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Gilles Roulin: «Bruno Kernen motivierte mich, einem Skiklub beizutreten»

Gilles Roulin hat in der vergangenen Saison die Gesamtwertung des Europacups gewonnen. Zum Skiprofi wurde er durch Zufall.

Martin Probst
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Gilles Roulin hat in der vergangenen Saison die Gesamtwertung des Europacups gewonnen. Zum Skiprofi wurde er durch Zufall.

Gilles Roulin hat in der vergangenen Saison die Gesamtwertung des Europacups gewonnen. Zum Skiprofi wurde er durch Zufall.

Keystone

Noch ist Gilles Roulin unbekannt. Selbst bei Swiss Ski scheinen ihn nicht alle zu kennen. «Manchmal bekomme ich die E-Mails auf französisch», erzählt er und lacht. Klar: Sein Name lässt den Rückschluss zu, dass der 23-Jährige aus der Westschweiz kommt. Doch Roulin ist Zürcher, aufgewachsen in Grüningen.

Der Zürcher Gilles Roulin gewann in der vergangenen Saison die Gesamtwertung des Europacups.

Der Zürcher Gilles Roulin gewann in der vergangenen Saison die Gesamtwertung des Europacups.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Im vergangenen Winter hat er im Europacup die Gesamt-, Abfahrts- und Super-G-Wertung gewonnen. Damit hat Roulin einen fixen Startplatz im Weltcup. An diesem Wochenende bestreitet er die Rennen in Beaver Creek. Im Super-G war er mit Rang 17 zweitbester Schweizer.

Halb so alt wie die «Gspänli»

Dabei wollte Roulin gar nicht Skiprofi werden. Seine Eltern haben ein Ferienhaus in Valbella. Die Wochenenden und Ferien verbrachte die Familie in den Bergen. Roulin ging in die Skischule und durchlief im Eiltempo sämtliche Stufen.

«Mit mir in den Kursen waren Kinder aus Holland, oft Anfänger», erzählt er. «Ich war immer halb so alt wie meine Gspänli, weil ich skifahrerisch viel weiter war.» Als er sämtliche Kurse bestanden hat, wollte Roulin eine neue Herausforderung und begann, zu snowboarden.

Skifahren mit Bruno Kernen

Es kam anders. Als der Vater zu einem Skitag eingeladen wurde, begleitete Roulin ihn. Der Anlass wurde von einem Sponsor von Bruno Kernen organisiert. Weil das Wetter schlecht war, sassen die Geschäftsleute im Restaurant und der damals zehnjährige Gilles fuhr den ganzen Tag allein mit dem Weltmeister von 1997. «Bruno motivierte mich, einem Skiklub beizutreten», erzählt Roulin.

Bruno Kernen motivierte Gilles Roulin einem Skiklub beizutreten.

Bruno Kernen motivierte Gilles Roulin einem Skiklub beizutreten.

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Er befolgte den Rat und trat dem Skiklub Lenzerheide-Valbella bei. «Mein Idol war Daniel Albrecht. Unglaublich, wie er vor dem Unfall Ski gefahren ist.» Als Albrecht 2009 in Kitzbühel fürchterlich stürzte und ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, war Roulin auf dem Weg an einen nationalen Vergleich in Elm. «Ich habe die ganze Fahrt geweint», erinnert sich Roulin.

Ein Jahr zuvor wurde der Zürcher am Skigymnasium in Stams aufgenommen. Die Schule in Österreich besuchte einst auch Albrecht. «Darum habe ich mich entschieden, ebenfalls diesen Weg einzuschlagen.»

Jus-Studium als Absicherung

Die Matura allein reichte Roulin aber nicht als Sicherheit, falls es nichts wird mit dem Skisport. Darum studiert er im fünften Semester Jus an der Fernuni Schweiz. «Ich habe mich für Jus entschieden, weil man viel lesen muss. Das kann ich gut im Hotelzimmer nach dem Training.»

Auf der Piste will er dafür sorgen, dass ihn bald alle kennen.

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