Ski alpin

Ein aussergewöhnlicher Ski-Winter in vielerlei Hinsicht

Swiss-Ski, im Bild das Team der Frauen nach dem Doppelsieg von Lara Gut-Behrami und Corinne Suter in Crans-Montana, ist nach langem Warten wieder die führende Skination

Swiss-Ski, im Bild das Team der Frauen nach dem Doppelsieg von Lara Gut-Behrami und Corinne Suter in Crans-Montana, ist nach langem Warten wieder die führende Skination

Mit der Absage der letzten Männerrennen in Kranjska Gora endet der alpine Ski-Winter am Donnerstag vorzeitig. Es ist eine aussergewöhnliche Saison in vielerlei Hinsicht.

Am Ende diktierte das Coronavirus den Fahrplan und war das vorzeitige Saisonende nicht mehr abzuwenden. Aber auch sonst bot der Ski-Winter Ungewöhnliches: Umstürze in den Hierarchien etwa, die Schweizer Renaissance als Skination Nummer 1 nach 31 Jahren, Österreichs Katzenjammer nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher, Wetterkapriolen. Und weiter: Mikaela Shiffrins schweren Schicksalsschlag, der ihre Dominanz abrupt unterbrach und Federica Brignone die Türen öffnete, Aleksander Kildes überraschenden Coup im Gesamtweltcup, Corinne Suters Aufstieg zur besten Speedfahrerin, Lara Gut-Behramis Märchen mit dem Doppelsieg in Crans-Montana, Carlo Jankas gefühlte Auferstehung bei der Speed-Ouvertüre in Lake Louise, Urs Kryenbühls Podest-Coup in Bormio, Joana Hählens Ende des Wartens in Bansko auf ihren ersten Weltcup-Podestplatz.

Themen wie die Diskussionen um das noch nicht ausgereifte Format in den Parallelrennen, das gemäss Athleten-Bekundungen erhöhte Verletzungsrisiko in der noch jungen Disziplin, die Modusänderung in der nach dem Abgesang unverhofft doch weiterbestehenden Kombination, die kuriosen Speedrennen der Frauen in Bansko oder der Spionage-Vorwurf aus Shiffrins Umfeld in Richtung Petra Vlhova gingen fast ein wenig unter in diesem Schweizer Erfolgs-Winter, in dem Beat Feuz seine Vormachtstellung in der Abfahrt eindrücklich untermauerte.

Dass die Saison nun ein abruptes Ende nahm und den Gewinnern die grosse Bühne zum Abschluss verwehrt blieb, ist natürlich schade. Es passt aber ins Gesamtbild dieses von 88 auf 66 Rennen kastrierten Ski-Winters, dass auch der letzte Akt nicht der Norm entsprach. Neben dem Coronavirus nahmen auch Wetter und Klima überdurchschnittlich grossen Einfluss auf den Kalender. In Ofterschwang führte am letzten Wochenende fehlender Schnee zur Absage, im Februar fuhren die Frauen statt in Maribor in Kranjska Gora. Die Männer-Abfahrt von Val Gardena wurde in Bormio nachgeholt, die Frauen-Abfahrt von Val d'Isère in Bansko, wo das Wetter wiederum die zweite Abfahrt verhinderte. In Hinterstoder wirbelte ein Sturm das Programm der Männer durcheinander, in La Thuile gab es zu viel Schnee auf einmal und so weiter.

Zumindest Kilde und Federica Brignone dürften gegen den letzten gravierenden Einschnitt im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus wenig einzuwenden gehabt haben. Sie können durchaus als Profiteure der Absagen der Rennen in Are, Kranjska Gora und Cortina d'Ampezzo bezeichnet werden, mussten sie doch ihre Führungen im Gesamtweltcup nicht mehr verteidigen.

Dabei wäre die Spannung gross gewesen, so gross, dass die französische Agentur AFP von einem "epischen Finale" schrieb, das Alexis Pinturault in Kranjska Gora bevorgestanden wäre. Der Techniker aus Courchevel sass Kilde bei je einem ausstehenden Slalom und Riesenslalom im Nacken, und auch Henrik Kristoffersen hatte seine Hoffnungen noch nicht ganz begraben. Bei den Frauen stand Mikaela Shiffrin in Are vor ihrem Comeback, nachdem sich ihr Vorsprung von 370 Punkten während ihrer siebenwöchigen Auszeit in einen Rückstand von 153 Punkten verwandelt hatte. Es wäre fast schon zu viel Courant normal gewesen für diese in vielerlei Hinsicht aussergewöhnliche Saison, wäre es in Slowenien und Norwegen zu den Showdowns gekommen.

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