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Sein bisher wichtigster Sieg: Aargauer Silvan Dillier gewinnt die 6. Etappe des Giro d'Italia

Kam am Donnerstag in Terme Luigiane zu seinem bislang wichtigsten Karrierensieg: der Aargauer Silvan Dillier (Archivbild)

Kam am Donnerstag in Terme Luigiane zu seinem bislang wichtigsten Karrierensieg: der Aargauer Silvan Dillier (Archivbild)

Silvan Dillier hat die 6. Etappe des Giro d'Italia gewonnen. Der 26-jährige Aargauer vom schweizerisch-amerikanischen Team BMC sorgte für den ersten Schweizer Tagessieg beim Giro seit 2010 (Johann Tschopp).

Dass er am Ende des Tages als grosser Sieger dastehen würde, daran verschwendete Silvan Dillier unmittelbar nach dem Start in Reggio Calabria keinen einzigen Gedanken. Gleich auf dem ersten Kilometer nach der Freigabe des Rennens beklagte der Profi vom amerikanisch-schweizerischen Team BMC einen «Platten». Danach ging es für Dillier – wollte er nicht 217 km alleine fahren – darum, so schnell wie möglich wieder im Feld Unterschlupf zu finden. «Wohl an die zehn Kilometer dauerte es, bis ich mich zurückgekämpft hatte», so der 26-jährige Aargauer.

Danach trauerte Dillier, der von der Teamführung die Freiheit erhalten hatte, sich einer Spitzengruppe anzuschliessen, der entgangenen Chance nach. Doch nur für kurze Zeit, denn alsbald hörte er über den Team-Funk, dass sich das Ausreisser-Trio mit Jasper Stuyven, Mads Pedersen und Lukas Pöstlberger noch in Reichweite befände. Flugs kämpfte er sich durchs ganze Feld und nahm mit dem Italiener Simone Andreetta die Verfolgung auf. «Auch diese zehn Kilometer, bis wir es nach vorne geschafft hatten, waren wieder heftig.»

Starke Ausreissergruppe

Obwohl der Maximalvorsprung des Spitzen-Quintetts bald einmal fast neun Minuten betrug, war auch danach mit Ausruhen nichts. «Ab dem Zeitpunkt, als es noch 70 Kilometer bis ins Ziel waren, fuhren wir alle voll.» Obwohl hinten mehrere Teams bei der Nachführarbeit halfen, pendelte sich der Vorsprung der Ausreisser über Dutzende Kilometer bei fünf Minuten ein. Rund 20 km vor dem Ziel sei dann klar gewesen, dass man durchkomme, so Dillier. Ab diesem Zeitpunkt ging es für den Aargauer darum, sich nicht von einer Attacke eines Gegners überraschen zu lassen. 

Pedersen, der für seinen Trek-Teamkollegen Stuyven viel Führungsarbeit geleistet hatte, konnte sieben Kilometer vor dem Ziel nicht mehr folgen. Kurz danach – beim Antritt von Stuyven – auch Andreetta nicht. Dillier hingegen sprintete sofort ans Hinterrad des Belgiers: «Einem Fahrer wie ihm darfst du nicht 50 Meter Vorsprung geben, sonst ist er weg.» Auch der Österreicher Pöstlberger, der Sieger der ersten Etappe in Olbia, blieb dran.

Weitere Versuche, sich von den Konkurrenten abzusetzen, gab es nicht mehr. Erst 200 m vor der Ziellinie war es Dillier, der aus dritter Position den Sprint lancierte. «Ich verliess mich auf meine Kraft und darauf, dass ich auch auf der ansteigenden Zielgeraden diesen grossen Gang drücken und es durchziehen kann.»

Dennoch wurde es für den ehemaligen U23-Europameister in der Einzelverfolgung, der im vergangenen Jahr mit dem Bahn-Vierer auch an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnahm, gegenüber Stuyven knapp. Am Ende entschied weniger als eine halbe Radbreite zu Dilliers Gunsten. Der 25-jährige Belgier, der bei Trek während dreier Jahre Teamkollege von Fabian Cancellara war, drosch ob seiner grossen Enttäuschung heftig auf den Lenker ein.

Umso grösser hingegen die Freude bei Silvan Dillier, der nach seinen vielen Erfolgen auf Junioren- und U23-Stufe bei der Elite nicht mehr zu den Siegfahrern gehört hatte. «Seit fast zwei Jahren konnte ich nicht mehr gewinnen. Da braucht es dann schon wieder einmal einen Tag wie heute, damit das Selbstvertrauen zurückkommt», gab der Aargauer nach seinem ersten Triumph an einer grossen Rundfahrt zu.

Seltene Schweizer Siege

Schweizer Etappensiege im Allgemeinen haben am Giro, der Tour de France und der Spanien-Rundfahrt Seltenheitswert. Für den zuvor letzten solchen Triumph eines Schweizer Radprofis hatte der Luzerner Mathias Frank Anfang September 2016 in der 17. Vuelta-Etappe gesorgt. In Frankreich gewann letztmals Cancellara Ende Juni 2012 in Lüttich den Prolog.

Beim Giro datierte der letzte Schweizer Etappensieg gar vom 29. Mai 2010. Damals hatte der Walliser Johann Tschopp die 20. und vorletzte Etappe mit der Bergankunft auf dem Passo Tonale solo gewonnen. Dieser fast sieben Jahre dauernden Durststrecke setzte Dillier nun mit seinem bravourösen Sprint in Terme Luigiane ein Ende.

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