Rollstuhlmarathon
Nach den Siegen in London geht es für Manuela Schär und Marcel Hug Schlag auf Schlag

Marcel Hug und Manuela Schär siegen in London. Mit Chicago und Boston folgen zwei Marathons innert weniger als 24 Stunden.

Jörg Greb
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Manuela Schär hat einen Streckenrekord aufgestellt.

Manuela Schär hat einen Streckenrekord aufgestellt.

Kirsty Wigglesworth/Keystone (London, 3. Oktober 2021)

Die Paralympics und die einzigartigen Erfolge geniessen: von wegen. Sowohl der vierfache Goldmedaillengewinner Marcel Hug wie auch die Doppel-Olympiasiegerin und dreifache Zweite Manuela Schär haben sich im Nu umgestellt. Die grossen Städtemarathons kündigten sich an – und mit ihnen die Möglichkeit, sich erneut zu profilieren und zu präsentieren.

Für den Nottwiler und die Krienserin ist der Start in den Herbst geglückt. Hug und Schär triumphierten sowohl beim Berlin Marathon am vorletzten Sonntag wie auch am vergangenen Sonntag in London. Schär löste sich am Sonntag bereits bei Kilometer 6 in der ersten Abfahrt von ihren hartnäckigsten Widersacherinnen, Hug bei Streckenhälfte – unmittelbar nach der verlorenen Sprintwertung. Schär siegte mit 1:39:52 Stunden, was Streckenrekord bedeutete, und einem Vorsprung von 4:59 Minuten. Hug lag mit seinen 1:26:27 drei Minuten vor seinem ersten Verfolger, auch er stellte einen Streckenrekord auf. Es sei cool gewesen, sie hätten sich grossartig gefühlt und alles richtig gemacht, befanden beide nach dem Rennen übereinstimmend.

Schär benötigte mentale und körperliche Pause

Die Genugtuung ist nicht nur der Resultate wegen geschuldet. Der Fokuswechsel und die Neuorientierung verlangten viel von den Aushängeschildern im Rollstuhlsport ab. «Mich hatte nach den Paralympics die Müdigkeit eingeholt», sagt Manuela Schär. So verspürte sie nach dem fünften Finalrennen innert neun Tagen und Marathon-Silber eine «enorme Zufriedenheit» obwohl die 42,195 km eigentlich ihre Paradedisziplin darstellen:

«Ich war darauf eingestellt: Olympia mit seinen vielen Rennen ist anders. Marathon-Zweite zum Schluss, das war grossartig.»

Nicht nur körperlich benötigte sie eine Pause, sondern vor allem mental. Und obwohl diese sehr kurz war, zeigte sie die gewünschte Wirkung. «Der Sieg in Berlin sorgte für eine riesige Erleichterung», sagt Schär rückblickend. Sie hat den Beweis erhalten: Das Konzept von ihr und ihrem Coach Claudio Perret ist aufgegangen. Ähnliches trifft auf Marcel Hug zu. Auch er und sein Trainer Paul Odermatt verstanden es, die richtigen Akzente zu setzen: «Die Form halten, den Olympia-Schwung mitnehmen.»

Auch Marcel Hug feiert seinen Sieg in London.

Auch Marcel Hug feiert seinen Sieg in London.

Yui Mok /PA Images

Berlin und London innert acht Tagen – ein intensives Programm. Was nun folgt, ist aber noch viel herausfordernder. Am kommenden Sonntag und Montag findet der Chicago und der Boston Marathon statt. Keine 24 Stunden liegen dazwischen. Hinzu kommt die Reiserei: Mitte dieser Woche geht es von der Schweiz in die USA, am Sonntag von Chicago nach Boston. Und es gibt einen kaum beeinflussbaren Faktor: den Transport des Rennrollstuhls. Manuela Schär erlebte dies beim Rückflug von Berlin, als ihr Arbeitsgerät erst am Folgetag eintraf, nur wenige Stunden vor dem Abflug nach London. Das ist aber nicht der Grund, weshalb sie auf den Start in Chicago verzichten wird:

«Meine Ausgangsposition in der Gesamtwertung der Majors Serie ist hervorragend. Ich kann mir dies leisten und will am nächsten Montag in Boston siegen.»

Hug wird kein Rennen auslassen

Anders ist es bei Marcel Hug: Er stellt sich «der einmaligen Challenge» und freut sich darauf. Auch er will die prestigeträchtige Serie für sich entscheiden. Ein Auslassen und Priorisieren kann und will er sich aber nicht leisten. Mit seinem härtesten Widersacher Daniel Romanchuk (USA) liegt er gleichauf an der Spitze – und auch Romanchuk bestreitet das Double Chicago und Boston. Hug sagt: «Ich weiss, dass ich zwei Topleistungen in dieser kurzen Zeitspanne abliefern kann. Und die Ausgangslage erklärt, dass ich nicht sogleich all-in gehen werde.» Marcel Hug geht die bevorstehenden Herausforderungen also optimistisch an: «Das ist Neuland für alle. Ich vertraue meinem Material und mir.»

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