere Saison besitzt, will die Frage, ob er derzeit seine Abschiedssaison spielt, noch nicht abschliessend beantworten. Es hängt wohl vieles damit zusammen, inwiefern der EHCO seine hochgesteckten Saisonziele erreicht.

Klar ist: «Als Eishockeyspieler will man einmal in der Karriere einen Kübel in die Luft stemmen. Das ist und bleibt das grosse Ziel», sagt er.

Einen weiteren kleinen Schritt dazu wollen Aeschlimann und Co. heute Abend mit einem Derbysieg gegen Langenthal bestreiten. Es wäre der zehnte Sieg in Serie.