Er soll nicht weniger als den russischen Stolz zurückerobern. Dabei ist Sergej Karjakin ja eigentlich in der Ukraine geboren. Mehr noch: auf der mittlerweile von Russland annektierten Halbinsel Krim. Der heute 26-Jährige wurde mit 12 Jahren jüngster Grossmeister der Schachgeschichte. Doch er sah sich in der Ukraine bald zu wenig gefördert und nahm 2009 die russische Staatsbürgerschaft an.

Inzwischen gilt Karjakin als grosser Anhänger von Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Politisch brisant. Aber das passt zum Schachsport. Als der US-Amerikaner Bobby Fischer 1972 Weltmeister wurde und dabei den Russen Boris Spasski besiegte, fiel das in die Zeit des Kalten Krieges. Das Duell war quasi die Fortsetzung auf dem Schachbrett. Gerüchten zufolge soll sich Fischer gar seine Amalgam-Füllungen aus den Zähnen entfernt haben lassen, weil er befürchtete, dass er von Russen verwanzt wurde.

So brisant ist das aktuelle WM-Duell zwischen dem Norweger Magnus Carlsen und Sergej Karjakin nicht. Trotzdem: Das Team des Norwegers arbeitete in der Vorbereitung eng mit Microsoft zusammen und sicherte die Computer mit einer Software, die auf dem Niveau des US-Verteidigungsministeriums gewesen sein soll. Offiziell soll das nichts mit Russland zu tun gehabt haben. Aber sicher ist sicher – und Spione sind vielleicht überall.

Häufig auf die Toilette

Seit Computer besser Schach spielen als Menschen, werden die technischen Hilfsmittel immer wichtiger. Und öffnen die Tore für Betrug. Die beiden Spieler werden aktuell in New York vor jedem WM-Duell mit Detektoren abgesucht, damit ja kein Hilfsmittel irgendwie den Weg in den Veranstaltungsraum findet. 2006 hatte der Russe Wladimir Kramnik im WM-Duell häufig oft die Toilette aufgesucht und wurde bald verdächtigt, dort einen Computer zurate gezogen zu haben. Er wurde Weltmeister und nach dem Turnier ein Kabel auf dem WC gefunden. Beweise für einen Betrug gab es aber nicht.

Ganz legal hingegen ist, dass in der Vorbereitung den Spielern viele Grossmeister helfen. Wer genau als Ratgeber im Hintergrund mitwirkt, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Spekuliert wird, dass Karjakin fast alle russischen Grossmeister im Rücken hat – finanziert von Putin. Schliesslich setzt Russland alles daran, dass Karjakin die lange Tradition von russischen Weltmeistern wieder belebt.