Irrtum um Feuz
Er war überzeugt, dass er nie mehr um eine Kristallkugel fahren wird – nun ist alles anders

Irgendwie passt alles zusammen. Doch der Reihe nach: Noch zwei Abfahrten stehen in diesem Winter auf dem Programm. Die erste heute Samstag in Kvitfjell. Aksel Lund Svindal ist der letzte Konkurrent, der Beat Feuz die kleine Kristallkugel für den Sieg im Abfahrtsweltcup noch streitig machen kann.

Martin Probst
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Links: 2012 gewinnt Aksel Lund Svindal die kleine Kristallkugel im Super-G vor Didier Cuche (l.) und Beat Feuz (r.). Feuz (oben) und Svindal duellieren sich 2018 um Abfahrtskristall und Cuche ist der letzte Schweizer, der die Abfahrtswertung gewinnen konnte.

Links: 2012 gewinnt Aksel Lund Svindal die kleine Kristallkugel im Super-G vor Didier Cuche (l.) und Beat Feuz (r.). Feuz (oben) und Svindal duellieren sich 2018 um Abfahrtskristall und Cuche ist der letzte Schweizer, der die Abfahrtswertung gewinnen konnte.

KEYSTONE

Der Schweizer liegt 40 Punkte vor dem Norweger, der so etwas wie der Spielverderber ist in dieser Geschichte von Feuz, die auf einem Irrtum beruht, den er selbst beging. Rückblick: Als Beat Feuz am 11. März 2011mit der Abfahrt in Kvitfjell sein erstes Weltcuprennen gewann, schien alles möglich. Natürlich – verletzt hatte er sich schon zuvor. Das Knie schmerzte bereits. Mehr aber nicht.

Eine Saison später gewann Feuz erneut in Norwegen, dieses Mal im Super-G. Die Saison beendete er auf Rang zwei im Gesamt-, Abfahrts-, und Kombinations-Weltcup und auf Rang drei im Super-G. Das Final in Schladming bestritt er trotz starken Knieschmerzen. Der Rest ist Geschichte: Nach einem Sturz im Sommertraining mit einem Knorpel- und Meniskusschaden als Folge entzündete sich das linke Knie von Beat Feuz. Der Infekt war so schlimm, dasssogar eine Amputation des Knies im Raumstand. Sein Sieg in Kvitfjell am 2. März 2012 war somit sein letzter für eine sehr lange Zeit.

Nie mehr Topleistungen

Doch Feuz gab nicht auf. Statt sich mit dem Leben als Sportinvalider abzufinden, kämpfte er für die Fortsetzung seiner Karriere. Mit Erfolg: Ende 2014 stand er wieder auf dem Podest und am 16. März 2016, mehr als vier Jahre nach Kvitfjell, gelang ihm ein nächster Sieg. Das Motto des Schweizers in all den Jahren: «Ich kann zwar nie mehr eine Saison lang Topleistungen abrufen. Doch in den wichtigen Rennen bin ich für alles bereit.»

Der Stand im Abfahrtsweltcup (7/9)

1. Beat Feuz (SUI) 542. 2. Aksel Lund Svindal (NOR) 502. 3. Dominik Paris (ITA) 334. 4. Thomas Dressen (GER) 301. 5. Kjetil Jansrud (NOR) 264. 6. Vincent Kriechmayr (AUT) 255. 7. Matthias Mayer (AUT) 248. 8. Hannes Reichelt (AUT) 228. 9. Peter Fill (ITA) 191. 10. Adrien Theaux (FRA) 178.

Er hatte recht. Feuz gewann seit seinem Comeback im November 2013 WM-Bronze in der Abfahrt (2015). Er stand dreimal in Kitzbühel auf dem Podest. Er gewann den Klassiker am Lauberhorn. Er wurde 2017 Weltmeister in der Abfahrt und gewann zuletzt an den Olympischen Spielen Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt.

Beat Feuz lässt sich nach dem Gewinn der Bronzemedaille feiern

Beat Feuz lässt sich nach dem Gewinn der Bronzemedaille feiern

KEYSTONE/EPA/FILIP SINGER

Er hatte recht und irrte doch. Denn in der aktuellen Abfahrtssaison war Feuz in sieben Rennen nie schlechter als Achter. Er gewann dreimal und stand zwei weitere Male auf dem Podest. Kurz: Er konnte Topleistung in der ganzen Saison abrufen. Und so ist möglich, was er selbst als unmöglich bezeichnete: der Gewinn einer Kristallkugel.

Nun kommt Cuche ins Spiel

Und wie gesagt: Irgendwie passt alles zusammen. Zum Beispiel, dass in der Abfahrt heute Samstag in Kvitfjell eine Vorentscheidung (und falls Svindal patzt, sogar die Entscheidung) fallen kann. Erneut ist die Piste in Norwegen ein Schauplatz mit vielleicht wegweisendem Charakter. Sollte Feuz heute und am 14. März in der letzten Abfahrt im schwedischen Are den Vorsprung auf Svindal verteidigen, wäre er der erste Schweizer Sieger im Abfahrtsweltcup seit Didier Cuche 2011. Genau: Der Neuenburger gewann seine letzte Kristallkugel in der Saison mit der Siegpremiere von Beat Feuz. Auch das passt also.

Doch damit nicht genug: In seiner letzten Weltcupsaison 2012 gewann Didier Cuche fast noch die siebte Kristallkugel seiner Karriere. In der Super-G-Wertung lag er am Ende 13 Punkte hinter Aksel Lund Svindal zurück. Rang drei in der Schlussrangliste belegte – genau: Beat Feuz.

Sechs Jahr später sind also erneut diese drei Athleten die Protagonisten. Und nie war ein Irrtum schöner. Denn Beat Feuz weiss, dass er Svindal schlagen und Cuche als letzten Schweizer Kristallgewinner ablösen kann. Es passt eben alles irgendwie zusammen.

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