Handball
Tabellenleader: Muotathal sorgt für Gänsehaut

Der KTV Muotathal gewinnt in Altdorf mit 29:27 und steht in der 1. Liga an der Tabellenspitze.

Stephan Santschi
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Charakter gezeigt: Muotathal mit Kevin Heinzer (am Ball).

Charakter gezeigt: Muotathal mit Kevin Heinzer (am Ball).

Bild: Dominik Wunderli (Altdorf, 18. September 2021)

«Ich bin gar nicht zufrieden mit dem Spiel unserer Jungs.» Das sagte nicht etwa ein Vertreter aus dem Lager des KTV Altdorf, der das Zentralschweizer Derby in der 1. Liga verloren hat, sondern der Trainer des Siegers aus Muotathal, Marius Kasmauskas.

«15 Minuten hat alles perfekt geklappt, dann glaubten wir, schon gewonnen zu haben. Die Mannschaft verlor die Disziplin.»

Nach einer Viertelstunde führten die Gäste aus dem Kanton Schwyz nämlich komfortabel mit 12:5, hatten trotz der Manndeckung auf ihren Spielmacher Alexander Suter alles im Griff, verteidigten im 3:2:1-Verbund resolut und dominierten den Gegner nach Belieben.

Dann schlich sich der Schlendrian ein, bis zur 26. Minute und dem Skore von 17:10 blieb dies ohne grössere Konsequenzen. Anschliessend schoss Muotathal aber während 12 Minuten kein Tor mehr und lag in der 38. Minute mit 17:18 zurück. «Wir verteidigten sehr schwach, verloren ziemlich viele Zweikämpfe – es war eine Einstellungssache», monierte Kasmauskas. Sein Team zeigte aber Charakter und fand ins Spiel zurück. In der 52. Minute lag Altdorf noch mit 25:23 vorne, dann drehte Muotathal den Spiess um und siegte mit 29:27. «Hauptsache gewonnen», hielt Kasmauskas fest.

Muotathal in die NLB? «Nein, das wäre zu früh»

Der 41-jährige Ex-Nationalspieler Litauens trainiert die Muotathaler seit dem Sommer 2020, davor stand er in der NLB beim KTV Altdorf als Rückraumspieler im Einsatz. Mit drei Siegen aus drei Spielen gelang nun ein Saisonstart nach Mass, aktuell ziert sein Team die Tabellenspitze. «Es macht mir grossen Spass, mit dem Team zu arbeiten. Ich hätte nicht gedacht, dass man auch als Trainer Gänsehaut bekommen kann», erzählt Kasmauskas mit einem Lächeln. Obwohl Shooter Janik Nauer zum BSV Stans in die NLB weitergezogen ist, präsentiert sich Muotathal als ausgewogenes Kollektiv. Setzt man sich im Thäli den Aufstieg in die NLB zum Ziel?

«Nein, das wäre zu früh, wir brauchen dazu mindestens noch zwei Jahre. Wir haben ein ziemlich junges Team, es fehlt noch an Muskelmasse.»

Der Jugendförderung hat sich auch Altdorf verschrieben. Nach den Abgängen von Spielertrainer Mario Jelinic und Mario Obad soll die Verantwortung auf mehr Schultern verteilt werden. Der neue Mann an der Seitenlinie heisst Stefan Epp (45), der in der NLB als Kreisläufer um jeden Ball gekämpft hat und diese Leidenschaft nun seiner Equipe vermitteln will. «Ich war auch mal jung und froh, eine Chance zu erhalten. Junge Spieler sollen Fehler machen dürfen», erzählt Epp, der zuletzt ein Jahr als Assistenztrainer in der U15-Auswahl der SG Pilatus engagiert war.

Gegen Muotathal waren es ein paar Fehler zu viel, vorne vermissten die Urner zuweilen die Geduld, um sich in die richtige Abschlussposition zu bringen. Um Spielmacher Florian Henrich etwas zu entlasten, möchte man für den rechten Rückraum den Kroaten Petar Bubalo verpflichten, der zuletzt in der dritten Liga Deutschlands gespielt hat. Die Zielsetzung ist allerdings bescheidener als in der Vergangenheit, vorderhand will Altdorf mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

Altdorf – Muotathal 27:29 (13:17)
Feldli. – 150 Zuschauer. – Strafen: 7-mal 2 Minuten gegen Altdorf; 6-mal 2 Minuten gegen Muotathal. – Altdorf: Dittli (1 Parade)/Amrein (10); Aschwanden (3 Tore), Müller, Baumann (1), Wyss (3), Inderbitzin (4), Ledermann (2), Auf der Maur (4/2), Henrich (10/4), Adamcik. – Muotathal: Remo Betschart (4 Paraden)/Oechslin (2); Suter (5 Tore), Nauer, Ivo Betschart (6), Pascal Gwerder (11/4), Heinzer (5), Fabio Gwerder, Martin Betschart (1), Lüönd (1). – Bemerkung: Amrein pariert Penalty von Pascal Gwerder (49./23:21).

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