Eishockey-Woche

SCB-Krise, ZSC-Höhenflug, HCD-Neubeginn und wie lange fliegt Rappi? Das sind die wichtigsten Hockey-Themen der Woche

Der finnische SCB-Verteidiger Miika Koivisto ist eine «Nullnummer» in Europas bester Liga. Bild: freshfocus

Der finnische SCB-Verteidiger Miika Koivisto ist eine «Nullnummer» in Europas bester Liga. Bild: freshfocus

Der SCB in der Krise – warum? Der ZSC im Höhenflug – was bedeutet «schwedisches Hockey» wirklich? Verblasst der Ruhm von Arno del Curto in Davos tatsächlich so schnell? Und wie wichtig ist eigentlich ein «September MVP». Klaus Zaugg liefert den Überblick in seiner Wochenrundschau.

#1 – der September-MVP

Wenn die Blätter noch nicht von den Bäumen gefallen sind, ist es eigentlich zu früh, um schon einen MVP zu bestimmen. Eigentlich. Aber die Rapperswil-Jona Lakers haben im September so sehr entgegen allen düsteren Erwartungen gespielt, dass in ihren Reihen der MVP gesucht werden muss. Es ist Torhüter Melvin Nyffeler. Er hat sechs Partien bestritten, Punkte für sein Team gestohlen und sogar das Direktduell gegen Zugs Leonardo Genoni (4:3 n. V) gewonnen. Wollen die Lakers in die Playoffs, muss Melvin Nyffeler auch der Oktober-MVP, der November-MVP, der Dezember-MVP, der Januar-MVP und der Februar-MVP sein.

#2 – zerbrochene Schablonen Schablonen

Fünf Niederlagen in Serie und 18 Gegentore in den letzten vier Partien für den SC Bern. So oft hintereinander hat der Titelverteidiger unter Kari Jalonen noch nie verloren. Das «Schablonen-Hockey», das der finnische Trainer im Herbst 2016 eingeführt hat und die beinahe religiöse taktische Systemtreue haben dem SCB drei Qualifikationssiege und zwei Titel eingebracht. Der stoische Trainer prägt den SCB-Stil: nüchtern, diszipliniert, langweilig. Nun ist die grosse Frage: Kann der SCB diszipliniert, nüchtern und langweilig aus dem Zwischentief herauskommen?

#3 – verblasst der Mythos Arno Del Curto?

Etwas mehr als 20 Jahre lang hat Arno Del Curto mit seinem HCD unser Hockey geprägt. Immer und immer wieder ist auch die hohe Trainings- und Spielintensität gerühmt worden. Nun ist der HCD nach den Wirren und der sportlichen Depression der letzten Tage unter Arno Del Curto eine der grossen September-Überraschungen und hat zuletzt unter Trainer-Zauberlehrling Christian Wohlwend auswärts Lausanne 7:1 vom Eis gefegt. Interessant ist, was ein langjähriger, jeder Polemik abholder intimer Kenner der Davoser Hockey-Kultur auf die Frage gesagt hat, was nun anders geworden ist: «Ich war in den letzten Wochen dreimal in der Trainingshalle und die Intensität des Trainings hat mich überrascht. Alles ist viel professioneller als bei Arno…» So schnell kann ein Mythos verblassen.

#4 – was ist eigentlich schwedisches Hockey?

Wenn wir im Zusammenhang mit einem Trainer «Schweden» hören, dann ist der erste Gedanke: Langeweile neben und Langeweile auf dem Eis. Weil alles so gut strukturiert ist. Der neue ZSC-Trainer Rikard Grönborg, mit Schweden zweimal Weltmeister, ist hockeytechnisch kein Schwede. Er ist kommunikativ wie Ralph Krueger oder Chris McSorley und seine ZSC Lions zelebrieren erfrischendes und erfolgreiches Spektakelhockey. Die Zürcher, letzte Saison nicht in den Playoffs, haben vier der letzten fünf Spiele gewonnen.

#5 – der schwächste Verteidiger der gesamten Liga

Miika Koivisto, 29, ist im besten Hockey-Alter. Er kam mit grandiosen Referenzen zum SC Bern: im All-Star-Team der finnischen Liga (2016/17), produktivster Verteidiger der finnischen Liga (2017/18), letzte Saison gut in der KHL (54 Spiele/20 Punkte für Dynamo Moskau) und als Höhepunkt Weltmeister mit Finnland. Und nun ist er beim SCB der schwächste ausländische Spieler der gesamten Liga: kein Skorerpunkt und mit Minus 5 die schlechteste Plus/Minus-Bilanz aller Ausländer. Ein Star in Finnland, ein Weltmeister zu sein reicht heute nicht mehr für unsere National League. Ein Indiz dafür, dass unsere Lauf- und Tempoliga die beste ausserhalb der NHL ist. Miika Koivisto – eine «Nullnummer» in Europas bester Liga.

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