Eishockey
Mara Frey vor der WM in Kanada: «Ich bin für alles bereit»

Die Seetaler Eishockeyspielerin Mara Frey (18) hofft in Calgary auf ihr WM-Debüt. Im Fokus der Schweizerinnen steht eine Medaille.

Daniel Monnin
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Mara Frey (rechts) mit der Innerschweizer Teamkollegin Rahel Enzler vor dem Abflug nach Calgary.

Mara Frey (rechts) mit der Innerschweizer Teamkollegin Rahel Enzler vor dem Abflug nach Calgary.

Mara Freys Karriere verlief nicht immer nur steil nach oben: Mit 13 Jahren debütierte sie Ende Oktober 2015 mit dem Reinacher Frauen-Team in der Women’s League. Zwei Saisons und nur sieben Spiele auf höchstem Niveau später entschloss sie sich zu einem Wechsel zum ambitionierten B-Klub Langenthal. «Das war das Beste, was ich in diesem Moment tun konnte», erinnert sie sich heute.

«Ich habe in Langenthal mehr Eiszeit und auch mehr Verantwortung erhalten, das hat meiner Entwicklung gutgetan.»

In der Tat, denn es folgte ihre erste und gleichzeitig altersbedingt auch letzte Nomination für eine U18-WM.

Heute steht sie nach einem Wechsel zurück zu Reinach in die Women’s League als eine von acht Rookies im WM-Team und ist nach einer fünftägigen Isolation im Hotelzimmer in Calgary wieder auf dem Eis. Sie habe die Quarantäne gut überstanden, «auch weil wir ständig beschäftigt waren und so fast keine Langeweile aufkommen konnte». Meetings, Off-Ice-Sessions, Technisches oder Taktisches: Alles ging via Computer und Zoom über die Bühne. «Man gewöhnt sich schnell daran, zumal wir dies Hilfsmittel bereits in der Schweiz verwendet haben», sagt Frey. Zudem setzt sie ihre Freizeit auch für die Maturaarbeit ein. «Das kam mir ganz gelegen, ich konnte mich in der Ruhe und Abgeschiedenheit meines Hotelzimmers ganz gut konzentrieren.»

Gut aufgehoben im Team

Am kommenden Freitag wird die Konzentration auf eine andere Aufgabe gelegt: Die erste WM-Partie gegen den neunfachen Weltmeister USA steht auf dem Programm. «Ich weiss, dass ich zu den Neuen im Team gehöre, ich lasse mich nicht irritieren und bereite mich jeden Tag gleich vor, egal ob ich spiele, auf der Bank bin oder überzählig auf der Tribüne sitze. Ich bin für alles bereit und werde immer versuchen, mein Bestes abzurufen», sagt die 18-jährige Stürmerin. Denn: Man merke im Team eigentlich gar nicht, wer schon länger dabei sei und wer erst seit kurzem:

«Alle helfen einander, und das ist gut so.»

Frey fühlt sich auf jeden Fall seit ihren ersten Trainings gut aufgehoben und spürt den Support des ganzen Teams.

Torhüterin Bolinger muss auf WM verzichten

Neben Mara Frey stehen vier weitere Innerschweizerinnen im WM-Kader des Schweizer Frauen-Nationalteams, allen voran Schweden-Topskorerin Lara Stalder (27). Dazu kommen Rahel Enzler (21), Noemi Ryhner (21) und Reinach-Verteidigerin Nadine Hofstetter (26), die wie ihre Klubkollegin Mara Frey zu den acht Rookies im Team gehört. Nicht dabei ist die Sebener Engiadina-Torhüterin Vanessa Bolinger: Die 22-Jährige, die noch im April-Aufgebot für die kurzfristig abgesagte WM stand, musste aus beruflichen Gründen verzichten. Bolinger sieht das jedoch positiv. So könne sie eine «normale» Saisonvorbereitung absolvieren und sich optimal auf die Olympischen Spiele von Peking 2022 vorbereiten. (dm)

Als Weltranglisten-Fünfte spielen die Schweizerinnen in der leistungsstärkeren Gruppe mit den Medaillenanwärtern USA, Russland, Kanada und Finnland und sind bereits für die Viertelfinals qualifiziert. Ziel des Teams von Headcoach Colin Muller ist der Sieg im Viertelfinal und damit das erstmalige Vorrücken in die Halbfinals seit Burlington 2012. Damals endete das Turnier in einer Sensation, dem Gewinn der ersten WM-Bronzemedaille, auf die zwei Jahre später in Sotschi eine olympische Bronzemedaille folgte. Auch Frey sieht im Viertelfinal «das Spiel aller Spiele, das wir um jeden Preis gewinnen wollen». Von einer Medaille spricht sie nicht, auch wenn genau dieses Ziel teamintern im Fokus steht und auch in verschiedenen Botschaften nach aussen getragen wurde.

Nach der Matura soll Medizinstudium folgen

Für die Zeit nach der Weltmeisterschaft ist alles vorgespurt: Frey wird weiterhin in Reinach tätig sein, «weil ich auf höchstem Niveau trainieren und spielen muss, damit ich meinen Platz in der A-Nati behalten kann». Beim Aufstiegsanwärter Langenthal wird sie erneut «aushelfen, wenn es der Spielplan erlaubt». Nach der Matura ist nach wie vor ein Medizinstudium angedacht, unterbrochen vielleicht von einem Auslandengagement. «Doch das ist Zukunftsmusik, jetzt konzentriere ich mich auf die WM», sagt Mara Frey.

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