Schwimmen und Rad
Die Urnerin Sara Baumann wird Weltmeisterin in einem speziellen Wettkampf

Die Schattdorfer Triathletin Sara Baumann triumphiert im Aquabike, einer verkürzten Form des Ironmans.

Josef Mulle
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Im Schwimmen legt die Urnerin Sara Baumann den Grundstein zu ihrem Erfolg.

Im Schwimmen legt die Urnerin Sara Baumann den Grundstein zu ihrem Erfolg.

Bild: PD

Das niederländische Almere, eine erst 1972 erbaute Stadt am Ijsselmeer, war am vergangenen Wochenende Schauplatz der in der Schweiz noch grösstenteils unbekannte Variante des Ironmans, wo nach 3,8 km Schwimmen und 180 km Velofahren das Rennen beendet ist, ohne noch die Laufdistanz eines Marathons anzuhängen. Für die Urner Triathletin Sara Baumann die ideale Sportart, die das Laufen sowieso nicht gerade zu ihrer Lieblingsdisziplinen zählt. «Ich glaube, ich hätte diese Kombination irgendwann einmal selbst erfunden», sagt die Sportlerin lachend. Es war aber jemand schneller, denn die ersten Weltmeisterschaften im Aquabike wurden bereits 2017 ausgetragen.

Sepp Indergand, Trainer von Sara Baumann, stellte für die Weltmeisterschaften in Almere die Trainingsplanung zusammen und war dann auch für den «Schlachtplan» auf der Velostrecke des Wettkampftages verantwortlich. Die Trainings wurden verlängert, und mit der Chasing Cancellara Bern-Andermatt Anfang Juli stand auch ein erster Härtetest auf dem Programm, den Baumann mit Bravour bestand.

Nun hat Schattdorf eine Weltmeisterin

Das Abenteuer Weltmeisterschaften Almere startete Sara Baumann ohne Verbandsunterstützung, begleitet von ihren Eltern Beat und Monika, die ihre Tochter während der gesamten Woche und auch am Renntag optimal betreuten. Rund 150 Athletinnen und Athleten stellten sich der Herausforderung, wobei die USA und England am besten vertreten waren. Sara Baumann war die einzige Schweizerin unter den 50 Frauen, die um den Weltmeistertitel kämpften.

Gestartet wurde am 11. September im Ijsselmeer (Süsswassersee) zum Schwimmwettbewerb von 3,8 km, aufgeteilt in zwei Runden. Baumann setzte sich zusammen mit einer Athletin aus den USA sofort an die Spitze und gewann den Bewerb überlegen in einer Zeit von 59:34 Minuten.

Der Wechsel aufs Rad funktionierte optimal, obwohl in der ersten Phase bei der Sportlerin etwas Panik aufkam, als die hohe Pulsfrequenz vom Schwimmen nicht sofort zurückging. «Es war etwas ungewohnt, mit so hohem Puls zu starten, und erste Zweifel machten sich bemerkbar, ob das Abenteuer auch wirklich gut ausgeht», erinnert sich Baumann. Mit der gesunkenen Pulsfrequenz kehrte bei der Schattdorferin aber auch die Ruhe zurück.

Mit «Alltagsvelo» schnell unterwegs

Das Radrennen über die 180 km, ebenfalls aufgeteilt in zwei Runden, wurde zu einer eigentlichen Erfolgsgeschichte, obwohl sich die Konkurrenz zuerst etwas über die «Exotin» wunderte, die ohne eigentliche Zeitfahrmaschine angetreten war. Nach Bewältigung der ersten 120 Kilometer hatte Baumann mit ihrem «Alltagsvelo» bereits einen Vorsprung von über 5 Minuten auf ihre Gegnerinnen herausgefahren. «Die letzten 20 Kilometer waren dann aber auch für mich eine Tortur, und ich begann eigentlich nur noch zu funktionieren, vom Willen beseelt, den Vorsprung ins Ziel zu retten und den Weltmeistertitel in die Schweiz und nach Schattdorf zu bringen», schildert die Athletin. Schliesslich reichte es aber doch, und die einzige Schweizerin Sara Baumann war die grosse Siegerin der Weltmeisterschaften im Aquabike 2021. Sie gewann in einer Zeit von 6:04:38 Stunden vor Felicity Joyce und Amber Smolik.

Jetzt beginnt das Studium

Lange Zeit zum Feiern bleibt nicht, denn die Schattdorferin beginnt bereits am Montag in Fribourg ein Studium zur Osteopathin und wird deshalb in Zukunft sportlich etwas kürzertreten. «Falls aber Aquabike auch in der Schweiz zu einem Thema wird, werde ich mich sicher in die Startliste einschreiben», betont Sara Baumann.

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