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TV-Kolumne: Österreicher feiern besser als lahme Schweizer

Ruedi Kuhn
Ruedi Kuhn
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Das ORF interviewt bei heimeliger Sofa-Atmosphäre Goldgewinner Marcel Hirscher

Das ORF interviewt bei heimeliger Sofa-Atmosphäre Goldgewinner Marcel Hirscher

Screenshot ORF

Vincent Kriechmayr nix, Hannes Reichelt nix, Max Franz nix! Nach der Pleite in der Abfahrt scheinen die Österreicher auch im Super G neben der Spur. Die Stimmung der Fernseh-Kommentatoren Oliver Polzer und Hans Knauss geht in Richtung Nullpunkt. Einer kommt noch. Der Matthias Mayer! «So Oliver», sagt Knauss. «Das ist unsere letzte Chance. Glaub mir, Oliver, der Matthias, der machts.»

Sprücheklopfer Polzer will nicht so recht daran glauben. «Bitte Hans, lass die Füsse am Boden», sagt er mit einem Anflug von Skepsis. Hat der sonst so wortgewaltige Polzer sein Pulver verschossen?

Nein! Plötzlich geht er ab wie eine Rakete. «Mein Gott, Hans, schau auf die Zwischenzeiten», schreit Polzer ins Mikrofon. «Der Matthias ist der Grösste. Gold! Heute geht in Österreich keiner mehr schlafen. Und die Norweger machen doch noch lange Gesichter ...»

Schadenfreude ist und bleibt die schönste Freude. Mag sein, dass die Österreicher im Rausch der Erfolge manchmal leicht übersäuern. Eines aber steht fest: Wie sie den Gewinn ihrer Medaillen feiern, ja zelebrieren, ist Klasse. Die hölzern wirkende Schweizer TV-Crew könnte von unseren Nachbarn in rot-weiss-rot einiges lernen.

Nehmen wir nur das ORF-Olympia-Studio, das täglich um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird. Gewinnen die Österreicher Gold, Silber oder Bronze, klebt Moderator Rainer Pariasek das entsprechende Edelmetall an eine extra installierte Medaillenwand.

Für die Interviews mit Topstars wie Matthias Mayer und Rodler David Gleirscher gibt’s eine bequeme Couch. Im Hintergrund brennt ein Feuer im Kamin. Die Atmosphäre ist locker. Die Begeisterung ist gross.

Exakt diese Lockerheit und Begeisterung sucht man bei Medaillenfeiern im Schweizer Fernsehen vergeblich. Ein Olympia-Studio zur besten Sendezeit kurz nach 20 Uhr mit einem Moderator à la Pariasek gibt es nicht.

Und so bleibt eine Dreierrunde in gemütlicher Atmosphäre mit den Medaillengewinnern Dario Cologna, Beat Feuz und Wendy Holdener ein frommer Wunsch. Dabei wäre die Aufgabe für das SRF nicht schwieriger als für einen Fussballer ein Schuss ins leere Tor.

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