Feuz, der Testpilot

Die Schweizer Männer erleben einen lauen WM-Auftakt. Beat Feuz muss mit Startnummer 1 den Super-G eröffnen. Er liefert vor allem Anhaltspunkte für die nächsten Fahrer.

Claudio Zanini, Åre
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Nur Platz 18: Drei, vier Stellen würde Beat Feuz ein zweites Mal nicht mehr gleich meistern. (Bild: Gabriele Facciotti/AP (Åre, 6. Februar 2019))

Nur Platz 18: Drei, vier Stellen würde Beat Feuz ein zweites Mal nicht mehr gleich meistern. (Bild: Gabriele Facciotti/AP (Åre, 6. Februar 2019))

Beat Feuz eilt der Ruf voraus, ein Mann für die grossen Rennen zu sein. Wenn es drauf ankommt, ist mit ihm zu rechnen. Auch im Super-G, seinem zweiten Standbein im Skizirkus. Feuz hat in Südkorea vor einem Jahr Olympiasilber gewonnen in dieser Disziplin, in der er nicht per se zu den aussichtsreichsten Medaillenkandidaten zählt. Obwohl ihm diese Sparte, in der vieles von der Intuition abhängt, eigentlich liegen müsste. Und das Gespür für den Berg ist die Kernkompetenz von Feuz.

Doch in diesem WM-Super-G hätte er Magie benötigt. Denn der Emmentaler musste das Rennen mit der Startnummer 1 eröffnen, ein Nachteil. Dazu kam es, weil Feuz in der Weltcup-Startliste Position 10 belegte. Da die ersten zehn sich für eine ungerade Startnummer zwischen 1 und 19 entscheiden müssen, kam er als Zehnter zuletzt zum Zug. Übrig blieb nur noch die 1. In einer Abfahrt kann das ein Vorteil sein. Im Super-G nicht, weil die Trainingsfahrten fehlen und Schwierigkeiten erst im Rennen sichtbar werden.

«Die Zukunft des Skisports»

Feuz hat dieses Auswahlprozedere in der Vergangenheit schon kritisiert. In Åre sagte er, er sei der «Testpilot» gewesen. Er lieferte für die folgenden Fahrer Anhaltspunkte, für sich selbst sprang nichts heraus. Platz 18, eine Sekunde Rückstand auf Sieger Dominik Paris. Der Südtiroler ging mit der Nummer 3 auf die Piste. Die Fahrt von Feuz hatte er noch gesehen. Und er sah, wo der Schweizer Mühe hatte. Feuz hatte mit den Lichtverhältnissen zu kämpfen, wie viele andere auch. Eine Viertelstunde vor dem Rennen war es hell, Sonnenschein, dann wurde es dunkel. Feuz sprach von drei, vier Stellen, die er ein zweites Mal nicht mehr so meistern würde. Er sagte aber auch: «Heute hatte niemand eine perfekte Fahrt erwischt.»

Direkt nach Feuz war die Reihe an Thomas Tumler, der Bündner hatte zwischenzeitlich über eine halbe Sekunde Vorsprung, schied aber aus. Der Nidwaldner Marco Odermatt ging als dritter Schweizer auf den Kurs. Der sechsfache Juniorenweltmeister, der erstmals bei einer WM der Elite im Einsatz stand, hat in dieser Saison auch die Aufgabe zu meistern, sich von den Lobgesängen nicht verrückt machen zu lassen. Als Odermatt sich aus dem Starthaus katapultierte, kündete ihn der Speaker als «Die Zukunft des Skisports» an. Der 21-Jährige sorgte für das beste Schweizer Ergebnis mit dem 12. Platz. Er sagte, es sei eine solide Fahrt gewesen. «Aber für ganz vorne fehlt noch einiges.» Zeitlich gesehen fehlte nicht so viel, die Abstände waren klein. «Wenn man sieht, wie eng das Klassement ist, dann hätte es für den vierten Platz reichen können. Dies bringt aber auch nicht viel mehr», sagte er.

Feuz nicht vorne, Tumler nicht vorne, Odermatt ebenfalls nicht. Man konnte aus Schweizer Sicht immer noch auf Mauro Caviezel hoffen. Immerhin der einzige Schweizer, der in diesem Winter auf einem Super-G-Podest stand. Aber auch Caviezel schied aus. Es sei ein Vorteil gewesen, erst mit der Nummer 17 starten zu müssen, sagte Caviezel. «Aber es gab ein paar tückische Stellen. Das Licht war sicher nicht hilfreich.» Die schwierigen Verhältnisse widerspiegelten sich auch in der Schlussrangliste: 21 Ausfälle total.

Und so wurde es ein lauer WM-Auftakt der Schweizer Speed-Männer. Ein Debakel ist das nicht, vor allem im Super-G lässt sich ein gewisses Mass an Zufälligkeit nicht verhindern. Es braucht eben auch Glück, Beat Feuz umschrieb die Disziplin kürzlich sogar als «Lotterie». Gerade er mit seiner Verletzungsgeschichte wird bei diesen diffusen Lichtverhältnissen nicht das letzte Risiko auf sich genommen haben. Am Samstag folgt die Abfahrt. Für Feuz die Möglichkeit zu zeigen, dass ihm grosse Rennen liegen.

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