SFV im Dilemma
Bald soll der Amateurfussball wieder erlaubt sein – viele Klubs wünschen sich dennoch einen Abbruch

Der Bundesrat stellt in Aussicht, dass ab Ende Mai der Fussball auf den Sportplätzen wieder rollen darf. In einer Umfrage sprechen sich viele Vereine aber für einen Abbruch aus. Wie entscheidet der SFV?

Raphael Gutzwiller
Merken
Drucken
Teilen
Solche Duelle wie hier zwischen dem FC Sarmenstorf (vorne) und dem FC Fislisbach sollen ab dem 31. Mai wieder erlaubt sein.

Solche Duelle wie hier zwischen dem FC Sarmenstorf (vorne) und dem FC Fislisbach sollen ab dem 31. Mai wieder erlaubt sein.

Alexander Wagner (29. August 2020)

Endlich soll er kommen, der Lockerungsschritt, der auch dem Amateurfussball helfen soll. Viele Hobbykicker mussten sich in den letzten Wochen an Distanz- oder Maskentraining gewöhnen, Wettkämpfe waren bis anhin nicht erlaubt. Dennoch hat der Schweizerische Fussballverband (SFV) die Spielzeit noch nicht abgebrochen.

Das zahlt sich jetzt für den Amateurfussball aus. Der Bundesrat stellt in Aussicht, dass ab dem 31. Mai der Fussball wieder auf den Sportplätzen rollen darf. Dann dürften Gruppen bis zu 30 Personen uneingeschränkt kicken. Für die Ligen gilt gar eine Gruppengrösse von 50 Personen. Dazu kommen maximal 300 Zuschauer, die am Spielfeldrand erlaubt sind.

SFV: «Wir hoffen, die Kantone folgen dem Bundesrat»

Selbstverständlich freut man sich beim SFV über diese geplanten Öffnungsschritte. «Wir begrüssen den Plan des Bundesrats, ab dem 31. Mai wieder auf allen Plätzen des Landes Fussball spielen zu dürfen und hoffen, dass die Kantone dem Bundesrat folgen werden», schreibt der SFV in einem Statement. «Dadurch könnten endlich wieder alle Spielerinnen und Spieler, die so lange auf ihren geliebten Sport verzichten mussten, Fussball spielen. Es entspricht dem Kernziel des SFV – dass möglichst viele Menschen im Land diesen Sport ausüben können.»

Beim SFV scheint die Sachlage ziemlich klar: Er will die unterbrochene Herbstrunde noch zu Ende spielen und die Ligen nach der Hälfte der Partien werten. Damit dies möglich ist, wurde Anfang dieser Spielzeit das Reglement entsprechend angepasst.

Viele möchten den Abbruch

Die Pläne widersprechen jedoch der Meinung vieler Klubs. In einer Umfrage wollten einige aufmüpfige Fussballfunktionäre von den Vereinen wissen, wie sie dazu stehen. 461 Vereine der fast 1400 im Schweizerischen Fussballverband haben in der Umfrage Stellung genommen.

Dabei stechen vor allem diese beiden Zahlen ins Auge:

  • 56 Prozent der Klubs geben an, dass sie die Saison lieber abbrechen möchten.

Screenshot Umfrage
  • Unter der Voraussetzung, dass es nur Aufsteiger, aber keine Absteiger geben würde nach dem derzeitigen Stand, sprachen sich sogar 71 Prozent der Vereine für den Abbruch der Meisterschaft aus.

Screenshot Umfrage

Trotz der Meinung der Vereine möchte der SFV an den gemachten Plänen festhalten. Aus Kreisen des Verbandes erachtet man die Umfrage, die von Funktionären abstiegsbedrohter Vereine durchgeführt wurde, als zu wenig repräsentativ.

Deshalb wird der SFV aller Voraussicht nach die Saison zu Ende spielen lassen. Es passt ins Bild: Der SFV hatte klargemacht, die Saison irgendwie zu Ende spielen zu wollen. Als statt den erhofften Lockerungsschritten am 21. April nur solche getätigt wurden, die dem Amateurfussball wenig nützten, erwarteten viele, dass der Verband die Saison vorzeitig abbricht. Der SFV hat dazu zu einer virtuellen Medienkonferenz geladen. Statt die Saison abzubrechen, forderte der Verband den Bundesrat auf, schnellere Öffnungen zu tätigen. Als Stichdatum setzte sich der SFV Ende Mai.

Wenn der SFV jetzt von sich aus die Saison abbrechen würde, wäre das mehr als fragwürdig. Wie der Schweizerische Fussballverband gedenkt, seine Saison zu Ende zu spielen, entscheidet er in der Woche vom 17. Mai. Ob die Lockerungsschritte wie geplant erfolgen, beschliesst der Bundesrat am 26. Mai. Erst hört er noch die Kantone an.