Ski-WM
Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann ist trotz zwei Schweizer Medaillen genervt: «So muss man sofort damit aufhören»

Michelle Gisin und Loïc Meillard gewinnen in der Kombination beide Bronze. Trotzdem sagt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann: «Mit solchen Rennen macht man die Disziplin kaputt.» Was ist passiert?

Martin Probst
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Wendy Holdener scheidet im Kombi-Slalom aus.

Wendy Holdener scheidet im Kombi-Slalom aus.

Gabriele Facciotti / AP

Urs Lehmann ist auf dem Weg an die Siegerehrung. Doch trotz zwei Schweizer Medaillen kann er sich gar nicht richtig freuen. «Das war schlechteste Werbung. Wenn ich das hier sehe, muss ich sagen, muss man sofort damit aufhören», sagt der Präsident von Swiss-Ski nach den beiden Kombinationsrennen an der Ski-WM in Cortina.

Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann.

Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Was ist passiert, dass der Aargauer, der sonst ein starker Befürworter der Disziplin ist, so genervt ist? Er sagt: «Wenn man die Piste so vereist und es so aussieht, als wären wir an einem Skischulrennen, wenn sogar die Slalomspezialisten eine hohe Ausfallquote haben, macht man den Sport kaputt.»

Bei den Frauen schieden 14 von 30 Starterinnen im Kombi-Slalom aus. Bei den Männern 12 von 35. Und bei den Athletinnen und Athleten, die ins Ziel kamen, sahen die Fahrten oft ebenfalls abenteuerlich aus. Selbst die Sieger Mikaela Shiffrin und Marco Schwarz sprachen von sehr schweren Bedingungen. Beide gehören zu den besten Slalomspezialisten im Weltcup.

Lehmann sagt: «Meine Kritik tut mir leid für die Medaillengewinner. Diese sind hervorragend gefahren. Trotzdem kann man es so nicht machen.» Der 51-jährige Schweizer war daran beteiligt, dass die Kombination überhaupt gerettet wurde, als sie vor zwei Jahren einmal mehr zur Debatte stand.

Und er findet es nach wie vor ein gutes Format. «Speziell jetzt mit Super-G und Slalom, da braucht es nicht mehr vier Tage Abfahrtstrainings. Man kann an einem Tag fahren», sagt er und ergänzt: «Man muss nur mal auf Stufe der FIS-Rennen schauen, da hat es teils über 100 Athleten am Start.»

Aus dem Weltcup ist die Disziplin verschwunden

Indirekte Unterstützung erhält Lehmann von Shiffrin. Die US-Amerikanerin bestritt ihre erste WM-Kombi. Sie sagt: «Eine Kombi aus Abfahrt und Slalom wäre ich nicht gefahren, weil es nicht in meinen Zeitplan gepasst hätte.»

Kombi-Weltmeisterin Mikaela Shiffrin.

Kombi-Weltmeisterin Mikaela Shiffrin.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Sollten die Stars dem Format mit Super-G tatsächlich einen höheren Stellenwert einräumen, könnte das der Disziplin neues Leben einhauchen. Allerdings müsste es dafür überhaupt Rennen im Weltcup geben – in dieser Saison stehen nur die WM-Rennen im Kalender.

Michelle Gisin, die Bronze gewann, sagt: «Würde man die Disziplin wieder öfter austragen, würde sie für viele interessanter. Weil es wichtige Punkte für den Gesamt-Weltcup zu gewinnen gäbe.»

Daran glaubt auch Lehmann, wie er in der Vergangenheit immer wieder betonte. Er sagt: «An der Basis zeigt sich ja, dass es funktioniert. Wenn man die Kombination aber mit zwei solchen WM-Rennen kaputtmacht – ja dann...» Könnte die Disziplin verschwinden.

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