Ringen
Schweizer Meister! Willisau Lions triumphieren nach Eklat

Ein Stinkefinger macht die Willisau Lions zum Schweizer Meister im Ringen. Es ist der 16. Titel der Luzerner Hinterländer.

Simon Gerber
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Nach dem letzten Kampf brechen in der BBZ-Halle die Dämme, die Willisauer feiern den Triumph ausgelassen.

Nach dem letzten Kampf brechen in der BBZ-Halle die Dämme, die Willisauer feiern den Triumph ausgelassen.

Bild: Nadia Schärli (11. Dezember 2021)

Zum Eklat kam es unmittelbar nach der Pause, im sechsten Duell. In der Gewichtsklasse bis 86 Kilo führte der Tschetschene Magomed Ayskhanov von der Ringerstaffel Freiamt im Final der NLA-Mannschaftsmeisterschaft gegen Aussenseiter Reto Reichmuth mit 14:0. Nach einem gefährlichen Griff liess er sich vom Willisauer Publikum provozieren und zeigte ihm den Stinkefinger. Nach diesem Vorfall wurde er vom Kampfrichtertrio disqualifiziert, was dem Gegner vier Mannschaftspunkte einbrachte. «Wir hatten nach dem Reglement gar keine andere Wahl, als so zu entscheiden», erklärte Kampfrichterchef Jean-Claude Zimmermann. «Der Ringer wurde durch sein unsportliches Verhalten disqualifiziert. Dabei ist es mir wichtig festzuhalten, dass die Bierdosen aus dem Willisauer Lager erst nach der Fehlleistung des Athleten auf die Matte flogen.»

Es ist in der Finalserie der Teammeisterschaft das erste Mal, dass Bierdosen, und zwar aus beiden Lagern, auf die Matte geworfen wurden. Der Verband Swiss Wrestling Federation hat hier dringenden Handlungsbedarf.

Willisauer Talente zeigen herausragende Leistung

Nach diesem unrühmlichen Zwischenfall schöpften die Freiämter einen Kampf später wieder Hoffnung. Der EM-Bronzemedaillengewinner von 2019, Randy Vock, gewann mit 3:2-Punkten gegen den höher eingestuften Internationalen Tobias Portmann. Wie schon vor einer Woche im ersten Finalkampf schlug das Pendel in den letzten drei Fights aber wieder auf die Seite der Luzerner Hinterländer. Der in dieser Saison noch ungeschlagene Jonas Bossert ging mit einem herrlichen Hüfterangriff gegen den wendigen Marc Weber mit 4:1 in Führung und baute diese im zweiten Kampfabschnitt auf 8:2 aus. In der zweitletzten Begegnung zeigte Michael Portmann eine weitere herausragende Leistung. Wie schon vor einer Woche besiegte der 20-Jährige dank der grossen Kampfübersicht und seiner klugen Taktik den Olympiateilnehmer Pascal Strebel mit 4:1.

Willisaus Michael Portmann bringt Pascal Strebel (Freiamt) in Bedrängnis.

Willisaus Michael Portmann bringt Pascal Strebel (Freiamt) in Bedrängnis.

Bild: Nadia Schärli (11. Dezember 2021)

Ein weiteres Juwel im Team der Willisauer ist der bisher noch unbesiegte Mansur Mavlaev. Zusammen mit Michael Portmann absolviert er derzeit die Sportrekrutenschule in Magglingen. Vor dem letzten Duell fragte er den Trainer, ob 3:0- oder 3:1-Mannschaftspunkte für den Erfolg von Willisau gefordert seien. Die Antwort war: Ein 3:1 würde auch genügen. Dabei blieb es nicht. Das grosse Talent siegte gegen Joel Meier mit 10:0. Am Ende hatten beide Teams je fünf Siege auf ihrem Konto.

Freiamt-Trainer ärgert sich über «grosse Dummheit»

«Vor der Pause sprach noch alles für Freiamt. Die Niederlage von Roger Heiniger war für uns ein erster Tiefschlag. In der Schlussphase sind die Athleten wie schon vor einer Woche in Muri erneut über sich hinausgewachsen und fanden zu ihrer alten Stärke zurück», gab der Willisauer Co- Cheftrainer Philipp Rohrer zu Protokoll. «Ich hätte den Match lieber sportlich gewonnen als am grünen Tisch. Den Frust von Freiamt kann ich sehr gut verstehen.» Für ihn sei es sehr wichtig, dass sich die Mannschaft sportlich in die richtige Richtung entwickelt habe.

Für die Akteure und Fans bleibt es bis am Ende spannend.

Für die Akteure und Fans bleibt es bis am Ende spannend.

Bild: Nadia Schärli (11. Dezember 2021)

Nach den ersten fünf Kämpfen wackelte der Meisterthron des Titelverteidigers bedrohlich. Fast alles lief für vorerst für Freiamt. Der erfolgsverwöhnte Timon Zeder fand gegen Nils Leutert kein Rezept. Mager war auch die Ausbeute von Delian Alishahi. Der Schwergewichtler gewann gegen den defensiven Kranzschwinger Roman Zurfluh nur mit 4:0. Nach der ersten Hälfte führte Freiamt mit 12:4. Letztlich blieb für Freiamt aber nur der grosse Frust. «Einmal mehr hat mit Willisau die glücklichere Mannschaft gewonnen», sagte der Cheftrainer von Freiamt, Marcel Leutert. «Unsere Ringer haben sich sehr gut auf den Gegner eingestellt und super gekämpft. Das Fehlverhalten unseres Topringers war eine grosse Dummheit und hat uns schliesslich den Sieg gekostet.»

NLA. Mannschaftsmeisterschaft. Final (best-of-3). 2. Kampf: Willisau – Freiamt 17:16. – Die Willisau Lions sind zum 16. Mal Schweizer Meister.

Willisau Lions – RS Freiamt 17:16
BBZ. – 1700 Zuschauer. – 57 kg: Timon Zeder v. Nils Leutert 1:2. – 61 kg: Lukas Bossert v. Nino Leutert 1:3. – 65 kg: Roger Heiniger v. Michael Bucher 0:3. – 70 kg: Tobias Portmann v. Randy Vock 1:2. – 75 kg: Michael Portmann s. Pascal Strebel 2:1. – 75 kg: Mansur Mavlaev s. Joel Meier 3:0. – 80 kg: Jonas Bossert s. Marc Weber 3:1. – 86 kg: Reto Reichmuth s. Magomed Ayskhanov 4:0. – 97 kg: Daniel Häfliger v. Christian Zemp 0:4. – 130 kg: Delian Alishahi s. Roman Zurfluh 2:0.