Automobil
Silbernes Titel-Duell und neue Hoffnungen in der Formel 1

Nach vierwöchiger Pause meldet sich die Formel 1 in Belgien zurück. Derweil die einen in den verbleibenden acht Rennen Verpasstes nachholen wollen, streben andere den Verbleib auf der Erfolgswelle an. Im Titelkampf ist Spannung (fast) garantiert.

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Dominant

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AP

Wie vor einem Jahr mit Red Bull-Renault wird die WM in der Königsklasse des Automobilsports auch heuer von einem Team dominiert. Anders als in der letzten Saison, als Sebastian Vettel 13 Siege errang, ist ein Monolog allerdings nur in der Wertung der Konstrukteure gegeben - Mercedes führt mit 393:219 Punkten vor den "roten Bullen". Im Kampf um den WM-Titel bei den Fahrern deutet vieles darauf hin, dass die Entscheidung erst im letzten Rennen in Abu Dhabi fallen wird, zumal im letzten Grand Prix erstmals die doppelte Punktzahl vergeben wird.

Die beiden Mercedes-Fahrer Nico Rosberg und Lewis Hamilton sind nach 11 von 19 Saisonrennen an der Spitze lediglich durch elf Zähler getrennt. In den letzten anderthalb Monaten vor der Sommerpause war Hamilton zwar alles andere als vom Glück begünstigt, doch trotz diverser technischer Defekte - überhitzte Bremsen, kaputte Bremsscheibe, Benzinleck - liess sich der Brite von Rosberg nicht distanzieren. In den letzten vier Grands Prix bewies Hamilton ein ums andere Mal seine fahrerische Klasse, indem er sich nach verpatzten Qualifyings in den Rennen um insgesamt 47 (!) Positionen nach vorne kämpfte.

Geringe Fehlerquote

Zuletzt behielt Hamilton in Ungarn gegenüber seinem von der Pole-Position gestarteten deutschen Teamkollegen die Nase vorn und wurde Dritter, obschon er aus der Boxengasse hatte starten müssen. Auf dem Weg zu seinem neunten Podestplatz des Jahres ignorierte Hamilton den per Funk mitgeteilten Befehl der Mercedes-Crew, den mit frischeren Reifen fahrenden Rosberg vorbeizulassen.

Nicht erst seit diesem Zwischenfall ist die Atmosphäre zwischen den beiden Fahrern aufgeheizt. Rosberg und Hamilton liefern sich auf den Rennstrecken teaminterne Duelle auf höchstem Level, gleichzeitig wurde der Kampf um die WM-Krone abseits der Circuits längst auch auf die psychologische und verbale Ebene transportiert. "Beide Fahrer pushen sich auf ein neues Niveau, weil man beim jeweils anderen sieht, was noch möglich ist. Es ist unglaublich, was für eine geringe Fehlerquote beide haben", schwärmte Paddy Lowe, der Technikverantwortliche bei Mercedes, jüngst gegenüber "Autosport.com".

Vettel in der Defensive

Sechsmal bereits durfte das Mercedes-Werkteam 2014 über einen Doppelsieg jubeln. Nur zweimal, in Kanada und in Ungarn, gewannen die Silberpfeile nicht; beide Male stand Daniel Ricciardo zuoberst auf dem Podest. Der 25-jährige Australier war in seiner ersten Saison als Teamkollege von Sebastian Vettel bislang zweifellos die grosse Überraschung. Im internen Qualifying-Duell führt Ricciardo gegen den viermaligen Weltmeister mit 7:4, in der WM-Wertung hat die drittplatzierte Frohnatur aus Perth 43 Punkte mehr auf dem Konto als Vettel.

Die Experten verblüfft hat vor der Sommerpause auch Valtteri Bottas. Der Finne errang im Williams-Mercedes in Spielberg, Silverstone und Hockenheim dreimal de suite einen Podest-Rang und gilt seither als derjenige Fahrer, der als nächster seinen Premierensieg feiern wird - vielleicht schon an diesem Wochenende in Francorchamps. Als derzeit überraschender WM-Fünfter hat Bottas mehr als doppelt so viele Zähler (95:40) herausgefahren wie sein namhafter Teamgefährte Felipe Massa, dem es im bisherigen Saisonverlauf indes als Einzigem gelungen ist, Mercedes in einem Qualifying (Spielberg) zu besiegen.

Sauber zuletzt stärker als Lotus

Das mit Spannung erwartete interne Duell bei Ferrari zwischen Fernando Alonso und Kimi Räikkönen war bislang wenig brisant - zu schwach erwies sich der finnische Weltmeister von 2007. Wie Vettel bei Red Bull tut sich Räikkönen mit dem neuen Dienstauto mit Turbo-Antrieb in nie erwartetem Ausmass schwer, sodass für ihn ein 6. Platz als Bestresultat zu Buche steht. Für Räikkönen und Ferrari geht es bis zum Saisonende darum, die richtigen Schlüsse im Hinblick auf die WM 2015 zu ziehen, für welche das Reglement keine einschneidenden Änderungen erfährt.

Eine Saison zum Vergessen erlebte bislang auch das Team Sauber; erstmals mussten sich die Hinwiler ohne Punkte in die Sommerpause verabschieden. Gleichwohl ist etwas Optimismus im Hinblick auf die bevorstehenden Aufgaben durchaus angebracht. Zuletzt bewegte sich Sauber auf dem gleichen Leistungsniveau wie Toro Rosso und hinterliess den besseren Eindruck als Lotus-Renault, das mit acht Punkten zwei Ränge vor dem Schweizer Rennstall auf dem 8. Platz der Teamwertung klassiert ist. "Wir werden gestärkt aus der Pause zurückkommen", ist Saubers Teamchefin Monisha Kaltenborn überzeugt. (si)

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