Ski-Weltcup
«Man muss den Respekt ablegen und attackieren»: Lara Gut-Behrami lässt in St. Moritz Sofia Goggia hinter sich

Lara Gut-Behrami gewinnt den ersten Super-G von St. Moritz. Sofia Goggia, die Dominatorin der bisherigen Speedrennen, landet auf dem 2. Platz. Zweitbeste Schweizerin wird Wendy Holdener auf Platz 7.

Claudio Zanini, St. Moritz
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Lara Gut-Behrami feiert in St. Moritz ihren 33. Weltcupsieg.

Lara Gut-Behrami feiert in St. Moritz ihren 33. Weltcupsieg.

Peter Schneider/Keystone

Nein, eine spezielle Bedeutung habe St. Moritz nicht für sie, sagte Lara Gut-Behrami am Freitagabend vor dem Rennen. «Naja, ich habe zweimal gewonnen hier, das ist nicht gerade viel. Aber in Lenzerheide hatte ich mehr Erfolg gehabt als in St. Moritz.» Man mag entgegen halten, dass sie im Oberengadin ihre allererste Weltcup-Abfahrt bestritt, ihren allerersten Sieg feierte. Und 2016 beim Weltcupfinale die grosse Kristallkugel für ihren bisher einzigen Gesamtweltcup überreicht bekam. Aber speziell, nein. Gut-Behrami sagte:

«Man sucht immer Geschichten, aber man sollte das relativieren.»

Die Strecke in St. Moritz bezeichnet sie aber trotzdem als «eine der schönsten» im Weltcup. Im Super-G vom Samstag fühlte sie sich sichtlich wohl, trotz der diffusen Sicht. Die Fahrt war mutig, aber auch souverän. «Die Sicht war schlecht, doch die Piste war so gut. Man musste sich nur trauen. In St. Moritz muss man den Respekt ablegen und attackieren.» Sie schlug damit diejenige Frau, die oftmals mehr attackiert als alle anderen, Sofia Goggia. Die Dominatorin der ersten Speedrennen landete mit 18 Hundertstelsekunden Rückstand auf Platz 2. Dritte wurde Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin hatte aber bereits eine Sekunde Rückstand auf Goggia.

Das Podest des ersten Super-Gs von St. Moritz: Lara Gut-Behrami (Mitte), Sofia Goggia (links) und Mikaela Shiffrin (rechts).

Das Podest des ersten Super-Gs von St. Moritz: Lara Gut-Behrami (Mitte), Sofia Goggia (links) und Mikaela Shiffrin (rechts).

Peter Schneider/Keystone

Als Gut-Behrami mit Startnummer 6 ins Rennen ging, führte die Italienerin Elena Curtoni. Die Schweizerin holte bis im Ziel einen Vorsprung von 1,75 Sekunden heraus. Zittern musste sie eigentlich nur noch während der Fahrt von Sofia Goggia, die ihren Rückstand im unteren Teil noch reduzieren konnte. Gut-Behrami, die in den letzten Wochen mit der Folgen einer Grippe kämpfte und der oft die Energie fehlte, schien sich am Samstag sehr gut zu fühlen. «Ich habe es genossen heute. In den letzten Wochen hatte ich immer ein wenig Mühe, die Kraft zu haben», sagte sie.

Holdener reagiert mit Coolness

Vom Schweizer Team positionieren sich drei Athletinnen in den Top Ten. Ein positives Signal sendet dabei Wendy Holdener aus. Die Schwyzerin klassiert sich als zweitbeste Schweizerin auf Rang 7. Holdener sagte: «Die schlechte Sicht machte mich etwas nervös. Dass ich es dann so cool angegangen bin, macht mir richtig Freude.» Sie habe offensiv und aktiv fahren wollen, was ihr auch gelungen sei. Holdener, die Slalomspezialistin, hatte wenige Speedtage in den letzten Wochen, insofern ist das Ergebnis beachtlich. Drittbeste Schweizerin war Jasmine Flury auf dem 10. Platz.

Die zweitbeste Schweizerin: Wendy Holdener.

Die zweitbeste Schweizerin: Wendy Holdener.

Peter Schneider/Keystone

Unter ihrem Wert geschlagen wurde Corinne Suter. Die Schwyzerin hatte fast drei Sekunden Rückstand auf die Spitze, was nur zu Rang 21 reichte. Dass Suter enttäuscht war, zeigte auch der Fakt, dass sie ziemlich schnell aus dem Zielraum verschwand. Etwas besser lief es Michelle Gisin (14.), Joana Hählen (15.) und vor allem Noémi Kolly. Die Freiburgerin ging mit der Nummer 51 ins Rennen und landete auf Platz 17.

Ob St. Moritz für Gut-Behrami vielleicht doch noch zum magischen Ort wird? Die Frage wird ihr direkt im Anschluss an das Rennen im Zielraum gestellt. «Nein», sagte sie. Zumindest statistisch hat der Ort eine Sonderstellung. In St. Moritz stand sie nun sieben Mal auf dem Podest, dreimal zuoberst. In Lenzerheide kamen fünf Podestplätze - davon zwei Siege - zusammen. Dass Gut-Behrami am Sonntag beim zweiten Super-G auf der Corviglia die Gejagte sein wird, versteht sich von selbst.

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