Internationales Olympisches Komitee

Schweizer bewirbt sich als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees

Denis Oswald.

Denis Oswald.

Die sechs Kandidaten für die Nachfolge von IOC-Präsident Jacques Rogge präsentieren sich am Donnerstag in Lausanne den wahlberechtigten Mitgliedern. Zur Verfügung stellt sich mit Denis Oswald auch ein Schweizer.

Um 8.45 Uhr fährt am Mittwoch die Limousine mit Denis Oswald vor dem Kongresszentrum Beaulieu in Lausanne vor, wo sich die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur ausserordentlichen Session versammeln.

Noch vor dem Eingang trifft Oswald auf seine Schweizer IOC-Kollegen René Fasel und Gian Franco Kasper. In der fast leeren Empfangshalle kommt ihm Radsport-Präsident Pato McQuaid entgegen. Herzliche Begrüssung, angeregtes Gespräch.

Am Rande des zweitägigen Sitzungsprogramms, an dem sich unter anderem auch die Kandidatenstädte für die Olympischen Sommerspiele 2020 (Tokio, Madrid und Istanbul) vorstellen, schüttelt Oswald noch manche Hand und führt das eine oder andere informelle Gespräch.

Der Neuenburger Anwalt befindet sich mitten im Wahlkampf um das IOC-Präsidium. Der Nachfolger des Belgiers Jacques Rogge wird am 10. September auf der nächsten IOC-Session in Buenos Aires gewählt.

Oswald und seinen fünf Mitbewerbern (siehe Kasten rechts) stehen am Donnerstagabend insgesamt zwei Stunden zur Verfügung, um der Vollversammlung ihr Regierungsprogramm darzulegen.

Der Schweizer Kandidat, seit 1989 Präsident des Ruder-Weltverbandes (Bisa) und seit 1991 IOC-Mitglied, steigt dabei mit einem Fünf-Punkte-Programm ins Rennen – in Anlehnung an die fünf Olympischen Ringe. Die zentralen Themenbereiche lauten: Vision, Werte, Mission, Strukturen, Unsere Spiele.

Herkunft als Hindernis

Der mit 66 Jahren zweitälteste Kandidat gilt als Bewerber mit hohen moralischen Ansprüchen. Die Werte müssten im Zentrum der Anstrengungen stehen und verlangten Respekt nach allen Seiten, sagt Oswald.

«Das IOC muss Garant dieser Werte und Vorbild für alle Sportverbände sein.» Im Falle einer Wahl möchte er noch mehr Sportarten in den olympischen Kanon aufnehmen, wobei insbesondere im bereits umfangreichen Programm der Sommerspiele die Zahl einzelner Disziplinen reduziert werden müsste.

Für Oswald spricht seine Erfahrung. Als Ruderer nahm er selber an drei Olympischen Spielen teil. 1968 gewann er in Mexico City die Bronzemedaille. Als Sportfunktionär agierte er mit diplomatischem Geschick.

Dabei engagierte er sich unter anderem als Richter beim internationalen Sportgerichtshof CAS. Bis im vergangenen Jahr war er zudem Vorsitzender der Vereinigung der olympischen Sommersport-Verbände.

Dennoch werden Oswald bei der Wahl um die Rogge-Nachfolge nur Aussenseiter-Chancen eingeräumt. Neben seinem Alter dürfte auch seine Herkunft ein Hindernis sein. Da die Schweiz nicht nur den IOC-Hauptsitz in Lausanne geherbergt, sondern auch gleich fünf Mitglieder im Komitee stellt (neben Oswald, Fasel und Kasper auch Fifa-Präsident Sepp Blatter und Basketball-Präsident Patrick Baumann), ist der Drang im IOC eher gering, ihr noch mehr Einfluss zuzugestehen.

Die sechs Präsidentschaftskandidaten erklären sich in Lausanne das erste und einzige Mal, Nachfragen an sie sind laut IOC-Statuten nicht erlaubt. Bis zur Wahl im September werden die Kandidaten keine offiziellen Statements zu ihren Plänen mehr abgeben.

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