Eishockey
Olympia-Testlauf mit vielen Absenzen: Die Schweizer Frauenauswahl testet gegen Japan

Die Schweizer Eishockey-Frauen biegen in der Olympia-Vorbereitung auf die Zielgerade ein. Vier Zentralschweizerinnen sind im Kader.

Daniel Monnin
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Lara Stalder (links) und Shannon Sigrist feiern einen Treffer im WM-Bronzespiel gegen Finnland. Nun folgen Testspiele gegen Japan.

Lara Stalder (links) und Shannon Sigrist feiern einen Treffer im WM-Bronzespiel gegen Finnland. Nun folgen Testspiele gegen Japan.

Jeff Mcintosh/Keystone (Calgary, 31. August 2021)

Der November-Termin ist eine Art Testphase, denn dem Schweizer Frauen-Nationalteam fehlen im Vergleich zum WM-Kader vom August nicht weniger als neun Spielerinnen. Zwei von ihnen sind verletzt (Lisa Rüedi von den ZSC Lions und Noemi Ryhner von Lulea), sieben spielen aktuell in nordamerikanischen Ligen und sind in den drei Länderspielen vom 11. bis 13. November gegen Japan in Romanshorn nicht dabei. Angeführt von Alina Müller, die sich an der WM frühzeitig verletzte und erst wenige Spiele bestritten hat, sind dies die beiden Torhüterinnen Andrea Brändli und Saskia Maurer, die Verteidigerin Nicole Vallario sowie die Stürmerinnen Kaleigh Quennec, Evelina Raselli und Rahel Enzler.

Auch in Abwesenheit von Enzler und Ryhner stellt die Zentralschweiz mit Schweden-Topskorerin Lara Stalder (schon 30 Punkte), den beiden Reinacherinnen Nadine Hofstetter und Mary Frey sowie der Sebener Torhüterin Vanessa Bolinger vier Spielerinnen ab. Bolinger, die neben ihrem Engagement beim Zweitligisten Engiadina auch bei den Thurgau Indien Ladies in der höchsten Frauen-Liga spielt, ist die klare Nummer 1 im Team, doch es ist davon auszugehen, dass auch die Baselbieterin Caroline Spies (19) und die erstmals aufgebotene Alexandra Lehmann (Lugano, 21) zu ihren Einsätzen kommen werden. Neben Lehmann stehen drei weitere Spielerinnen vor ihrem Nati-Debüt: die erst 15-jährige Bündnerin Ivana Wey (Davos/Thurgau Indien Ladies), die 16-jährige Alessia Baechler (GCK Lions U17 Top/ZSC Lions) und die letztjährige Lugano-Stürmerin Keely Moy (Harvard, 23).

Pechvögel Vanessa Bolinger und Noemi Ryhner

Ein Wochenende der speziellen Art hat Vanessa Bolinger hinter sich: Am Samstag kassierte sie im Spiel gegen Lenzerheide sechs Tore in den ersten 14 Minuten und wurde erstmals in ihrer Karriere ohne vorherige Absprache ausgewechselt. Keine 24 Stunden später musste sie als Thurgau-Torhüterin im Spitzenspiel gegen die ZSC Lions erneut sechsmal hinter sich greifen.

«So etwas habe ich in meiner langen Karriere noch nie erlebt, es lief so ziemlich alles schief, was schieflaufen kann»,

sagt sie. Grosse Vorwürfe könne sie sich keine machen, «solche Momente kann es geben, damit muss ich leben». Sie habe sich deshalb eine eigene Strategie festgelegt und das «Wochenende komplett aus meinem Gedächtnis gestrichen. Stattdessen rufe ich mir ein anderes, positives Ereignis in Erinnerung».

Noch viel mehr Pech hatte Noemi Ryhner, die erst auf diese Saison hin von Meister Lugano zum schwedischen Meister Lulea gewechselt hatte. Bereits im dritten Spiel verletzte sie sich am Kreuz- und Innenband. Dabei hatte die Saison mit je drei Toren und Assists in drei Spielen perfekt begonnen. Ryhner entschied sich nach Absprache mit Nationalteam-Arzt Lukas Weisskopf zur Rückkehr in die Schweiz und zu einer konservativen Therapie, auch mit Blick auf die Olympischen Spiele vom kommenden Februar. Mittlerweile hat sie eine Eigenblut-Therapie in Rheinfelden (sie soll die Heilung des Kreuzbandes fördern) hinter sich und trainiert täglich in Luzern.

«Anfang November wissen wir, ob die Therapie angeschlagen hat und wir den eingeschlagenen Weg fortsetzen können»,

sagt sie. Sie sei zuversichtlich, fühle sich gut und denke positiv.

Trainer Muller freut sich über «Ausnahmetalente»

Für Headcoach Colin Muller bieten die November-Länderspiele eine willkommene Gelegenheit, sein breites Kader – zusätzlich ergänzt durch eine Reihe von U18-Spielerinnen – zu sichten. «Die Spiele gegen Japan sind in der Tat ein Testlauf für die Olympischen Spiele», sagt Muller. Besonders angetan haben es ihm seine beiden jüngsten Spielerinnen:

«Ich sehe Ivana Wey und Alessia Baechler jede Woche im Stützpunkt-Training im Spitzensportzentrum OYM, sie sind Ausnahmetalente und ein Versprechen für die Zukunft.»

Im Dezember, mit den Spielen in Basel gegen Schweden (16. und 18.) sowie Deutschland (19.), will Trainer Muller praktisch nur noch sein Olympia-Team aufbieten.

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