Nationalturnen
Matthias Herger stiehlt Andi Imhof die Show

Matthias Herger (26) feiert in Bürglen den grössten Erfolg seiner Karriere und verweist «Mister Nationalturnen» Andi Imhof auf Rang 2.

Urs Hanhart
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Matthias Herger jubelt am Zentralschweizer Nationalturntag.

Matthias Herger jubelt am Zentralschweizer Nationalturntag.

Optimaler hätte der Wettkampf der Königsklasse (Kategorie A) aus Sicht des Veranstalters und der einheimischen Fans nicht verlaufen können. Mit Andi Imhof und Matthias Herger, die eng miteinander befreundet sind, qualifizierten sich nämlich die beiden Aushängeschilder des für die Organisation des Zentralschweizer Nationalturntags zuständigen TV Bürglen für den Schlussgang im Schwingen. Topfavorit Imhof, der die Nationalturnszene in den letzten anderthalb Jahrzehnten beinahe nach Belieben dominiert hatte, musste allerdings einen Punkt Rückstand aufholen und gewinnen, um seinen elf Jahre jüngeren Klubkollegen noch von der Spitze zu verdrängen.

Der 37-jährige Routinier zeigte sich im Showdown aktiv und startete zahlreiche Angriffe, die jedoch vom Youngster gekonnt pariert wurden. Herger geriet nie ernsthaft in Gefahr, von seinem renommierten Gegner auf den Rücken katapultiert zu werden. Somit endete der Schlussgang mit einem Gestellten. Herger durfte sich mit einem Punktetotal von 95,3 als Sieger feiern lassen und verwies Imhof mit 0,8 Punkten Vorsprung auf Platz 2. Imhof nahm die Niederlage sehr sportlich hin. Die Lokalmatadoren feierten gemeinsam den Bürgler Doppelsieg, wenn auch Herger ein Stockwerk höher – auf den Schultern von Imhof und einem weiteren Vereinskameraden.

Starke Leistungen in fast allen Disziplinen

«Dieser Sieg ist mein bisher grösster Erfolg im Nationalturnen. Besonders schön ist natürlich, dass ich ihn vor meinem Heimpublikum landen konnte», freute sich Herger. Zum Schlussgang meinte der 1,84 Meter grosse und 112 Kilo schwere Hüne: «Durch meinen kleinen Vorsprung konnte ich taktisch Schwingen. Ich war zuversichtlich, dass es mindestens für einen Gestellten reicht. Aber der letzte Gang war lange und sehr hart. Ich musste alles geben.» Vor drei Wochen am Thurgauer Kantonalturntag hatte Herger im Schlussgang gegen Imhof noch den Kürzeren gezogen. Diesmal konnte er den Spiess also umdrehen, zumindest im Hinblick auf den Festsieg. Den Grundstein zu seinem Coup legte Herger mit Topleistungen im Steinheben und Steinstossen, wo er jeweils die Maximalnote 10 holte. In der Freiübung kam er mit 9,7 sehr nahe ans Optimum heran. Einzig im Schelllauf lief es ihm nicht ganz wunschgemäss, musste er sich doch mit für seine Verhältnisse relativ bescheidenen 8,4 Punkten begnügen. Nach sechs Disziplinen (inklusive erste Runden im Ringen und Schwingen) lag Herger mit fast 2 Punkten Vorsprung in Führung. Dieses Polster schmolz im Ringen und Schwingen ein wenig, reichte aber letztlich locker aus, um vorne zu bleiben.

Am kommenden Samstag wird in Beckenried die Schweizer Meisterschaft im Nationalturnen ausgetragen. Die beiden Urner Topathleten werden dort auch an den Start gehen. Zu seiner Zielsetzung verriet Herger: «Mit meiner aktuellen Form liegt sicherlich viel drin. Ich werde einfach wieder mein Bestes geben und schauen, was dabei herauskommt. Es wäre schön, wenn ich es aufs Podest schaffen würde.» Nach seinem tollen Auftritt in Bürglen gehört Herger sicherlich zum engsten Kreis der Titelaspiranten. Gleiches gilt auch für Imhof, der versuchen wird, die Scharte auszuwetzen und ein weiteres Mal den Thron zu besteigen. Zu beachten sind aber auch die beiden Nidwaldner Marco Lussi (Ennetbürgen) und Raphael Waser (Beckenried), die in Bürglen solide Leistungen ablieferten und die Plätze 3 und 4 belegten.

Karriere als Vollprofi ist kein Thema

Herger hat noch ein weiteres grosses Ziel vor Augen. Er startet am letzten Septembersonntag am Kilchberg-Schwinget. «Es ist ein riesiges Highlight für mich, dort antreten zu können», so der Maschineningenieur, der kürzlich sein Studium erfolgreich abgeschlossen und eine Stelle in Stans angetreten hat. Herger, der drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche absolviert, möchte auch künftig genau gleich wie Imhof zweigleisig weiterfahren und sich nicht aufs Schwingen oder Nationalturnen spezialisieren. Er betonte: «Für mich ist und bleibt der Sport ein Hobby. Auf eine vollprofessionelle Schiene möchte ich nicht gehen.»

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