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Nach Sieg am Luzerner Hilliminator: Dominic Kunz reist mit Rückenwind nach Burkina Faso

Dominic Kunz gewinnt den Hilliminator 2021 in Luzern – nun fliegt er zu einem mehrtägigen Rennen nach Afrika.

Peter Birrer
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Seine Strategie geht perfekt auf: Der Luzerner Dominic Kunz fährt die steile Hochbühlstrasse hoch.

Seine Strategie geht perfekt auf: Der Luzerner Dominic Kunz fährt die steile Hochbühlstrasse hoch.

Rund 300 Meter sind es nur, aber sie können wehtun. Für brennende Oberschenkel sorgen. Weil es aufwärtsgeht, steil aufwärts. Gut 60 Meter beträgt der Höhenunterschied zwischen Start und Ziel. Die Strecke führt die Hochbühlstrasse in Luzern hoch, und ermittelt wird der Sieger des sogenannten Hilliminators in einem Ausscheidungsrennen. «Quäl dich» steht in Kreide auf der Strasse, auch «Hölle» – und «letzte Verpflegung vor dem Ziel». Es herrscht eine wunderbare Wettkampfatmosphäre im Kleinformat.

55 Teilnehmende haben sich angemeldet, darunter Linus Bolzern, der U23-Europameister im Kanu. Und Dominic Kunz ist dabei, einer der Favoriten, im vergangenen Jahr wurde er Zweiter. Die Strategie, die er sich zurechtgelegt hat, geht perfekt auf. Er startet zurückhaltend, spart so Kraft, kommt Runde für Runde weiter – und entscheidet schliesslich den Finallauf für sich.

Schulter bereitet immer wieder Probleme

Für Dominic Kunz ist die Teilnahme am Hilliminator eine Ehrensache, «einfach ein cooler Event», der erst noch quasi vor der Haustür stattfindet. Aufgewachsen ist der 23-Jährige in Hergiswil am Napf, inzwischen lebt er mit seiner Freundin in Kriens. Dort arbeitet er auch – als Velomechaniker. In diesem Sommer hat er mit der Zweitausbildung begonnen.

Hilliminator ist für Organisator Ruben Wey «ein Herzensprojekt»

Hinter dem Hilliminator steckt der 45-jährige Ruben Wey, Projektleiter in einer IT-Firma. Vor acht Jahren lancierte er die erste Austragung dieses speziellen Radrennens, das keine Kommerzveranstaltung, sondern ein «Happening für alle Velofans» sein soll, wie er es formuliert. Das Budget ist bescheiden, dafür ist die Hingabe gross, mit der Wey zusammen mit acht Helferinnen und Helfern bei der Sache ist. «Für uns ist das ein Herzensprojekt», sagt er, «im Vordergrund steht der Spass. Gleichzeitig ist das sportliche Niveau beeindruckend. Mehrmals diese Strasse hochzufahren, das verlangt enorm viel ab». Als die Austragung 2021 vorbei ist, bilanziert Wey zufrieden: «Es hat sich einmal mehr gelohnt, viel Zeit in die Organisation zu stecken.» Wenn er nach einem Wunsch für die Zukunft gefragt wird, denkt er nicht zwingend an Sponsoren, sondern eher daran, dass die Stadt Luzern aktiv würde. Mit einem Grinsen sagt er: «Es wäre schön, wenn die Strecke in Hilliminatorstrasse umbenannt würde.» (peb.) Hinweis Rangliste und weitere Infos: hiliminator.ch

Das Velo steht in jungen Jahren noch nicht so im Mittelpunkt wie heute. Der erste Sport, mit dem Kunz in Berührung kommt, ist das Ringen, eine Tradition in seinem Heimatort. Später findet er zum Ausdauersport, er erweist sich als begabter Läufer. Und: Er ist auch gerne mit dem Velo unterwegs. Eines Tages rät ihm der Vater, sich doch für ein Mittwochabendrennen in Dagmersellen anzumelden. Das tut er. Und wird entdeckt.

Marcel Heller, damals Präsident des VC Schötz, erkennt im jungen Luzerner ein Talent, das gefördert werden sollte. Kunz wird 2012 Mitglied bei den Schötzern, Heller sein Trainer, der ihm Trainingspläne erstellt. Kontinuierlich wird der Trainingsumfang gesteigert, aus dem Hobbysportler wird ein ambitionierter Athlet, der sich schon fast Teilzeitprofi nennen darf, schliesslich bringt er es pro Woche in der Regel doch auf 20 Trainingsstunden.

Im vergangenen Jahr schafft er den Sprung zur Elite und fährt für das Team Kibag Obor CKT. Er bestreitet verschiedene mehrtägige Rennen, hat aber auch mit Verletzungen zu kämpfen. Die rechte Schulter bereitet immer wieder Probleme, mehrmals kugelt er sie sich aus, einmal sogar im Schlaf.

Aber Kunz lässt sich nicht aufhalten. Der Radsport ist seine Leidenschaft, die er am liebsten zu seinem Beruf machen würde, und wenn er von Träumen redet, ist für ihn ein Start an der Tour de Suisse weit oben. Aber er kann sich selber gut einschätzen, er weiss, dass die Realität derzeit eine andere ist. Dass er den Lebensunterhalt in erster Linie mit seinem Job als Velomechaniker verdienen muss. Und die Wettkämpfe nebenbei bestritten werden. Das Abenteuer kommt gleichwohl nicht zu kurz. Er war schon auf Rhodos, in der Türkei – und am Dienstag bricht er auf nach Afrika. Mit Rückenwind nach seinem Sieg am Hilliminator:

«Der Erfolg gibt mir Selbstvertrauen.»

1300 Kilometer bei hohen Temperaturen

Mit fünf Mannschaftskollegen, dem Sportlichen Leiter, einem Mechaniker und einer Betreuerin fliegt er via Istanbul nach Ouagadougou. In Burkina Faso steht die Tour du Faso auf dem Programm, ein Rennen mit zehn aufeinanderfolgenden Etappen über insgesamt 1300 Kilometer. 36 bis 40 Grad heiss soll es sein, weshalb jeweils am frühen Morgen gestartet wird.

Kunz hofft, dass er mit seinem Team einen Etappensieg erringen kann. Auf den flachen Abschnitten sieht er seine Rolle vor allem in der eines Helfers, der für sprintstarke Kollegen wie etwa Jan-André Freuler arbeitet. Und in Steigungen kämen seine Qualitäten zum Vorschein: Der 1,81 Meter grosse und 66 Kilogramm schwere Fahrer mag es, wenn es Berge hochgeht. Was immer die Tour du Faso für die Schweizer bereithält: Für Dominic Kunz ist sie ein nächster Schritt in seiner sportlichen Karriere.

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