Für die Verteidigung der beiden russischen Toplangläufer Alexander Legkow und Jewgeni Below etwa steht fest: Ein manipuliertes Dopingfläschchen von den Spielen 2014 in Sotschi reicht zur Verurteilung der Athleten nicht aus. Doch genau dies ist der Plan der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingesetzten Kommission unter Leitung des Schweizer IOC-Exekutivmitglieds Denis Oswald.

Am Montag, 30. Oktober beginnt die Kommission mit der Anhörung der durch den McLaren-Report dopingverdächtigten russischen Olympioniken. Am Morgen zuerst Legkow und Below, danach die von der FIS im letzten Dezember ebenfalls provisorisch suspendierten Maxim Wylegschanin, Alexej Petuchow, Julia Iwanowa und Jegenija Schapowalowa. Noch am gleichen Tag will Oswald die Urteile fällen.

Im Interview mit der «Nordwestschweiz» sagte Oswald vor kurzem, dass er davon ausgehe, mindestens 29 Russen «im Prinzip» überführen zu können. Darunter wohl auch die sechs Langläufer. Bei einer Verurteilung werden die Resultate von Sotschi annulliert und die Langläufer für die kommenden Winterspiele in Pyeongchang nicht zugelassen. Am internationalen Skiverband (FIS) liegt es danach, die sechs Russen definitiv für alle Wettkämpfe zu sperren.

Entscheid fällt noch im Oktober

Die FIS ist wohl auch der Grund, wieso Oswald noch im Oktober eine Entscheidung fällen will. Denn am Dienstag läuft die provisorische Sperre gegen Legkow und Co. aus. Gemäss einem Urteil des internationalen Sportgerichtshofs in Lausanne (CAS), der die Rechtmässigkeit dieser provisorischen Massnahme überprüft hat, muss die FIS den Bann gegen das
Sextett nächste Woche beenden – ausser relevante neue Beweise werden vorgelegt.

Was darunter zu verstehen ist, bleibt umstritten. Im Gegensatz zu anderen russischen Sportlern ist etwa die Beweiskette gegen Legkow relativ dünn. Die Oswald-Kommission wird sich voll und ganz auf die manipulierte Probe aus Sotschi – es gab von Legkow und Below während den Winterspielen auch vier Proben, bei denen der Verdacht auf Manipulation durch die forensische Untersuchung nicht erhärtet werden konnte – stützen.

Auf eine eigene DNA-Analyse von Legkows Urin oder auf eine direkte Befragung von McLarens Kronzeuge Dr. Grigori Rodschenkow hat die Kommission offenbar verzichtet. Legkows renommierter deutscher Anwalt Christof Wieschemann bezweifelt, ob dies ausreichen wird.

Athleten werden Verurteilung anfechten

Er verweist auf das Urteil des CAS. Dieses hält unter anderem fest, dass «es sein kann, dass die aufgedeckten Beweise ungeachtet des beunruhigenden Hintergrunds die Anforderungen nicht erfüllen, um Sanktionen auszusprechen.»

Definitiv darüber urteilen müsste bei einem Schuldspruch durch die Oswald-Kommission das CAS selbst. Denn Wieschemann lässt keinen Zweifel daran, dass die Athleten eine Verurteilung anfechten werden.

Allerdings wird ein Anrufen des Sportgerichtshofs zum Wettlauf gegen die Zeit. Schliesslich wollen Legkow und Co. in Pyeongchang Sundby und Cologna nicht nur herausfordern, sondern nach Möglichkeit bezwingen. So wie in Sotschi.